Neonazis kamen nur bis zum Bahnhofsvorplatz

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Rund 25 Rechtextreme des Freien Netz Süd versammelten sich von 12 bis 14 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Rosenheim.
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Rosenheim - Insgesamt rund 300 Gegendemonstranten stellten sich am Salzstadel und am Bahnhof einem Haufen von Rechtsextremisten des "Freien Netz Süd" entgegen.

Trotz frischen Regenwetters und einer kurzfristigen Organisation setzten Rosenheimer Bürgerinnen und Bürger am Samstag ein klares Zeichen gegen Faschismus und Rassismus. Erst am Freitagmittag wurde nämlich bekannt, dass das "Freie Netz Süd" am Samstag eine Demonstration in Rosenheim plant. Schnell organisierte daraufhin das "Rosenheimer Bündnis gegen Rechts e.V. - Gesicht zeigen" eine Gegendemonstration am Salzstadel über eine Facebook-Gruppe. Die Partei "Die Linke" und andere linke Gruppen und Antifaschisten erwarteten die Neonazis gleich am Bahnhof.

Bereits zum 1. Mai 2012 gab es in Internetforen Gerüchte, dass es zu einer rechten Demo in Rosenheim kommen könnte. Nun, rund ein Jahr später, kamen die brauen Kameradschaften tatsächlich in die Stadt. Es war die erste rechte Demo seit dem 6. November 1999.

Am Freitag versuchte das "Freie Netz Süd" schon in Regensburg für Unfrieden zu sorgen. Auch dort wurde ihre Demonstration sehr kurzfristig angemeldet.  

Kundgebung am Salzstadel

Um 11.30 Uhr versammelten sich rund 200 Bürgerinnen und Bürger aus Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Stadtjugendring und Vereinen am Salzstadel zu einer Gegenkundgebung.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Graf eröffnete diese im Namen des Vereins "Gesicht zeigen". Man habe verhindern wollen, dass die Demagogen vom "Freien Netz Süd", nach der baubedingten Sperrung des Max-Josef-Platz, "die zweite gute Stube" der Stadt hätten missbrauchen können - den Salzstadel. So habe der Verein diesen Platz zu einer Gegenkundgebung angemeldet und damit besetzt. Man wollte, so Graf, den Neonazis "keinen Raum geben". So blieb den Rechten nur ein Ausweichen auf den Bahnhofsvorplatz.

Der zweite Bürgermeister, Anton Heindl (CSU), sprach in Vertretung von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Zwar hätte sich die Stadt dem Recht auf Versammlungsfreiheit auch für die Rechten beugen müssen, doch würden die Gegendemonstranten "das wahre Rosenheimer Gesicht" zeigen. Die "ewig gestrigen brauen Gesellen" wolle man in der Stadt nicht haben.

Fotos von der demokratischen Kundgebung:

Friedliche Kundgebung der Demokraten am Salzstadel

Ebenso wie Graf forderte auch Ingrid Meindl-Winkler von der Gewerkschaft ver.di, als dritte Rednerin, ein Verbot nicht nur der NPD, sondern "aller Nachfolge- und Tarnorganisationen". Man sei es der Demokratie schuldig, dass man diese Organisationen ernst nimmt und bekämpft.

Für die Kirchen sprachen der katholische Dekan Daniel Reichel und die evangelische Dekanin Hanna Wirth. Sie begründeten ihre Ablehnung von rassistischen Ideologien und Fremdenfeindlichkeit mit ihrem Gottesglauben und riefen die Christen zum Engagement gegen Rechtsextremismus auf.

Zum Abschluss ergriff Abuzar Erdogan als Vorstandsmitglied des Stadtjugendring das Wort. Er erinnerte an die 152 Todesopfer rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung in Deutschland und forderte den Einsatz für eine solidarische Gesellschaft, die gleiche Rechte und Freiheiten für alle bietet. Die Jugendarbeit leiste einen großen Beitrag für ein "buntes Rosenheim." 

Lautstarke Gegendemo am Bahnhof

Weitgehend friedlich und gewaltfrei verlief die Gegendemonstration am Bahnhof. Nur wenige Linksradikale und Autonome versuchten die Polizeiabsperrung (wie hier zu sehen) zu durchbrechen und auf die andere Seite zu den Rechtsextremen zu gelangen.

Nach dem Abschluss der Kundgebung gegen 12.15 Uhr am Salzstadel, zogen viele Demonstranten weiter zum Bahnhof. Dort standen sich etwa 25 Rechtsextreme und rund 150 linke Gegendemonstranten Auge in Auge gegenüber. Die Aktivisten des "Freien Netz Süd" versammelten sich auf der Rasenfläche am Bahnhofsvorplatz, nur getrennt von der Luitpoldstraße hatten sich die Gegendemonstranten vor der Postfiliale platziert. Die Polizei hatte an der Stelle schon am Morgen Absperrgitter aufgestellt

Einige Linksradikale und Autonome versuchten jedoch diese Absperrungen zu überwinden und auf die andere Seite zu gelangen. Diese Tumulte brachten kurzzeitig Unruhe herein. Die Polizei konnte diese Ausreißversuche jedoch schnell unter Kontrolle bringen. Zeitweise musste die Luitpoldstraße ganz gesperrt werden. Polizisten regelten den Auto- und Busverkehr.

Fotos von der rechten Demo und Gegendemo am Bahnhof:

Tumulte und lautstarke Gegendemo am Bahnhof

Rosenheims Polizei-Dienststellenleiter und Einsatzleiter Dr. Walter Buggisch zeigte sich insgesamt zufrieden. Durch eine starke Präsenz habe man Sicherheitsstörungen schon im Ansatz unterbinden können. So sei es zu einem "nahezu störungsfreien, friedlichen Verlauf der Veranstaltung" gekommen.

Beide Seiten hatten Lautsprecher dabei und beschallten damit den Platz. An den Treppen des Bahnhofs und bei der Eisdiele verfolgten zahlreiche Bürger das Geschehen als Beobachter.

Aktivisten des "Freien Netz Süd" hielten antikapitalistische Reden, in denen ihr völkisches, antisemitisches und rassistisches Weltbild unverhüllt zum Vorschein trat. Die linke Seite versuchte diese Hetzreden durch Pfeifkonzerte, laute Musik, Beschimpfungen und Sprechgesänge zu unterbinden.

Gegen 14 Uhr beendeten die Rechtsextremen dann ihre Demo - begleitet von hämischen Rufen der Gegendemonstranten: "Ihr könnt nach Hause fahren!"

Quelle: rosenheim24.de

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