Berufungsprozess am Landgericht Traunstein

Juristisches Tauziehen um die Jodl-Gedenkstätte am Chiemsee geht weiter

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Wolfram Kastner (re.) und sein Anwalt Hartmut Wächtler im April 2017 am Amtsgericht Rosenheim
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Chiemsee/Traunstein- Der Rechtsstreit um die sogenannte "Jodl-Gedenkstätte" auf der Fraueninsel scheint kein Ende zu finden. Im April findet nun der Berufungsprozess am Landgericht Traunstein statt.

Im Mai 2017 musste sich Wolfram Kastner, Aktionskünstler aus München, vor dem Amtsgericht in Rosenheim wegen Sachbeschädigung, Diebstahl und versuchter Nötigung verantworten. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Christine Wand kam zu dem Schluss, dass der 70-Jährige in der Vergangenheit mehrmals die Gedenkstätte des Nazi-Generals Alfred Jodl auf der Fraueninsel mit Farbe beschmiert und dort Schilder aufgestellt hatte. In einem Gespräch hatte Kastner weiter den sogenannten Grabnutzungsbefugten mit Nachdruck dazu aufgefordert, das Grabmal zu beseitigen.

Staatsanwältin Dr. Kerstin Spiess forderte eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 20 Euro, im Urteil blieb das Gericht dann nur mit einem leicht veränderten Satz von 15 Euro knapp darunter. Noch während der Urteilsverkündung verließen Kastner und ein Teil seiner Anhänger im Saal die Verhandlung. 

Berufungsprozess am Landgericht Traunstein

Wie der Künstler in einer Mitteilung an die Medien nun  bekannt gibt, wird am 17. April um 9 Uhr am Traunsteiner Landgericht der Berufungsprozess stattfinden. 

Nicht der einzige Prozess

Das "skandalöse Ehrenkreuz" für Alfred Jodl auf der Fraueninsel am Chiemsee

Die Verhandlung am Amtsgericht Rosenheim war nicht der einzige Prozess, den Kastner in dieser Sache zu führen hatte. Das Landgericht München I hat im Dezember 2018 entschieden, dass Kastner die Reinigungskosten in Höhe von etwa 4.000 Euro bezahlen muss. Ein Mitglied der Jodl-Familie wollte die Reinigungskosten von dem Künstler erstattet haben. In dem Grab auf der Fraueninsel sind die beiden Ehefrauen Jodls, Irma und Luise, beerdigt. 

Jodl, ehemaliger Wehrmachtsoffizier und verurteilter NS-Kriegsverbrecher, ist selbst dort nicht beerdigt. Sein Name stand aber bis vor kurzem trotzdem auf dem Grabstein. In Zukunft soll der Name des Generals aber verdeckt werden. Erst Mitte Oktober hatte die Gemeinde Chiemsee einen gerichtlichen Vergleich mit der Familie geschlossen, wonach das Grab in veränderter Form erhalten bleiben soll.

Quelle: chiemgau24.de

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