News-Ticker zur Corona-Pandemie

Lauterbach: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“ - Lockdown in Bayern wohl länger als 31. Januar

Karl Lauterbach (SPD) verfolgt die Sitzung im Bundestag, in der Bundeskanzlerin Merkel (CDU) eine Regierungserklärung zur Bewältigung der Corona-Pandemie abgibt.
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Karl Lauterbach (SPD) im Bundestag.

München/Oberbayern - Das Coronavirus sorgt in der Region, in Bayern, in Deutschland und der Welt nach wie vor für Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Entwicklungen am Samstag, 9. Januar, im News-Ticker:

Das Wichtigste in Kürze:


  • 7-Tage-Inzidenz: Stadt Rosenheim 162,1, Landkreis Rosenheim 119,0, Landkreis Traunstein 159,0 , Landkreis Berchtesgadener Land 348,3, Landkreis Mühldorf 143,3, Landkreis Altötting 131,8 (Quelle/Stand: RKI, 9. Januar, 0 Uhr)
  • Bislang infizierte Personen: Stadt Rosenheim 2461, Landkreis Rosenheim 9047, Traunstein 6086, Berchtesgadener Land 3201, Mühldorf 3571, Altötting 3094 (Quelle/Stand: RKI, 9. Januar, 0 Uhr)
  • Todesfälle: Stadt Rosenheim 40, Landkreis Rosenheim 353, Traunstein 159, Berchtesgadener Land 68, Mühldorf 88, Altötting 112 (Quelle/Stand: RKI, 9. Januar, 0 Uhr)
  • Mindestens 39.878 Todesfälle in Deutschland (7786 in Bayern)
  • Corona-Warn-App: www.corona-warn-app.de

Die Fallzahlen im Überblick:


Update, 19 Uhr - Karl Lauterbach (SPD): „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“ 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach blickt mit großer Sorge auf die Virus-Mutation in Großbritannien und die möglichen Folgen für Deutschland. „Unsere Situation wird noch erschwert durch eine sehr gefährliche Mutation, die in England weiter wächst, obwohl man dort im Lockdown ist. Das muss uns zu denken geben“, sagt der in Köln lebende Politiker im Podcast „Die Wochentester“ des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sollte sich die Mutation auch hierzulande ausbreiten, müssten sich die Deutschen auf noch mehr Einschränkungen einstellen: „Dann sind natürlich viel drastischere Maßnahmen notwendig, um das Gleiche zu erreichen. Wir haben alle Angst vor einer dritten Welle mit der neuen Mutation.“

Die kürzlich beschlossene Lockdown-Verlängerung hält er darum für alternativlos: „Wir müssen ehrlich sagen, dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Zu früh aus dem Lockdown bedeutet eine dritte Welle.“Lauterbach geht davon aus, dass der politisch gewünschte Inzidenzwert von 50 bis zum 31. Januar nicht erreicht werden wird - und kritisiert den angepeilten Wert: „Ich kenne eigentlich keinen einzigen Virologen oder Epidemiologen, der sagt: „50 ist sicher“. Alle sagen, es muss niedriger sein.“

Die in der Kritik stehende 15-Kilometer-Radius-Regel verteidigt Lauterbach vehement: „Wir wollen keinen Deutschland-Tourismus. Wir wollen nicht, dass die Situation so ist, dass unsere Kinder nicht in die Schule dürfen. Gleichzeitig machen andere, die es sich leisten können und glauben leisten zu müssen in dieser Zeit einfach einen Familienurlaub, also fahren Ski oder reisen durch Deutschland hin und her. Wir haben es ja am Wochenende gesehen: Wir waren im vollen Shutdown und die Skihänge, die Ausflugsziele waren überrannt. Das können wir einfach zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.“

Lauterbach fordert zudem, den Wahlkampf für die Bundestagswahl vorläufig auszusetzen: „Wir sind jetzt in den nächsten drei Monaten in einer wirklich ganz eklatanten Krisenlage und da kann kein Wahlkampf stattfinden.“

Update, 17.36 Uhr - Proteste gegen Corona-Maßnahmen mit Autokorso und Kundgebung in Bayern

Mit einem Autokorso quer durch München haben Gegner der Corona-Maßnahmen am Samstag gegen den Lockdown protestiert. Nahe der Allianz Arena hatten sich laut Polizei 160 Menschen in 87 Fahrzeugen getroffen. Am Nachmittag seien sie dann gemeinsam zu ihrer Fahrt gestartet, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums München. Große Verkehrsbehinderungen gab es nicht. Lediglich ein Teilnehmer sorgte für etwas Verwirrung, weil er laut Polizei falsch abgebogen war. Andere Autos folgten ihm, so dass die Beamten den Zug neu ordnen mussten.

Zu den Veranstaltern machte die Polizei keine Angaben. Es waren jedoch weniger Teilnehmer erschienen, als geplant. Im Vorfeld war die Polizei von 120 Autos und rund 200 Teilnehmern ausgegangen.

In Bamberg gab es ebenfalls Protest gegen die Coronabeschränkungen. Am zentralen Maximiliansplatz hatten sich nach Auskunft der Polizei rund 70 Menschen bei einer Kundgebung versammelt. Es sei alles friedlich, meldete die Polizei am späten Nachmittag. Auch hier waren weniger Teilnehmer gekommen als angekündigt. Die Veranstalter hatten zunächst 150 Personen angemeldet.

Update, 16.21 Uhr - Mehrheit der Deutschen befürwortet Impfnachweis bei Flugreisen 

Dem Gedanken, erst wieder geimpft ins Flugzeug zu steigen, können viele Deutsche offenbar etwas abgewinnen. Eine knappe Mehrheit der Bundesbürger spricht sich für einen Impfnachweis beim Fliegen aus. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Civey-Umfrage für Tagesspiegel Background. Besonders die Jüngeren und die Älteren sind dafür - bei den unter 30-Jährigen und über 50-Jährigen ist die Zustimmung am größten. Die Altersgruppen dazwischen sind mehrheitlich dagegen.

Update, 14.43 Uhr - Söder will jetzigen Lockdown verlängern und vertiefen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geht von einer Verlängerung des derzeit bis 31. Januar befristeten Corona-Lockdowns aus. „Wir müssen den Lockdown, den wir jetzt haben, verlängern und an einige Stellen auch noch vertiefen“, sagte Söder am Samstag beim digitalen Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen CDU. Bund und Länder hatten sich erst am vergangenen Dienstag darauf geeinigt, den Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wegen weiter hoher Infektionszahlen bis zum 31. Januar zu verlängern.

Söder sagte, zu viele Menschen suchten noch Schlupflöcher bei den vereinbarten Corona-Beschränkungen oder diskutierten Einzelmaßnahmen. Viele stellten sich auch als Opfer der Pandemie dar. Die wahren Opfer seien aber die fast 40.000 Toten in Zusammenhang mit dem Virus. „Es ist jedes Mal ein kleiner Stich ins Herz.“ Um jedes Leben werde gekämpft, versprach Söder. Jeder Tag sei dabei eine neue Bewährungsprobe, hieß es.

Update, 13.49 Uhr - Sechs Tote und 24 neue Fälle im Landkreis Mühldorf

Im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Mühldorf sind nun sechs weitere Personen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, verstorben. Zudem gab es seit der letzten Meldung 24 neue Corona-Fälle in Stadt und Landkreis Mühldorf (Stand: 9. Januar, 0 Uhr). Unter den neu gemeldeten Fällen sind vier weitere Mitarbeiter vom Schlachthof Waldkraiburg und zwei Bewohner einer Asyl-Unterkunft an der Siemensstraße in Waldkraiburg. Dies teilte das Landratsamt jetzt mit. Derzeit gibt es im Landkreis Mühldorf 259 aktive Fälle. Die 7-Tage-Inzidenz lag zum o.g. Zeitpunkt bei 143,3.

Update, 12.25 Uhr - Söder verteidigt Maßnahmen in emotionaler Debatte

In der emotionalen Debatte während der Sondersitzung des bayerischen Landtags zeigte sich am Freitagnachmittag, dass die vielen Corona-Auflagen das Parlament zunehmend spalten. Außer den regierenden Fraktionen von CSU und Freien Wählern verweigerten alle anderen Fraktionen der Verordnung ihre Zustimmung. AfD, SPD und FDP stimmten dagegen, die Grünen enthielten sich. Im Kern richtete sich die Kritik insbesondere gegen die neuen Maßnahmen wie der Einschränkung der Bewegungsfreiheit für Menschen in Hotspots und der Vorschrift, dass nur noch eine haushaltsfremde Person getroffen werden dürfe. Die AfD lehnte als einzige Fraktion auch die Verlängerung des Lockdowns ab.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte dagegen in seiner Regierungserklärung, dass die neuen Maßnahmen in der aktuellen Lage alternativlos seien: „Die Lage ist weiter ernst und ich fürchte es geht noch weiter.“ Auch das mutierte Virus mache ihm „große Sorgen“, sagte Söder. Dass sich das Virus dann schneller verbreitet, auch unter Kindern wie Jugendlichen, zeige, dass man nun besonders vorsichtig sein müsse und dass auch die Schließung von Schulen wie Kindergärten geboten sei. Mobilität und Kontakte seien für die Ausbreitung entscheidend und leider weiterhin deutlich höher als im Lockdown im Frühjahr 2020, sagte der CSU-Chef: „Corona nutzt jede kleine Ritze, jeden Freiraum um sich auszubreiten.

Update, 11.37 Uhr - 17 neue Corona-Fälle im Landkreis Altötting

Das Gesundheitsamt Altötting hat für seinen Zuständigkeitsbereich jetzt 17 neue Corona-Fälle gemeldet. Damit stieg die Zahl der Betroffenen seit Pandemie-Ausbruch in Stadt und Landkreis Altötting auf insgesamt 3107 Fälle (Stand: 8. Januar, 24 Uhr). Unter den Neu-Infizierten befindet sich unter anderem auch ein neunjähriges Kind aus Töging. Derzeit gibt es in Stadt und Landkreis insgesamt 210 aktive Fälle - die meisten davon in Garching/Alz (51), Burghausen (33) und Altötting. Die 7-Tage-Inzidenz lag zum o.g. Zeitpunkt nach Angaben des Landratsamtes bei 131,8.

Update, 10.40 Uhr - Bayern wird Reiserückkehrer verstärkt kontrollieren

Reiserückkehrer aus dem Ausland sollen nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung ab dem Wochenende von Grenz- und Bundespolizei verstärkt kontrolliert werden. Das teilte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit. Kontrolliert werde stichprobenartig durch die Schleierfahndung sowie an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen. Dort sollen möglichst alle Einreisenden einer Infektionsschutzkontrolle unterzogen werden.

Herrmann appellierte an alle Reiserückkehrer, sich möglichst schon 48 Stunden vor ihrer Einreise auf eine Infektion hin testen zu lassen - auch wenn es nach derzeitiger Regelungslage ausreicht, innerhalb von 48 Stunden nach der Einreise aus einem Corona-Risikogebiet einen negativen Corona-Test vorzuweisen und das Ergebnis innerhalb von drei Tagen dem Gesundheitsamt vorzulegen. Für Einreisende aus Risikogebieten gilt eine Quarantänepflicht. Sie müssen sich unmittelbar in die eigene Wohnung oder eine andere geeignete Unterkunft begeben und sich dort für zehn Tage ständig aufhalten. Frühestens nach fünf Tagen kann die Quarantäne durch einen negativen Test beendet werden

Update, 9.01 Uhr - Steigende Inzidenzen und 16 weitere Tote in Region

Corona-Fallzahlen in Südostbayern (Stand: 9. Januar 2021).

Die 7-Tage-Inzidenzen sind in den Städten und Kreisen der Region im Vergleich zum Vortag größtenteils erneut angestiegen. Lediglich aus dem Landkreis Mühldorf (von 149,3 auf 143,3) wurde ein leicht fallender Wert gemeldet. Gestiegen sind die Zahlen dagegen in Stadt (von 130,6 auf 162,1) und Landkreis Rosenheim (von 107,5 auf 119,0). Im Landkreis Rosenheim gab es seit Pandemie-Beginn nun insgesamt mehr als 9000 Betroffene (gesamt nun 9047 Fälle). Laut neuesten RKI-Daten stiegen die Zahlen auch in den Landkreisen Altötting (von 113,9 auf 131,9), Traunstein (von 148,3 auf 159,0) und vor allem im Berchtesgadener Land, wo sich der Wert (348,3) nun der 350er-Grenze nähert.

Große Sorgen bereiten weiterhin die nahezu ununterbrochen hohen Todeszahlen. In der Region wurden alleine in den letzten 24 Stunden 16 weitere Todesopfer registriert - sechs im Landkreis Mühldorf, fünf im Landkreis Altötting, drei im Landkreis Rosenheim und zwei im Landkreis Traunstein. Nähere Angaben zu Alter und/oder Wohnort der Opfer gab es bislang nicht.

RKI meldet knapp 25.000 neue Fälle - und erneut über 1000 Tote

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) jetzt 24.694 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 1083 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet (Stand: 9. Januar, 0 Uhr). Der neue Höchststand von 1188 neuen Todesfällen war am Freitag erreicht worden (News-Ticker Freitag, 8. Januar).

Eine Interpretation der Daten hingegen bleibt schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden. Dem Verband Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM) zufolge war die Zahl der Labortests über den Jahreswechsel im Vergleich zur Weihnachtswoche noch einmal weiter gesunken. Verglichen mit der Woche vor Weihnachten hat sich die Zahl in der vergangenen Woche ungefähr halbiert.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1.891.581 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 39.878. In Bayern kamen 130 weitere Todesfälle hinzu (gesamt nun 7786). Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.511.800 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht bei 1,09 (Stand: 8. Januar; Vortag: 0,92). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 109 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI betonte, dass der R-Wert wegen der Verzögerungen gegebenenfalls unterschätzt werde.

mw/mz/dpa

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