Anderthalb Monate nach Flammen-Inferno

Brand-Katastrophe: Stillschweigen der Behörden

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Schneizlreuth - Sechs Männer starben an Pfingsten in den Flammen eines alten Bauernhauses, der Geschäftsführer der Event-Agentur wurde festgenommen: Doch über alles Weitere schweigen sich die Behörden aus.

Es war wohl ein technischer Defekt eines Stromverteilers, der den verheerenden Brand am Pfingstwochenende in Schneizlreuth auslöste. Sechs Mitarbeiter einer niederbayerischen Baufirma kamen in den Flammen ums Leben. Der Geschäftsführer der Event-Agentur, der seine Gäste in einem alten Bauernhaus übernachten ließ, wurde knappe zwei Wochen nach der Katastrophe festgenommen: wegen Fluchtgefahr, dem Verdacht der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung - denn eine Genehmigung zur Beherbergung konnte der Geschäftsführer nicht vorweisen. Das alles ist bekannt, doch mehr wollen die Behörden nicht preisgeben.

Wer wusste davon, dass die Event-Agentur ihre Gäste trotzdem übernachten ließ? Wer versagte bei der Kontrolle von Brandschutz und Auflagen? Bisher kann nur gemutmaßt werden, in welche Richtungen die Staatsanwaltschaft ihre Fühler noch ausstreckt. Möglich, dass sowohl die Gemeinde, als auch das Landratsamt wegen unterlassener Überprüfungen im Visier der Ermittler stehen - doch darüber gibt es keine Auskunft.

Keine Auskunft von den Behörden

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Das Landratsamt in Bad Reichenhall schaltete von Beginn an auf stumm: "Wir bitten um Verständnis, dass mit Rücksicht auf dieses Verfahren gegenüber Dritten keine Auskünfte erteilt werden", hieß es bereits kurz nach dem Brand. Auch Landrat Georg Grabner verwies in einem persönlichen Gespräch auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Auch die Ermittler der Staatsanwaltschaft selbst hüllen sich in Schweigen: Die letzten Informationen stammen von Anfang Juni und unterrichteten über die Festnahme des Geschäftsführers. Seitdem wird dicht gemacht, auch gibt es keine Einschätzungen, wann die Ermittlungen abgeschlossen sein könnten oder wann mit einem Prozess gegen den Geschäftsführer zu rechnen ist.

Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon lässt zumindest noch mit sich reden: "Vor drei Wochen war die Staatsanwaltschaft zum letzten Mal zu einer Befragung bei uns in der Gemeinde", so Simon im Gespräch mit BGLand24.de. Doch ob auch gegen einzelne aktuelle oder frühere Mitarbeiter der Gemeinde ermittelt wird, erfährt man auch vom Bürgermeister nicht: "Ich habe alles dazu gesagt, was ich sagen kann."

Gemeinde führt Feuerbeschauen durch

Derweil holt man in Schneizlreuth das Versäumte nach und macht momentan sogenannte Feuerbeschauen in den Hotels der Gemeinde. In einer "Verordnung über die Feuerbeschau" des Innenministeriums ist darin genau geregelt, was die Gemeinden zu überprüfen haben: Brandschutzvorrichtungen, Flucht- und Rettungswege. Doch ob die Gemeinde über diese Verordnung rechtlich greifbar ist? Bis zu einer Abänderung 1999 waren die Gemeinden im Abstand von drei Jahren noch dazu verpflichtet, Feuerbeschauen durchzuführen - heute liegt es in ihrem eigenen Ermessen. Sollte man in der Verwaltung aber von den gefährlichen Zuständen im Bauernhaus gewusst und nichts unternommen haben, kann sie trotzdem dafür haftbar gemacht werden.

Screenshot der archivierten Internetseite der Event-Agentur vom Juni 2012. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Dass der Geschäftsführer der Event-Agentur seine Gäste im rund 800 Jahre alten Bauernhaus übernachten ließ, war aber für jeden ersichtlich. Offensiv wurde damit auf der Homepage geworben, wie ein weiterer Screenshot der inzwischen abgeänderten Internetseite beweist. Von einem Bettenlager mit 40 Schlafplätzen ist dort die Rede, von Gemütlichkeit und Idylle. Auch zu sehen: Ein Foto vom Dachboden samt Betten. Genau jener Ort, an dem die sechs Männer ihren Tod fanden.

Man darf also weiterhin gespannt sein, in welche Richtungen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch gehen und ob noch weitere Personen ins Visier der Ermittler geraten...

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Quelle: BGland24.de

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