Am Bahnhof spielte sich alles ab

Rechte Demo in Rosenheim im Keim erstickt 

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Was für ein Kontrast: Ein kleines Flüchtlingsmädchen aus Syrien (Name der Redaktion bekannt) war mit ihrer Familie ebenfalls bei der Gegendemo am Bahnhof. Sie lächelt, versteht sie doch noch nicht, was sich da eigentlich abspielt. 

Rosenheim - Sitzblockaden, Parolen, Pfeifkonzert, Hetze: Es war alles dabei am Samstagnachmittag in Rosenheim. Rund 1000 Gegendemonstranten stellten sich den Rechten in den Weg. 

Abschlussbericht: 20.45 Uhr

Eines hatten alle gemeinsam: Die Gegendemonstranten, die Polizisten in ihren schweren Schutzanzügen, die Journalisten und auch die Rechtsextremisten: Sie haben bei diesen hochsommerlichen Temperaturen nicht wenig geschwitzt und so mancher ist mit einem Sonnenbrand heimgegangen. 

Rund sechs Stunden dauerte der braune Spuk in Rosenheim. Um 12 Uhr ging die Gegenkundgebung im Salingarten vor dem KuKo los. Ein buntes Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Vereinen und Kirchen hatte mobilisiert, doch so mancher war auch in Dirndl und Lederhose da. Vor dem Herbstfestbesuch also noch gegen rassistische Parolen ein Zeichen setzen. Auch so manche Familie mit Kindern wurde gesichtet, viele suchten im Schatten Schutz vor der mittäglichen Sonne. Rund 700 friedliche Gegendemonstranten waren gekommen. 

Bilder von der Kundgebung im Salingarten: 

Demo in Rosenheim: Gegenkundgebung am Salingarten

"Nazis essen heimlich Döner" steht auf diesem Plakat. 

Ab 12.30 Uhr versammelten sich dann die Rechten am Bahnhofsvorplatz, einige mit den schwarz-weiß-roten Reichsflaggen. Es wurden laut Polizei etwa 100 rechte Anhänger gezählt. Ironischerweise standen sie zumeist direkt vor dem Dönerladen am Bahnhof - das dürfte ihnen gar nicht geschmeckt haben. 

Die Rede vom Landesvorsitzenden der Partei "Die Rechte", Philipp Hasselbach, trotzte dann nur so von rassistischer Hetze, Horrorszenarien zum Untergang Deutschlands und einem drohenden Bürgerkrieg zwischen "Asylanten- und Ausländerhorden", Rathäuser wurden bald brennen und die sogenannten Volksbetrüger, die Politiker nämlich, und die Gegendemonstranten am heutigen Tag müssten sich dann zur Verantwortung stellen. 

Einen großen Erfolg feierten die rund 350 mehrheitlich antifaschistischen und linken Gegendemonstranten am Bahnhof - ein Teil davon war zuvor am Salingarten - als sie den Demozug der Rechten im Keim ersticken konnten. Zuerst wurde die Bahnhofsstraße von sitzenden Aktivisten blockiert, dann geschah selbiges in der Anton-Kathrein-Straße. 

Der Mittelfinger für die Rechtsextremen. Die Stimmung war angespannt, aber die Polizei hatte alles gut unter Kontrolle.

So mussten die Rechten auf die Gießereistraße ausweichen, kamen dort aber auch nicht weit. Insgesamt blieb es, trotz der manchmal hektischen Szenen, friedlich. Hier und da gerieten Gegendemonstranten und Polizisten aneinander, verletzt wurde aber niemand. 

Durch die drei Sitzblockaden wurden die Rechtsextremen zurück zum Bahnhofsvorplatz gedrängt, wo sich dann bis um 17.30 Uhr noch ein kräftezehrendes Spiel hinzog. Noch so mancher rechter Aktivist, wie etwa der Kolbermoorer Peter Meindl, ergriff das Mikrofon, auch wenn die Botschaften zumeist im lauten Buh- und Pfeifkonzert der Gegendemonstranten untergingen. Insgesamt waren es aber keineswegs vor allem Rechtsextreme aus der Region, die zum Herbstfestauftakt demonstrieren wollten, wie die angeblich wahren Meinungsverhältnisse im Land aussehen. Viele kamen aus dem ganzen Freistaat, etwa aus Bamberg. 

Nazis weitgehend eingekesselt am Bahnsteig. Vorplatz in der Hand der Gegendemonstranten

Posted by Radio Charivari Rosenheim on Samstag, 29. August 2015

Wenn sie für sich behaupteten, sie seien "das Volk", schallte es zurück: "Ihr seid das Pack". Und viele wünschten sich lauthals: "Ihr könnt nach Hause fahren!"

Bilder von den Sitzblockaden und den Rechtextremisten am Bahnhof

Sitzblockaden am Bahnhof: Rechte Demo in Rosenheim

Als der Spuk dann ein Ende fand und die Rechten nach dem Abspielen des Deutschlandliedes ihre Veranstaltung beendeten, ging es für so manchen Demonstranten zum Herbstfest, um sich endlich mit einem kühlen Festbier für die Kondition der letzten Stunden selbst zu belohnen.

Diese Option blieb aber den rechten Demonstranten verwehrt, denn nach eigenen Angaben hat ihnen der Wirtschaftliche Verband Rosenheim ein Platzverbot für das Herbstfest erteilt: 

HaHa. Hasselbach und seine braune Truppe dürfen nicht aufs Herbstfest.Ooooooohhhhhh ;-))

Posted by Rosenheim Nazifrei on Samstag, 29. August 2015

Das Fazit des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd fällt positiv auf: "Weil die Polizei bei Konflikten schnell und beherzt eingriff, mussten trotz der aufgeheizten Atmosphäre nur verhältnismäßig wenige Delikte, meist Beleidigungen oder niederschwellige Körperverletzungen, aufgenommen werden. Insgesamt gab es zehn vorläufige Festnahmen."

Rechte Demo am Bahnhof: Noch mehr Fotos

UPDATE, 17.35 Uhr:

Nach Abspielen des Deutschlandliedes haben die Rechten die Demo offiziell beendet, stehen aber immer noch am Bahnhofsvorplatz vor dem Dönerstand.

Die Gegendemonstranten, noch immer sind rund 250 da, zeigen viel Kondition und harren unter Sprechchören aus, bis sich die rechtsextreme Versammlung auflöst. Ein Gegendemonstrant schrie unter Gelächter: "Schleichts euch. Ich hab Hunger!"

Insgesamt sind die Gegendemonstranten mit den Sitzblockaden sehr zufrieden, so die Stimmen aus der Menge.

UPDATE, 16.45 Uhr:

Thomas Bugl, Pressesprecher der Stadt Rosenheim geht davon aus, dass sich die Demonstrationen dem Ende neigen: "Das sind jetzt Schlussscharmützel", erläuterte er gegenüber rosenheim24.de. Insgesamt gab es keine Behinderungen des Besucherstroms zum Herbstfest.

Die rechte Demo ist noch bis 18 Uhr genehmigt. Es folgen nun noch weitere Redebeiträge der Rechten, trotz Mikrophon sind diese jedoch kaum zu verstehen. Viele Gegendemonstranten suchen den Schatten, sitzen auf der Treppe vor dem Bahnhof.

UPDATE, 15.40 Uhr:

Die Demonstrationen spielen sich nun wieder am Bahnhof ab. Die dritte Sitzblockade in der Gießereistraße verhinderte den Durchmarsch der Rechten durch die Innenstadt, sie mussten zum Bahnhof umdrehen. Nun stehen sie wieder am Bahnhofsvorplatz.

UPDATE, 15.05 Uhr:

Es wird langsam ungemütlich. Die Polizei entreißt einem Demonstrant ein Plakatband. Daraufhin herrschte Hektik. "Wo wart ihr in Heidenau" wird skandiert.

"Nehmt den Nazis die Bayern-Fahne weg" wird immer wieder gerufen.

UPDATE, 14.56 Uhr:

Der Demozug setzt sich weiter an der Kathrein-Straße fort - "Hier marschiert der nationale Widerstand", wird gerufen.

Gegendemonstranten schneiden über Gießereistraße den Weg ab. Neue Sitzblockade. Es werden Platzverweise ausgesprochen und es kommt zu Reibereien mit zwischen den Gegendemonstraten und den Polizisten.

UPDATE, 14.45 Uhr:

An der Kathrein Straße findet eine zweite Sitzblockade statt.

Es findet eine zweite Sitzblockade in der Kathrein Straße statt.

Zum Ende sagte der Rechten-Redner: "Eines Tages wird sich der Zorn der Bürger gegen die Asylanten kanalisieren. Es wird der Tag kommen, an dem werden nicht Asylantenheime brennen, sondern Rathäuser. Ob ich das jetzt gut oder schlecht finde."

UPDATE, 14.19 Uhr:

Der Redner der Rechten spricht von "Sozialtourismus", man brauche keine neuen Asylbewerberheime sondern "eine zentrale Abschiebungsstelle".

Deutschland werde sterben, wenn sich nichts verändert. Die Politiker ("Volksbetrüger"), die das zu verantworten hätten, müssten in Haft. Es brauche einen "grundlegenden Politikwechsel", sonst finde ein systematischer Austausch des Volkes statt.

Begleitet wird die Rede von einem Pfeifkonzert, Buhrufen und höhnischem Gelächter der rund 350 Gegendemonstranten am Bahnhof.

Der Redner prognostiziert Krawalle und Ausschreitungen von "wütenden Asylanten- und Ausländerhorden". Man werde dann schon sehen, wovor man heute warnt.

UPDATE, 13.58 Uhr:

Die Polizei hat nun Verstärkung bekommen. Auch eine Reiterstaffel ist am Bahnhof nun im Einsatz und soll dabei helfen, die Gruppen voneinander zu trennen.

UPDATE, 13.50 Uhr:

"Nazis raus" und "Ihr könnt nach Hause gehen" skandieren die Gegendemonstranten laut, als die Rechten ihr Mikro einschalten und kurz Musik spielen. Die Polizei hat Verstärkung bekommen, ein Bus mit weiteren Bereitschaftspolizisten kam an.

Kurzzeitig kam es zu Handgreiflichkeiten, als offenbar zwei Rechte sich von der Gruppe entfernten und in eine Menge von Gegendemonstranten gerieten. Die Polizei trennte die Personen schnell.

UPDATE, 13.20 Uhr:

Zum Vergrößern auf das Bild klicken!

In der Bahnhofstraße haben Linke eine Sitzblockade errichtet. Sie wollen damit verhindern, dass die Rechten den Bahnhofsvorplatz verlassen können. Die Polizei trennt die beiden Gruppen voneinander.
Die Zahl der anwesenden Rechten wurde in der Zwischenzeit auf 50 bis 60 Personen nach oben korrigiert. Die Bahnhofstraße ist aktuell weiter blockiert.

UPDATE, 13 Uhr:

Zum Vergrößern auf das Bild klicken!

Die Veranstalter der Gegendemonstration gehen von 700 Teilnehmern im Salingarten aus. Erster Redner der Kundgebung ist Stadtrat Dr. Fritz Ihler (SPD).
Unterdessen haben sich rund 30 Rechte auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt. Sie werden von etwa 250 Gegendemonstranten "umzingelt". Zur Trennung hat die Polizei spezielle Absperrgitter, sogenannte "spanische Reiter", aufgestellt.

UPDATE, 12.30 Uhr:

Der Salingarten füllte sich gegen 12 Uhr mehr und mehr mit Gegendemonstranten. Der Rasen vor dem KuKo ist schon ziemlich voll. Es ist eine bunte Mischung: Ältere, jungere, Politisch Aktive, die Flugblätter verteilen, aber auch Menschen in Dirndl und Lederhosen.

Der Vorbericht:

Wer mit dem Zug aus dem Umland zur Rosenheimer Wiesn fahren will, muss sich ab 12 Uhr bis zu den Nachmittagsstunden wohl auf Behinderungen und eine starke Polizeipräsenz rund um den Bahnhof einstellen. Dasselbe gilt auch für all jene, die mit dem Stadtbus in die Stadt fahren wollen.. 

Kommentar: 
"Zuerst ein friedliches Zeichen gegen Hass, dann erst schmeckt die Mass"

Ursprünglich wollte die Partei "Die Rechte" am Max-Josefs-Platz demonstrieren, dort war auch eine Gegendemo geplant. In den letzten Tagen gab es dann viel Verwirrung um den tatsächlichen Ort. "Die Rechte" klagte mit einem Eilantrag gegen einen Bescheid der Stadt vor dem Verwaltungsgericht München und am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss.Die Rechten haben einen Demonstrationszug durch die Innenstadt genehmigt bekommen, gleichzeitig treten ihnen die Gegendemonstranten in Sichtweite am Salingarten entgegen.

Auf Anfrage von rosenheim24.de teilte Stadtsprecher Thomas Bugl mit, dass man von rund 500 Gegendemonstranten und rund 50 rechten Aktivisten ausgeht. Gleichzeitig erwartet die Stadt am Eröffnungstag der Wiesn etwa 25.000 Besucher, viele davon strömen durch die Demo-Straßen zum Festgelände. Auch wenn zum Beginn der Demonstration der Festzug und das Anzapfen schon abgeschlossen sein werden, sind die Kundgebungen eine Herausforderung für die Polizei und die Besucher. 

Zeitplan: Darauf müssen sich Herbstfest-Besucher einstellen

- ab 12 Uhr: Beginn der stationären Gegenkundgebung von "Rosenheim nazifrei" am Salingarten, vor dem Kultur- und Kongresszentrum

- ab 12.30 Uhr: Die rechten Demonstranten versammeln sich am Bahnhofsvorplatz

- 13 Uhr: Auftaktkundgebung der Rechten am Bahnhofsvorplatz

- Im Anschluss: Demo-Route der Rechten über die Bahnhofsstraße und Münchener Straße zum Salingarten. Dort findet eine Zwischenkundgebung statt. Danach geht's für den rechten Demo-Zug über die Kufsteiner Straße, Reifenstuelstraße und Anton-Kathrein-Straße zurück zum Bahnhofsvorplatz. Also einmal im Kreis im Innenstadtbereich entlang. Am Bahnhof findet dann die Abschlusskundgebung statt. 

- 18 Uhr: Ende der Versammlung der Partei "Die Rechte". Um diese Uhrzeit muss ebenfalls die Gegenkundgebung beendet sein.

So zumindest sieht der Plan aus, den die Stadt Rosenheim mit den Antragsstellern der Kundgebungen verhandelt hat. Polizeisprecher Andreas Guske versicherte auf Anfrage von rosenheim24.de, dass die Polizei alles tun werde, um den Spagat zwischen der Wiesn und den politischen Kundgebungen zu meistern.

++ rosenheim24.de ist ab 12 Uhr vor Ort und wird Sie aktuell über die Entwicklungen auf dem Laufenden halten ++

mg

Quelle: rosenheim24.de

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