Aktionskünstler verurteilt Denkmäler wie das "Jodl-Grab" auf Fraueninsel 

Vorwurf von Kastner: "Rechtes Gedankengut" in bayerischen Gerichten? 

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Aktionskünstler Wolfram P. Kastner prangert Ehrendenkmäler wie das auf der Fraueninsel für Kriegsverbrecher Afred Jodl an. 
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Chiemsee - Er hat es sich beinahe schon zur Lebensaufgabe gemacht: Der Münchner Aktionskünstler Wolfram P. Kastner kämpft seit Jahren gegen Denkmäler für Kriegsverbrecher wie das "Jodl-Grab" auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel. Inzwischen zweifelt er auch die Entscheidungen bayerischer Gerichte an.

Urteile in Bayern, die alte Nazi-Strukturen, rechtes Denken und das Zeigen von NS-Symbolen gutheißen sind in den Augen von Wolfram P. Kastner vom Institut für Kunst und Forschung in München ein "Skandal". 

Im Gespräch mit rosenheim24.de stellt er die Entscheidungen bayerischen Gerichte in Frage und beruft sich dabei auf seine "persönliche Sammlung an Erfahrungen". Er ist sich deshalb sicher, dass es "eine Art braunen Sumpf und rechtes Gedankengut an Gerichten in Bayern gibt". Bis heute habe rechtes und faschistisches Gedankengut einen Platz im deutschen und bayerischen Justizsystem.

Kastner: "In Bayern werden solche Ehrungen geduldet" 

So sei der Münchner Aktionskünstler beispielsweise in Deutschland "durch alle Instanzen verurteilt" worden, weil er in Salzburg eine SS-Kranzschleife beschnitten hatte. Sogar Morddrohungen habe er erhalten. "Mit der Aktion wollte ich nur dem braunen Spuk ein Ende bereiten. Ich lasse mich nicht beeindrucken, entmutigen oder unterkriegen", betont der bayerische Aktivist seinen Kampf gegen rechtes und menschenverachtendes Denken und spannt den Bogen zum "Jodl-Grab" auf dem Klosterfriedhof der Fraueninsel: "Gerade in Bayern tun alle so, als wäre ein Denkmal für einen Kriegsverbrecher wie Alfred Jodl einer war, schützenswertes Eigentum. Würde man in Berlin ein Denkmal für Heinrich Himmler errichten, wäre das Geschrei groß. Aber in Bayern werden solche Ehrungen geduldet."

So sei die vom Verwaltungsgericht München genehmigte Weiternutzung des "Jodl-Grabes" für die kommenden 20 Jahre ein "Skandal" für Kastner. Er wolle weiter mit Protesten dagegen vorgehen. Erst kürzlich rief Kastner zu einer Kundgebung auf dem Klosterfriedhof - auch eine Petition an den Landtag schließt der 72-Jährige nicht aus. "Ich werde nicht ruhen, ehe dieses Ehrenkreuz mit Name und der militärischen Funktion auf dem Grabmal auf eine befriedigende Art und Weise entfernt ist", wettert Kastner.

Dabei gehe es ihm in keinster Weise um seine eigen Publicity, wie er betont, sondern vielmehr "um die Sache an sich". "Wir müssen die Demokratie schützen, aufrecht erhalten und verbessern. Dazu leiste ich gerne meinen Beitrag. Ich kann nicht überall sein - aber ich möchte auch andere zu zivilem Ungehorsam ermuntern und dazu, sich den Dingen zu widmen, die wir für eine zukunftsorientierte, freiheitliche, demokratische und humane Gesellschaft brauchen. Ehrungen an Kriegsverbrecher widersprechen dem Geiste des Grundgesetzes."  

mb

Quelle: chiemgau24.de

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