Bulldogs für Ägypten

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Die Maschinen werden vorgefahren. Im Hintergrund wacht die Tuntenhausener Basilika.

Tuntenhausen - Bei der ersten Großauktion für Landmaschinen in Süddeutschland staunten die Besucher, wie schnell die Maschinen den Besitzer wechselten.

Das hatte selbst Tuntenhausen, jedes Jahr mit einem riesigen Besucherandrang bei den Josefimärkten verwöhnt, noch nicht erlebt: Über 500 Bieter und Tausende Interessenten, Besucher und Neugierige kamen zur ersten Großauktion Süddeutschlands auf das Eder-Gelände und bestaunten, wie buchstäblich im Minutentakt über 520 Baumaschinen, Traktoren und Lkw ihre Besitzer wechselten.

Das Spektakel geht auf einen für vier Jahre abgeschlossenen Partnerschaftsvertrag zwischen der Eder GmbH, Tuntenhausen, und der Ritchie Bros. Auctioneers, Vancouver/Kanada, zurück. Er sieht gemeinsame Auktionen in Tuntenhausen vor, auf denen Maschinen von Eder-Händlern oder Drittanbietern versteigert werden.

Er war der wichtigste Mann: der Auktionator, darüber auf der Lichttafel der Preis, in diesem Fall stolze 100 000 Euro.

"Es bietet tolle Möglichkeiten, in einer transparenten Auktionsumgebung Maschinen zu kaufen und zu verkaufen", sagt Dr. Guido Zimmermann, Europa-Manager des Auktionär-Riesen aus Nordamerika. Und tatsächlich, wenn man in die Augen der Besucher blickte: allseits Interesse und großes Staunen über die professionelle und blitzartigablaufende Auktion. "Es handelt sich hier um eine offene, uneingeschränkte Versteigerung", so Gregor Ries, Geschäftsführer der Eder-Gruppe. Im Klartext heißt das: Alle Objekte werden ohne Mindestangebot und ohne Mindestpreise an den Höchstbietenden verkauft. Gebote können dabei während der Auktion in der Halle oder übers Internet abgegeben werden. Gerade das machte den Reiz des Ganzen aus: unbekannte Bieter im Hintergrund.

So schnellte der Preis auch manchmal hoch, wenn keiner von den über 500 Bietern in Tuntenhausen ein Angebot abgab. Ein Internet-Interessent hatte zugeschlagen! "Um 10 Uhr kam sogar ein Angebot aus Ägypten", berichtet Ries.

Diese Internetbieter hatten sich, wie die meisten anderen auch, vorher schlau gemacht. Ritchie Bros., weltweit größter Industrie-Auktionator mit Sitz in Vancouver/Kanada, hatte alles bestens sortiert und gut erläutert im Netz dargestellt. "27.09.2012, Munich, DEU" steht hier - und nach wenigen Klicks sieht man alle Fahrzeuge mit genauer Beschreibung und Fotos.

In der Halle war man natürlich näher dran. Alle mobilen Objekte wurden nacheinander einzeln vorgefahren - direkt vor den Augen der Bieter, die bequem und bestuhlt in der Halle saßen. Dabei rief der Auktionator die Gebote in Abfolge aus. Eine elektronische Anzeige zeigte Nettopreis und Gerätenummer stets aktuell an - eine spannende Sache.

Nur 60 Sekunden pro Fahrzeug

Über 500 Bieter waren in der Halle. Dieser notierte genau die Preise der Angebote.

Sofern Anwesende boten, gab einer von drei "Bidcatchern" dieses an den Auktionator weiter. Das ging oft so blitzschnell - Ritchie setzt sich ein Zeitlimit von nur 60 Sekunden (!) pro Fahrzeug - dass Außenstehende kaum folgen konnten. "Einfach der Wahnsinn hier", meinte Tuntenhausens Zweiter Bürgermeister Quirin Stürzer. Auch Rathaus-Chef Otto Lederer sah es ähnlich: "Das ist einmalig für den Ort, so viele Interessierte."

Diese kamen aus Hamburg und Passau, Italien und Österreich, Rumänien und Polen. Vom Münchner Landwirtschaftsfest in München reiste ein Ehepaar aus Augsburg zur Auktion und war schlichtweg begeistert: "Nicht zu glauben, was hier alles weggeht."

Das Publikum kam mit unterschiedlichen Zielen. Die einen, um günstig Gerätschaften erwerben zu können, andere wollten sich nur einen Überblick verschaffen. Man sah Baumaschinen wie Radlader, Mini- und Hydraulikbagger sowie Walzen, genauso Traktoren, Mähdrescher, Häcksler und Kleingeräte aller Art. "Viele sind hier, notieren sich die Preise, und machen sich ein Bild vom Markt", beobachtete Ries.

Erste Auktion in Süddeutschland

Die Außergewöhnlichkeit der Tuntenhausener Auktion unterstrich Sprecher Alexander Ypeij: "In Deutschland gab es solche Auktionen bislang nur in Meppen im Emsland." Angesichts des gewaltigen Besucherstroms löste sich auch bei Eder-Marketingleiter Reinhard Gruber bald die Anspannung der letzten Wochen: "Das war etwas ganz Neues, wir wussten nicht, wieviele Leute kommen würden". Es kamen viele - so viele, dass es sicher nicht die letzte Auktion im Wallfahrtsort war. "Und beim nächsten Mal machen vielleicht auch mehr Landwirte aus der Region mit", glaubt Gruber. Der skeptische Bayer beobachtet eben zuerst.

Die Auktion ist vorbei, aber die Folgen sind noch einige Tage sichtbar, wenn die vielen Transporte in alle Himmelsrichtungen über die Landstraßen gehen. Ritchie Bros. übernimmt auch die Logistik für den Abtransport der Maschinen. Bis nach Osteuropa oder Ägypten.

ws/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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