Köhler: Liebeserklärung an den Chiemgau

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Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl (l.) mit Eva-Luise und Horst Köhler
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Bad Adelholzen - Ein Redner der Extraklasse begeisterte beim Empfang der regionalen Wirtschaft Traunstein: Alt-Bundespräsident Horst Köhler machte dem Chiemgau eine Liebeserklärung. 

Seit 2002 findet der Jahresempfang der regionalen Wirtschaft bereits in den Räumen der Adelholzener Alpenquellen statt. Einen hochkarätigeren Redner als Freitagabend (12.4.2013) hatte die Veranstaltung bislang aber noch nicht gesehen.

Alt-Bundespräsident Horst Köhler

 begleitet von Ehefrau Eva-Luise folgte der Einladung der Barmherzigen Schwestern und hielt vor rund 400 geladenen Gästen die Hauptrede. Eine Rede, die sich um Konkurrenz, Entwicklung, Regionalität und menschliches Zusammensein drehte, vor allem aber um seine Liebe zu seiner Wahlheimat Chiemgau.

"Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es jetzt her, seit meine Familie und ich hier im Landkeis Traunstein ansässig geworden sind. Wir fühlen uns sehr wohl hier und viele haben uns das sehr leicht gemacht", sagte Köhler. 2011 hatte er von den Barmherzigen Schwestern den Bichlhof in Unterwössen gekauft und herrichten lassen. "Die Handwerker aus dem Chiemgau haben die Umbauarbeiten am Hof mit bester Qualität und Zuverlässigkeit durchgeführt", lobte er. 

Die Bürger der Gemeinde hätten ihn und seine Frau mit "zurückhaltender Neugier, Wohlwollen und Unterstützung" empfangen, noch immer sei die Familie dabei, die neue Heimat kennen zu lernen: "Die ganze landschaftliche Schönheit zu erkunden, wird eine Zeit dauen. Hier ist vieles eine Welt für sich, jede unverwechselbar. Die Seeräuberspiele in Unterwössen etwa. Seeräuber und Alpen? Ich brauchte eine Weile, das zu begreifen." Doch diese Zeit in den Chiemgau zu investieren, sei eine Investition in Lebensqualität.

Auch unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaft erkannte das ehemalige Staatsoberhaupt die Qualitäten der Region: "Hier können Sinn und gute zwischenmenschliche Beziehungen wachsen." Im Chiemgau hätten viele Unternehmer begriffen, dass Verantwortung nicht am Werkstor ende. Köhler: "In Traunstein und im Chiemgau wird vieles richtig gut gemacht. Das ist jetzt keine billige Schmeichelei, ich habe das erlebt." Als Ökonom interessant fand er auch die Regional-Währung "Chiemgauer" und das Ökomodell "Achental". 

Zwischenapplaus erntete der ehemalige Bundespräsident mit der Forderung nach einer Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung: "Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wird sich auszahlen." Dies funktioniere aber nur, wenn genügend Freiräume seien, die eigenen Angelegenheiten selbst regeln zu können, meinte er mahnend in Richtung Bundesregierung und Europäische Union. 

Traunsteins Landrat Hermann Steinmaßl, der als erster Redner des Abends die positive Entwicklung seines Kreises in Bezug auf Wirtschaft und Bevölkerung unterstrichen hatte, flog ein stolzes Lächeln über das Gesicht bei diesen Liebesbekundungen. Er kenne Köhler seit dieser sich für den Bichlhof zu interessieren begonnen habe. Bei einem mehrstündigen Gespräch im Wirtshaus habe er damals den jetzt wohl prominentesten Einwohner des Chiemgaus kennenlernen dürfen.  

Jahresempfang der regionalen Wirtschaft I

Als Dankeschön für die Rede hatten sich die Gastgeber des Abends für Köhler dann etwas besonderes einfallen lassen: Sie verteilten an alle Anwesenden Briefumschläge mit Spenden-Überweisungsträgern und der Bitte, den Förderverein der Grund- und Mittelschule Unterwössen zu unterstützen. Die Schule seiner neuen Heimatgemeinde liegt dem Alt-Bundespräsidenten am Herzen. Er hat die Kinder des Ortes dort auch schon besucht. 

Jahresempfang der Traunsteiner Wirtschaft II

Jahresempfang der regionalen Wirtschaft III

Die letzten offiziellen Wortes des Abends hatte in Bad Adelholzen traditionell eine Frau: Schwester Theodolinde erzählte das Gleichnis eines sterbenden Indianer-Häuptlings, der herausfinden wollte, welcher seiner drei Söhne sein Nachfolger werden sollte. Es wurde derjenige Sohn, der eine Zukunftsvision für den Stamm hatte. "Visionen, Zukunftsträume und alle die Kleinigkeiten, die gar keine Kleinigkeiten sind, machen das Leben reich und bringen Erfüllung. Das möchte ich Ihnen heute mit auf den Weg geben."

Der Jahresempfang der regionalen Wirtschaft wird veranstaltet vom Gewerbeverband Traunstein & Umgebung, den Wirtschaftsjunioren Traunstein, dem IHK-Gremium Traunstein, dem Wirtschaftsbeirat der Union e.V., der Mittelstandsunion Traunstein, der Kreishandwerkerschaft Traunstein, dem Informationskreis der Wirtschaft Traun/Alz und der Wirtschaftsförderung Landkreis Traunstein. 



Quelle: chiemgau24.de

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