Vorsichtige Entwarnung

Die Blutprobe auf dem Weg nach Deutschland

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Mit diesem Transporter wurde am Dienstag eine Blutprobe des 15-Jährigen in ein deutsches Labor gefahren.
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  • Xaver Eichstädter
    Xaver Eichstädter
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Landkreis - Seit Montag herrscht im Salzburger Landeskrankenhaus Ebola-Alarm. Nun kann vorsichtige Entwarnung gegeben werden. So sind die Ärzte in unserer Region vorbereitet:

Die wichtigsten neuen Infos im Überblick:

  • Der 15-jährige Flüchtling aus Liberia wurde im Salzburger Landeskrankenhaus untersucht, er zeigt aber keine Ebola-Symptome wie z.B. Fieber
  • Die Ärzte sprechen daher nicht mehr von einem konkreten Verdachtsfall
  • Eine Blutprobe von ihm wurde dennoch in ein Labor nach Deutschland geschickt
  • Thomas Glück, der Chefarzt für innere Medizin an den Kliniken Südostbayern, glaubt, dass Ebola "irgendwann zu uns überschwappen" werde
  • Auch im Rosenheimer Krankenhaus gibt es einen Ebola-Notfallplan

UPDATE 15.50 Uhr

In einer Pressekonferenz in Salzburg informierten der Landesgesundheitsreferent Christian Stöckl und leitende Mediziner am Dienstagnachmittag über den Ebola-Verdachtsfall. Wie berichtet, wurde am Montag ein 15-jähriger Flüchtling aus Liberia gestoppt. Seine Familie sei vor zwei Monaten in seinem Heimatland bereits an dem Virus gestorben, gab er gegenüber der Polizei an. Er habe seine Verwandten bis zuletzt gepflegt und nach deren Tod beerdigt. Sanitäter brachten den Liberianer daraufhin umgehend ins Salzburger Landeskrankenhaus.

Nun geben die Mediziner leichte Entwarnung! In der Pressekonferenz teilten die Mediziner mit, dass der 15-Jährige ein Risikofall, jedoch kein konkreter Verdachtsfall sei. Für alle, die Kontakt mit dem Patienten hatten, bestehe keine Gefahr, weil der Patient kein Fieber hatte, sagte der Gesundheitsreferent Stöckl in der PK laut den Salzburger Nachrichten. Da bei ihm jedoch die Krankheit (noch) nicht ausgebrochen sei, könne er auch niemanden anstecken.

Die Pressekonferenz in Salzburg:

Ebola-Verdacht: Die PK in Salzburg

Es seien bereits Laborproben versandt worden. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass diese Proben positiv seien, weil der Patient kein Fieber habe, schreiben die Salzburger Nachrichten in einem Live-Ticker zur PK. Er habe lediglich eine leicht erhöhte Körpertemperatur. Der Vorstand für Innere Medizin 3, Richard Greil, teilte auf der Pressekonferenz mit, dass daher sowieso kein definitives Ergebnis von den Proben erwartet werden könne, weil erst bei Fieber über 38,5 Grad die Laborergebnisse aussagekräftig genug sein würden.

Hier wird die Blutprobe in ein deutsches Labor gefahren:

Mögliche Ebola-Blutprobe auf dem Weg nach Deutschland 

Wie die Agentur F.M.T. Pictures berichtet, wurde am Dienstagmittag eine Blutprobe des Jungen mit einem nach Deutschland zur genaueren Untersuchung geschickt. Der als Gefahrengut gekennzeichnete Transport fuhr gegen 12 Uhr ab.

Der junge Mann muss laut salzburg24.at aber auf jeden Fall noch bis Dienstag nächster Woche im Landeskrankenhaus bleiben. Auch wenn die Ärzte aufgrund der Inkubationszeit von 2-21 Tagen angesichts der Reisedauer von Liberia nach Deutschland nicht mehr an einen Ebola-Ausbruch bei ihm glauben, werde man ihn weiter beobachten.  

So sind die Ärzte in der Region auf Ebola-Fälle vorbereitet

Rettungskräfte, Behörden und Kliniken sind längst gewarnt - vor allem die erste Ebola-Infizierte auf dem europäischen Festland, von der ebenfalls am gestrigen Montag berichtet wurde, lässt die Alarmglocken schrillen.

"Das gemeine an Ebola ist: Die Viren sterben nicht so schnell ab wie Bakterien und können über Körperflüssigkeiten übertragen werden - also beispielsweise auch über den Schweiß in der Kleidung eines Betroffenen", so Markus Zeckert, Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz in Bad Reichenhall auf Nachfrage.

Bei einem Fall wie in Salzburg wären seine Sanitäter schließlich die ersten medizinisch Geschulten, die einen Risikopatienten vorzeitig behandeln müssten. Erst gestern wurden die Rettungsdienste wieder von einer Fachgruppe des Roten Kreuzes informiert: Wie sollen sich die Sanitäter bei einem Ebola-Patienten im Idealfall verhalten? "Bei einem konkreten Verdacht auf Ebola haben wir spezielle Overalls und es gibt auch einen Rettungswagen für besondere Infektionsfälle", so Zeckert - der müsste jedoch erst aus München angefordert werden.

"Bei der Reisetätigkeit muss Ebola irgendwann zu uns überschwappen"

Auch Thomas Glück wäre bei einem Ebola-Fall in der Region gefragt. Der Chefarzt für innere Medizin ist an den Kliniken Südostbayern auch für die Infektiologie zuständig. Bereits im Frühsommer kam das Thema umfassend auf die Tagesordnungen der Kliniken - aber Glück befürchtete schon damals: "Bei der Reisetätigkeit heute muss Ebola irgendwann zu uns überschwappen."

Gäbe es in der Region Verdacht auf einen Ebola-Patienten, besteht auch bei den Kliniken Südostbayern ein "übergeordneter Alarmplan", so Thomas Glück gegenüber BGLand24.de. In einer "Task Force" würde für den speziellen Fall abgeklärt, welche Schutzkleidung genau gebraucht und wie und wo für den Übergang eine Isolierstation eingerichtet wird: "Wir haben fünf Fachpfleger mit Zusatzausbildungen in der Infektiologie - und damit mehr als bei unserer Klinikgröße gesetzlich vorgeschrieben ist", erklärt Chefarzt Glück. "Ein Ebola-Patient aus der Region käme schließlich in die Sonderisolierstation nach München-Schwabing - aber auch die haben nur zwei oder drei Plätze."

Chefarzt fühlt sich an "Outbreak" erinnert

Der Fall der infizierten Krankenschwester in Madrid erschreckt Thomas Glück: "Vor allem, dass jemand vom Fach erst so spät die Symptome an sich erkennt". Dem in Trostberg stationierten Internisten kommen bei der aktuellen Ebola-Epidemie dabei auch Bilder aus Hollywood vor Augen: "Das ganze Szenario erinnert mich an ,Outbreak' mit Dustin Hoffman" - doch er schränkt ein: "Aber so schnell wie im Film wird bei uns kein Antiserum hergestellt werden können."

Notfallplan im RoMed-Klinikum in Rosenheim

Im Rosenheimer Klinikum gibt es auch einen Notfallplan, der vom Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, dem Arzt für Klinikhygiene und der Qualitätsmanagement-Abteilung zusammen erstellt wurde. Dies teilte uns auf Anfrage Lauretta Kölbl-Klein, die Öffentlichkeitsreferentin der Klinik, mit.

Wenn infizierte Ebola-Patienten vorzeitig etwa vom Hausarzt angekündigt werden würden, würden diese jedoch gleich in die Klinik nach Schwabing gebracht, weil es dort eine eigene Isolierstation gibt. Anders schaut es aus, wenn ein Patient von alleine in der Zentralen Notaufnahme in Rosenheim erscheinen würde. Dann greift der Notfallplan: Es gibt einen abgedichteten Raum in der Klinik, spezielle Schutzanzüge und auch die betroffenen Mitarbeiter würden in Quarantäne verlegt werden. Kontaktlisten würden dann zudem erstellt werden, um mögliche weitere Infizierte ausfindig zu machen, so Kölbl-Klein. 

xe/mg

Quelle: rosenheim24.de

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