Chef der Denkmalpflege besorgt

Greipl: 3000 Denkmäler in Bayern bedroht

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Die Klosterkirche von Benediktbeuern mit dem Friedhof im Vordergrund.

München - Der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Egon Greipl, hat gerade viele Sorgen: 3000 Denkmäler seien vom Verfall bedroht, andere sollen abgerissen werden.

Die Staatsregierung will einen neuen Konzertsaal in München - und dafür sogar möglicherweise den denkmalgeschützten Kongresssaal auf der Museumsinsel abreißen. Und in der Klosteranlage Benediktbeuern droht ein Neubau auf historischen Gartenflächen. Doch das sei nur die Spitze des Eisbergs, sagt Greipl im Interview der Nachrichtenagentur dpa in München. 3000 Denkmäler in Bayern seien vom Verfall bedroht.

Wie hat sich der Stellenwert des Denkmalschutzes bei Bauprojekten in Bayern in den vergangenen Jahren verändert?

Egon Greipl: „Ich habe in den dreizehn Jahren als Generalkonservator in Bayern sehr viel gesehen und viel gelernt von den über 120 000 Baudenkmälern in unserer Heimat. Vor allem habe ich eindrucksvoll erfahren, dass es ohne Denkmäler keine Identität geben kann. Denkmäler sind unter diesem Aspekt unersetzlich. Aber die Werte, um die es dabei geht, sind in den Jahren seit 1990 zunehmend ins Hintertreffen geraten. Die staatlichen Gestaltungsoptionen sind ständig schwächer geworden, weil zunehmend die Frage der Deregulierung gestellt wurde. Heute sind 3000 Denkmäler vom Verfall bedroht. Da müssten doch die Alarmglocken bei uns allen läuten.“

Wie steht Bayern im Vergleich mit anderen Bundesländern da?

Egon Greipl: „Dass der Einäugige unter den Blinden König ist, kann ihn trösten, ändert aber an seiner Behinderung nichts. Es gibt Bundesländer, da ist die finanzielle Situation deutlich schlechter. Bayern war ein Kulturstaat und muss dies auch bleiben. Und hier sollte der Denkmalschutz wieder eine größere Rolle spielen, immerhin geht es um nichts weniger als um die Verantwortung für das großartige kulturelle Erbe unserer Vorfahren.“

Ist der Umgang mit dem denkmalgeschützten Kongresssaal in München, der möglicherweise einem neuen Konzertsaal weichen soll, symptomatisch?

Egon Greipl: „Das hoffe ich nicht! Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ist der Anwalt des historischen Erbes. Ein Anwalt muss zornig werden, wenn jemand die gesetzlich verbrieften Rechte seines Mandanten verletzt. Kein Verständnis habe ich, wenn unser historisches Erbe zur Dispositionsmasse verkommt, und der Denkmalschutz beliebig wird.“

Gibt es derzeit ähnliche Projekte in Bayern, bei denen der Denkmalschutz eine vielleicht eher untergeordnete Rolle spielt?

Egon Greipl: „Ja. Zum Beispiel ist es schlimm, was in der national bedeutenden Klosteranlage Benediktbeuern passieren soll: ein großer Neubau in den historischen Gartenflächen und an der bestens erhaltenen Südfront der Anlage. Und das, obwohl es einen alternativen Standort gibt, mit dem der Bauherr und der Nutzer gut leben könnten.

Gibt es Ihrer Ansicht nach in München oder ganz Bayern Bausünden der letzten Jahre, bei denen der Denkmalschutz sträflich vernachlässigt wurde?

Egon Greipl: „Die Tatsache, dass 3000 Denkmäler in Bayern leer stehen und im Weiterbestand gefährdet sind, sagt alles. Die Tatsache, dass es in vielen Dörfern außer der Kirche kein historisches Gebäude gibt, sagt auch viel.“

Interview: Britta Schultejans, dpa

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