Deutschlands kürzester Bahn-Tunnel gesprengt

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Nach 140 Jahren ist Deutschlands kürzester Eisenbahn-Tunnel Geschichte.

Etterzhausen - Nach 140 Jahren ist Deutschlands kürzester Eisenbahn-Tunnel Geschichte.

Deutschlands kürzester Eisenbahn-Tunnel vor der Sprenung.

Mit 1,7 Tonnen Sprengstoff wurde am Montag der nur 16 Meter lange Mini-Tunnel bei Etterzhausen nahe Regensburg zerstört. Der 20 Meter hohe Felsvorsprung an der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg wurde in 11 000 Tonnen Geröll verwandelt. Mehrere hundert Schaulustige verfolgten das Spektakel aus etwa 800 Metern Entfernung.

Deutschlands kürzester Bahn-Tunnel gesprengt

Die Deutschen Bahn AG will durch die Sprengung des sogenannten Felstores die regelmäßig anfallenden Sanierungskosten für das Gestein einsparen. Die Experten hatten für den Industriesprengstoff, wie er sonst im Bergbau verwendet wird, etwa 240 Löcher bis zu 36 Meter tief in den steinigen Untergrund gebohrt. Bei der Aktion versagte zunächst ein Zündkreis, so dass ein kleinerer Teil des Felsens erst nach einer Pause im zweiten Durchgang endgültig gesprengt werden konnte. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Ladung nicht zündet", sagte dazu Bahnsprecher Michael Baufeld.

Kurz zuvor sah der Felsen wie ein Kunstwerk von Verpackungskünstler Christo aus. Er war mit großen Planen abgedeckt, damit die vielen Steine bei der Detonation nicht weit fliegen konnten. Der Tunnel stand in einem Flusstal der Naab an einem Hügel. Durch die Sprengung sackte der Felsen quasi ab, die Gesteinsbrocken rutschten zum großen Teil den Abhang hinunter.

In den nächsten Tagen soll nun die Bahnstrecke frei geräumt werden, von 7. Juni an sollen wieder Züge fahren. Die Steine sollen zunächst in Ufernähe gelagert bleiben. Die Bahn will dann mit der Naturschutzbehörde klären, ob ein Teil dort als eine Art Biotop liegen bleiben kann. Die restlichen Steine sollen danach voraussichtlich mit Schiffen über die Naab abtransportiert werden.

Die Sprengung des 1870 gebauten Tunnels kostete die Bahn rund 1,3 Millionen Euro. "Das erspart uns erhebliche Wartungskosten, weil der Tunnel schon seit Jahren ein Sanierungsfall war", erklärte Baufeld. Die letzten 20 Jahre musste das Felstor permanent mit Messtechnik überwacht werden, um Schäden sofort zu bemerken. Mehrfach musste der Felsen bei aufwendigen Bauarbeiten abgestützt werden.

dpa

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