Am Samstag im Berchtesgadener Land

Abgestürzt, verstiegen oder verirrt: "Einsatz-Marathon" für Bergwacht

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Landkreis Berchtesgadener Land – Die Bergwachten im Berchtesgadener Land waren am Samstag bei insgesamt sechs zum Teil sehr aufwendigen Einsätzen nahezu pausenlos den ganzen Tag über gefordert:

Drei Bergsteiger mit gebrochenen Sprunggelenken an der Blaueisscharte, an der Watzmann-Südspitze und am Untersberg-Knieschnackler, zwei Suchen nach Verstiegenen am Predigtstuhl und am Roßfeld und eine Rettung von Erschöpften am Untersberg-Mittagsloch forderten die Retter bei hochsommerlichen Temperaturen.

Los ging der Einsatz-Marathon gegen 9.15 Uhr an der Blaueisscharte am Hochkalter: Ein 27-jähriger Bergsteiger aus dem Landkreis Fürtstenfeldbruck war mit einem gleichaltrigen Freund von der Blaueisspitze zum Hochkalter unterwegs, als er an der Randkluft wegen eines losen Felsblocks rund 25 Meter abstürzte und in der Kluft liegen blieb. Er zog sich neben einer schweren, schmerzhaften Sprunggelenksverletzung diverse Prellungen zu, war aber ansprechbar. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ fand die hochalpine Einsatzstelle in rund 2.400 Metern Höhe und brachte dann in mehreren Aufzügen am 25-Meter-Tau Bergretter zum Unfallort, unter anderem auch den Ramsauer Bergwacht-Notarzt. Die Bergwacht versorgte den 27-Jährigen und lagerte ihn in den Luftrettungssack um – danach flog ihn „Christoph 14“ am Rettungstau ins Tal, wo er vom Landrettungsdienst des Reichenhaller Roten Kreuzes weiter notärztlich versorgt und dann zur Kreisklinik Bad Reichenhall gefahren wurde.

Eine Dreiviertelstunde später, als der Einsatz am Hochkalter gerate auf Hochtouren lief, ging ein weiterer Notruf wegen einer 22-Jährigen aus Sachsen-Anhalt ein, die an der Watzmann-Südspitze auf einem Schneefeld ausgerutscht und rund 50 Meter abgestürzt war. Die junge Frau war nach erster Einschätzung glimpflich mit einem verletzten Fuß und diversen Schürfwunden und Prellungen davongekommen. Der Notarzt von „Christoph 14“ und die Bergwacht Ramsau versorgten sie und flogen sie anschließend in einem Rettungssitz gesichert am Tau ins Tal. Mit dem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes gings von dort aus weiter zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Die Bergwachten Ramsau und Traunstein tankten den Heli mit ihren Kerosin-Anhängern wieder auf.

Auch "Christoph 14" im Einsatz

Gegen 13.20 Uhr, als die Bergwacht Ramsau und „Christoph 14“ noch mit dem Doppel-Einsatz am Hochkalter und am Watzmann beschäftigt waren, brach sie eine 46-jährige Österreicherin beim Abstieg über den Knieschnackler (Almsteig) auf der Westseite des Untersbergs das linke Sprunggelenk. Die Frau war zuvor mit mehreren weiteren Helfern beim Almauftrieb über den Reissensteig zu den Zehnkaser-Almen beschäftigt gewesen und nach getaner Arbeit mit zwei weiteren Begleitern im Abstieg über den Knieschnackler, als direkt oberhalb der Stahlseil-Passage in rund 1.200 Metern Höhe der Unfall passierte. Die Besatzung des Pongauer Notarzthubschraubers „Martin 1“ brachte nach einem Suchflug vom Hallthurmer Moos aus Notarzt, Sanitäter und einen Reichenhaller Bergwachtmann am Tau zum Unfallort im steilen Bergwald, wobei der Pilot das Tau zwischen den Bäumen einfädeln musste. Die Retter versorgten die Frau innerhalb weniger Minuten und sicherten sie in einem Rettungssitz. Der Pilot hielt die Maschine währenddessen an der Einsatzstelle knapp über den Bäumen und flog die Patienten zusammen mit Arzt und Sanitäter am Tau ins Tal und danach zum Salzburger Landeskrankenhaus. Der Bergwachtmann stieg mit den beiden Begleitern zur Forststraße ab.

Direkt im Anschluss mussten die Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger zu einem Sucheinsatz nach einer 66-jährigen Frau ausrücken, die am Predigtstuhl die Abzweigung des Waxriessteigs verpasst hatte und geradeaus weiter an der Posch-Jagdhütte vorbei in den Bergwald im Stölzerboden am Schneideck gegangen war. Die Einsatzkräfte suchten mit zwei Mannschaften von unten über den Todsbachsteig und von oben von der Jagdhütte aus und konnten gegen 16.30 Uhr im oberen Bereich Rufkontakt herstellen. Die Retter brachten die Unverletzte zum Fahrzeug und fuhren sie ins Tal.

Gegen 15.45 Uhr, während bereits die Suche am Predigtstuhl auf Hochtouren lief, mussten die Bergwacht Berchtesgaden, die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau und die Besatzung eines Polizeihubschraubers zum Roßfeld ausrücken, wo sich ein 19-jähriger Mann mit einer schweren internistischen Vorerkrankung beim Wandern im weitläufigen Bergwald zwischen Buchenhöhe und Ahornkaser verirrt hatte und durch die Hitze erschöpft Hilfe brauchte. Da der Vermisste nur immer ungenau über Handy mitteilen konnte, wo er sich gerade befindet und während der Suche noch weiter gegangen war, brauchte die Bergwacht fast zwei Stunden, bis sie ihn fand. Gegen 17.30 Uhr konnte einer der beiden Hundeführer Rufkontakt herstellen, eine viertel Stunde später waren Bergretter beim Patienten, der 100 Meter unterhalb des Ahornkasers unter einem Baum auf einer Wiese saß. Sie versorgten ihn ärztlich, brachten ihn zur Forststraße und übergaben ihn an den nachgeforderten Landrettungsdienst des Roten Kreuzes, der ihn per Rettungswagen zum Durchchecken in die Kreisklinik Berchtesgaden brachte.

Gegen 17.45 Uhr ging ein Notruf für die Bergwacht Marktschellenberg ein, da zwei erschöpfte Bergsteiger im absturzgefährlichen Gelände rund 100 Meter unterhalb des Mittagslochs auf der Südseite des Untersbergs Hilfe brauchten; einer der beiden Leute konnte sich gerade noch mit letzter Kraft am Stahlseil festhalten. Die Besatzung des Polizeihubschraubers, die der Einsatzleiter bei der Suche am Roßfeld zur Handy-Ortung angefordert hatte, war bereits wieder auf dem Rückflug und hatte den Hochstaufen bereits passiert, weshalb die Leitstelle Traunstein die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ anforderte. Die Besatzung konnte keine Funkverbindung zur Bergwacht Marktschellenberg herstellen und flog die beiden Erschöpften mit dem 30-Meter-Rettungstau aus.

Pressemeldung BRK BGL

Quelle: BGland24.de

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