Aufstand? "Wir alle wollen mehr verdienen"

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Viele Berufe brauchen Leidenschaft! Denn die Tätigkeit aufgrund guter Bezahlung zu wählen, gelte als Witz. Speziell im sozialen Bereich fehle es an Anerkennung und auch höheren Gehältern, heißt es von vielen Menschen aus der Region. Nicht nur Erzieher hätten Verantwortung, die möglicherweise minder abgegolten werden.
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Landkreis - Der Streik der Erzieherinnen in Kitas, der Aufstand der Lokführer, die im Rücken die Gewerkschaft stehen haben. Welche Berufsgruppe ist als nächstes dran? Alle "normalen" Arbeitnehmer diskutieren über den Aufstand.

Sybille Andrav ist Altenpflegerin in der Nähe von Wasserburg. Sie arbeitet gerne mit Menschen und zeigt sich von den begonnenen Streiks der Erzieherinnen und Erzieher schwer beeindruckt. "Es ist doch eigentlich so, dass wir alle gerne mehr verdienen möchten, nicht nur die Erzieher, sondern jeder, der im sozialen Bereich arbeitet, ist nicht wirklich mit hohem Verdienst gesegnet, das sollte die Politik bedenken, aber auch die vielen Gewerkschaften, die ihre Mitglieder derart aufheizen und mit der Arbeitsniederlegung beauftragen", so Andrav. Die 45-Jährige erläutert den bitteren Kampf im Alltag mit ihrem Verdienst. "Ich kann keine großen Sprünge machen mit meinem Gehalt, ich arbeite wirklich gerne, aber gerade in der Altenpflege ist es auch kein Zuckerschlecken". Überstunden, fehlende Anerkennung in der Gesellschaft, zu wenig Bezahlung, um gut über die Runden zu kommen - es fehle nicht nur den Erzieherinnen und Erziehern an Money, so Sybille Andrav im Gespräch mit wasserburg24.de.

Anerkennung oder Geld als Hauptproblem?

Bürojob ohne große körperliche Anstrengung? Sozialer Job könne nur mit viel Leidenschaft durchgestanden werden, heißt es von Thomas Hiebst. Der Heilerziehungspfleger ist sich sicher, dass die Menschen, die in allen Breiten des sozialen Bereichs arbeiten, mehr Anerkennung verdient hätten. "Sowohl finanziell, als auch gesellschaftlich", so Hiebst. Auch die Schulleiter der Altenpflegeschulen aus der Region sehen dieses Problem.

Andere Berufe ebenfalls nicht üppig im Verdienst

"Wir haben das mal etwas nachgerechnet, und so manchen Job mit anderen verglichen", erklären Tatjana Söll und Franziska Winkler. "Eine Erzieherin verdient regional ebenso unterschiedlich wie eine Industriekauffrau", so die beiden FOS-Schülerinnen.

Tatjana und Franziska haben einige Angestellte aus der Region rund um Wasserburg zu ihrem Gehalt befragt und konnten herausfinden: Erzieherinnen verdienen nicht schlechter als Altenpfleger. Grundsätzlich seien alle erfragten Infos eindeutig nicht mit dem Verdienst in Großstädten zu vergleichen, doch der Lebensunterhalt koste auf dem Land natürlich auch weniger.

"Eine Erzieherin verdient laut unserer Informationen in der Region ungefähr 2000 Euro brutto", so Tatjana Söll. Eine Friseurin aus dem Umland komme auf ein Bruttogehalt in Höhe von 1800 Euro. Eine Arzthelferin habe erklärt, sie verdiene ungefähr 2100 Euro brutto im Monat in einer Wasserburger Arztpraxis. Eine Industriekauffrau habe berichtet, dass sie mit 2300 Euro Brutto im Monat seit nunmehr fünf Jahren gut  zurechtkomme. "Fest steht wohl, es liegt auch auf dem Land eindeutig am Unternehmen, denn eine andere Industriekauffrau hat mir gezeigt, dass sie gerade einmal 1950 Euro brutto pro Monat erhält", heißt es von Franziska Winkler weiter. In der Altenpflege sei es ebenfalls von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Im Schnitt 1600 Euro sei diese Tätigkeit "wert", heißt es von den beiden FOS-Schülerinnen. "Eindeutig wird hier aber ebenso anspruchsvoll wie auch angestrengt und hart gearbeitet, wie im Bereich der Erziehung in Kindergärten", ist sich Tatjana Söll sicher.

Altenpflegerin Sybille Andrav setzt ein Szenario in die Welt, das nicht auszudenken wäre. "Nehmen wir einmal an, auch Altenpfleger könnten in den Streik treten. Würden die Angehörigen dann kurzfristig in die Heime kommen, um während der Streikzeit selbst zu pflegen? Würden kleine Zettelchen mit den vielen Aufgaben für jeden Einzelnen Bewohner nicht vor allem ein Chaos anrichten, wären nicht sogar Leben gefährdet?", so Andrav. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen arbeiten viel, gerne und ohne große Anerkennung. "Wer sich auf diesen Beruf einlässt, der darf nicht gleich jammern und fordern", so Andrav. Es gehe auch darum, dass man Freude am Job habe und diesen als persönliche, menschliche Bereicherung ansehe. "Nüchtern betrachtet, sollte Jeder zugeben, egal in welcher Branche, dass hohe Gehälter tatsächlich die Ausnahme sind. Mein Mann arbeitet bei der Post und verdient ungefähr das Gleiche, was ich als Altenpflegerin verdiene. Meine Schwester ist in einem milchverarbeitenden Unternehmen tätig und hat auch nicht mehr auf dem Gehaltszettel stehen als wir. Eigentlich gibt es keine Ausnahmen, jeder möchte gerne mehr verdienen. Aber nur manche machen dies eben öffentlich", so Andrav abschließend.

Quelle: rosenheim24.de

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