"Christoph 14" über 900-mal in der Luft

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Über 900-mal war der Rettungshubschrauber Christoph 14 im ersten Halbjahr im Einsatz.

Traunstein - Über 900 Einsätze hat der orangefarbene Rettungshubschrauber Christoph 14 bereits im ersten Halbjahr 2011 absolviert – eine Rekordzahl, denn 2010 waren es insgesamt 1471 Einsätze.

20-mal war dabei das Rettungstau im Einsatz. Hierbei wird an der Lasthakenanlage am Boden der Maschine ein Spezialseil befestigt, das bis zu 90 Metern in die Tiefe verlängert werden kann. Meist handelte es sich bei diesen Einsätzen um Rettungen aus unwegsamen Gelände, wie in den Bergen, aus dichten Wäldern oder auf dem Wasser.

„Diese Einsätze nehmen ständig zu“, resümiert Robert Portenkirchner, leitender Luftrettungs­ assistent des Roten Kreuzes in Traunstein – oder in der Fachsprache Helicopter Emercency Medical Service Crew Member (HCM) genannt, „wohl auch, weil immer mehr Bergsportler unter­wegs sind.“ Eine enge Zusammenarbeit mit der Bayerischen Bergwacht ist hier sehr wichtig, um gemeinsam die oft schwierigen Einsätze sicher bewältigen zu können.

Frühmorgens, kurz vor 7 Uhr, beginnt der Dienst für die Drei­Mann­Besatzung des Christoph 14. Der Pilot führt als erstes einen Routinecheck der Technik durch. Er kennt die Maschine vom Typ Eurocopter 135 T2i, die zu den modernsten Rettungshubschraubern in Europa zählt, sehr genau.

Die 17 Piloten gehören zu der Bundespolizei­ Fliegerstaffel Süd in Oberschleißheim, die mit drei Hubschraubern vom gleichen Typ die Luftrettungsstationen Traunstein und Kempten fliegerisch betreuen.

Zur gleichen Zeit ist einer der sechs Luft­ rettungs­assistenten damit beschäftigt, das medi­zi­nische Equipment zu kontrollieren. Sie werden vom Traunsteiner Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) für die Luftrettung bereit­gestellt. Als Angestellte des BRK­-Rettungs­dienstes haben sie spezielle Aus­bildungen und Prüfungen absolviert, bevor die Rotkreuzler zur Einsatzmannschaft des Christoph 14 gehören. Offiziell ist das BRK in München vom Zweck­verband für Rettungsdienst und Feuerwehr­alarmierung Traunstein damit beauftragt, die Luftrettung in Traunstein durchzuführen.

Seit neun Jahren Notarzt im Hubschrauber

Mit zur Crew zählt Dr. Markus Ewald, seit kurzem neuer ärztlicher Leiter des Notarzt­standortes Traunstein. Der Bauchchirurg aus Übersee liebt die Arbeit als Notarzt im Hubschrauber. Sein Vater war Pionier auf diesem Gebiet: Er war einer der ersten, der die Rettung mit Christoph 1 aufbaute. Markus Ewald war schon als Kind vom Rettungshubschrauber fasziniert und hoffte, irgendwann mitfliegen zu können. Die Flüge über die Heimat liebt er besonders, vor allem über den Chiemsee. Mit Markus Ewald stehen weitere 15 Notärzte aus dem Traunsteiner Klinikum für den Bereit­ schafts­dienst zur Verfügung.

2007 wurde ein neuer Hubschrauber vom Typ Eurocopter 135 T2i am Luftrettungsstandort Traun­stein in Betrieb genommen. Seine technischen Daten sind beeindruckend: Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 290 Kilo­ metern pro Stunde. Dabei hat die Maschine eine Turbinenleistung von zwei Mal 587 PS und mit einer Tankfüllung können bis zu 650 Kilometer zurückgelegt werden.

Platz für zwei Patienten

Da Christoph 14 mehr Platz bietet, können neben der Drei­Mann­Besatzung im Notfall zwei Patienten aufgenommen werden. Für ihre Ver­ sorgung steht modernste medizinische Aus­ rüstung zur Verfügung. Dazu zählt ein EKG, das sowohl die Patientenwerte kabellos empfängt, als auch eine umfangreiche Auswertung per Funk an die Klinik senden kann, die gerade angeflogen wird. Diese Zeitersparnis ist dann be­ sonders wichtig, wenn eine schnelle Behandlung, wie etwa bei Herzerkrankungen, nötig ist.

Außerdem ist er mit einer neuartigen Navigation ausgestattet, die eine schnellere Orientierung ermöglicht. Ein modernes Lasergerät unter der Kuppel des Hubschraubers warnt den Piloten vor Hindernissen.

Christoph 14 ist als südlichster Rettungs­hubschrauber Teil eines flächendeckenden Luft­ rettungsnetzes in Deutschland. „Das hat kein anderes Land in dieser Form“, so Portenkirchner. Auch aus dem benachbarten Österreich wird Christoph 14 gelegentlich von den zuständigen Leitstellen angefordert. Um einen lückenlosen Betrieb zu ermöglichen, sind für die Luft­ rettungsstationen Traunstein und Kempten drei baugleiche Maschinen im Einsatz.

Einsatzradius von 60 Kilometern

Der Einsatzradius von Christoph 14, der am Klinikum Traunstein stationiert ist, umfasst an die 60 Kilometer. Sollten sowohl der reguläre Hubschrauber als auch die Ersatzmaschine nicht zur Verfügung stehen, wird kurzfristig ein blauer Hubschrauber der Bundespolizei eingesetzt. Ist Christoph 14 zu einem Einsatz unterwegs und es wird zur selben Zeit ein weiterer Rettungshubschrauber benötigt, helfen die umliegenden Luftrettungsstationen aus, wie etwa die gelbfarbenen Christopherus 6 aus Salzburg oder Christoph 1 aus München. „Im Sommer kann es passieren, dass in unserem Rettungs­bereich zur selben Zeit mehrere Rettungs­ hubschrauber im Einsatz sind“, so die Erfahrung des Luftrettungsassistenten.

Landet Christoph 14 in der Nähe des Notfallortes taucht dort wenig später ein Rettungswagen auf. „Da er mehr Platz bietet, unterstützt er uns dabei, instabile Patienten gut vorversorgen zu können“ erklärt Portenkirchner. Ist dies geschehen, ent­scheidet der Notarzt wie der Patient in die Klinik transportiert wird: In sehr eiligen Fällen wird der Patient in den Rettungshubschrauber verladen, ansonsten ist dieser wieder frei verfügbar für den nächsten Einsatz.

Die meisten Flüge von Christoph 14 sind Rettungseinsätze, bei denen die Hubschrauber­ Crew zu akuten Situationen alarmiert wird, wie etwa ein Verkehrsunfall oder Verdacht auf Herzinfarkt. Daneben gibt es sekundäre Einsätze, bei denen es sich um äußerst dringende Ver­legungsflüge von Krankenhaus zu Krankenhaus handelt. Eine mögliche Anforderungsdiagnose könnte beispielsweise eine Gehirnblutung sein, die schnellstmöglich in einer Spezialklinik versorgt werden muss.

Regelmäßige Übungen mit dem Rettungstau

Um fit für den Einsatz mit dem Rettungstau zu sein, üben die eingespielten Teams, bestehend aus Piloten, Notärzten, BRK­Luftrettungs­ assistenten und Mitgliedern der Bergwacht zwei Mal im Jahr schwierige Situationen. Von den Piloten des Rettungshubschraubers werden hierbei fliegerische Meisterleistungen gefordert. Da der Pilot während des Einsatzes mit dem Rettungstau den Bereich unterhalb der Maschine nicht einsehen kann, steht der BRK­Luftrettungsassistent gesichert auf der linken Kufe des Hubschraubers. „Er ist quasi mein verlängertes Auge“, beschreibt es Pilot Thomas Klahre, „denn er informiert mich per Funk über Hindernisse und teilt mir mit, wann Retter und Patient am Tau eingehängt werden.“ Dieses sogenannte „Einsprechen über Funk“ beginnt bereits während der Anflugphase, wobei der BRK-­Rettungsassistent den Piloten über die Höhe des Seilendes über dem Boden, mögliche Pendelbewegungen des Taus und gefährliche Hindernisse im Luftraum informiert. Im Schwebe­flug verharrt der Hubschrauber über der Einsatzstelle, bis Notarzt oder Bergwacht­ Luft­retter und der Verletzte gesichert sind.

„Das war wie ein Wunder“

Dr. Markus Ewald liebt die Einsätze in den Bergen. „Am besten ist es, wenn sich der Patient lediglich einen Knöchel verstaucht hat.“ Gerne erinnert er sich an einen Einsatz im letzten Jahr mit Christoph 14 auf der Reiter Alm. Ein Skitourengeher war hier in ein 50 Meter tiefes Loch gefallen. „Unserer Mannschaft gelang es, den Mann fast unverletzt mit dem Rettungstau zu bergen. Das war wie ein Wunder.“

Pressemitteilung BRK Traunstein

Quelle: rosenheim24.de

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