Sanierung der Kehlsteinwege

"Ja, das schaut wild aus, aber die Natur erobert es sich zurück"

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Sanierung der Kehlsteinwege - Sind Auer- und Haselwild in Gefahr?
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Berchtesgaden - Die Sanierung der Kehlsteinwege sorgte jahrelang für zahlreiche Diskussionen. Bis die Entscheidung fiel, dass saniert werden darf, gab es jede Menge runde Tische und Gespräche, nun sind die Wege wieder im Gespräch:

Seite Anfang Juni werden die Kehlsteinwege saniert. Immer wieder sind die Arbeiten im Gespräch. Nun gibt es eine neue Diskussion:

"Über den Jenner regt man sich auf, aber macht Euch wenn Ihr unterwegs seid selber mal ein Bild von den neuen Kehlsteinwegen. Dort war die Natur bis vor kurzem noch in Ordnung.

Das sind definitiv Auerhahn- und Haselwildbiotope", so wird derzeit in der Facebookgruppe "Das ärgert uns in Berchtesgaden" der aktuelle Straßenbau oberhalb der Scharitzkehlalm in Richtung Ligeretalm kritisiert.

Worum geht es eigentlich? 

Bewegt man sich derzeit von der Scharitzkehl in Richtung Ligeretalm, dann stellen sich dem Naturfreund wahrlich die Haare auf.

Eine von riesigen Furchen zerwühlte ehemals romantische Forststraße, lärmende Baumaschinen und eine rund drei Meter breite Baustraße, die sich durch den ehemals so ruhigen Wald in Richtung Ligeretalm frißt.

Gebaut, bzw. erweitert wird diese Straße aus zwei Gründen. Die Sanierung der Kehlsteinwege liegt mittlerweile in den letzten Zügen. Das letzte noch zu sanierende Teilstück der Straße liegt bereits im Einzugsgebiet der Scharitzkehlquelle, also im Wasserschutzgebiet. 

Um in diesem Bereich im Falle von langanhaltenden Regenfällen während der Sanierungsperiode zu verhindern, dass giftige Stoffe in das Erdreich und ins Grundwasser gelangen können, hätte eine lange Rohrleitung bis in die Endstalkurve verlegt werden müssen, um das herabfließende Wasser zuverlässig von der Straße abzuleiten.

Neue Streckenführung für die Bayerischen Staatsforsten

In Abstimmung mit der Marktgemeinde Berchtesgaden und dem Nationalpark haben sich die Bayerischen Staatsforsten für eine andere Lösung entschieden. Nämlich die bisherige schmale Forststraße für den Lkw-Verkehr zu erweitern und diesen Weg bei der Sanierung zu Hilfe zu nehmen.

Fotos von der Sanierung der Kehlsteinwege

Der Vorteil dabei: Während der Sanierungsmaßnahmen können so die giftige Teerschicht und die neue Deckschicht zeitnah und parallel wesentlich einfacher wegtransportiert, bzw. die Neue direkt wieder aufgetragen werden. Dieses alles über die Kehlsteinwege zu machen, wäre wesentlich aufwendiger und langwieriger geworden und hätte zum Beispiel den Bau der Rohrleitung notwendig gemacht.

Ist die Sanierung abgeschlossen, soll diese neue Trasse zukünftig dem Forst für seine Fahrzeuge dienen. Die Trasse beginnt beim Fußweg zur Ligeretalm und führt zur bereits bestehenden Straße nach oben. Die neue Trasse soll rund 1,4 Kilometer lang sein, circa drei Meter breit und maximal 17 Prozent steil werden.

Die alte Straße soll dann mit einer Schranke versperrt werden und nur noch Rettungsdiensten zur Verfügung stehen.

Kein Schwerlastverkehr mehr im Endstal 

"Der Vorteil dabei ist, dass wir zukünftig den Schwerlastverkehr aus dem Endstal und dem Wasserschutzgebiet heraushalten", so Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller im Gespräch mit BGLand24.de. Und ergänzt: "Derzeit schaut es natürlich ziemlich wild aus, aber das ist bei Baustellen nun mal leider so, die Natur wird sich die Hänge aber schnell wieder zurückerobern und mit den abgestorbenen Baumstümpfen schaffen wir neue Biotope in diesem Gebiet".

Und ergänzt: "Was die Streckenführung angeht, mussten wir leider aufgrund der Gegebenheiten vor Ort die Streckenführung anpassen. Aufgrund rechtlicher Vorschriften dürfen wir bei neuen Straßen nur mit einer maximalen Steigung von 17 Prozent bauen. 

Im wesentlichen folgt diese Trasse dem alten Weg, nur ein Teil verläuft jetzt ein wenig anders. Aber das liegt daran, dass die alte Trasse zu steil war, daher mussten wir mit Hilfe der Kehren ein wenig umdisponieren.

Und wie schaut es mit den Wildtierbiotopen aus, also Hasel- und Auerwild? 

"Laut unseren Erfahrungen gibt es dort weder Hasel-, noch Auerwild. Es kann natürlich immer mal sein, dass irgendwo etwas gesichtet wird, aber uns ist nicht bekannt, dass es dort konkrete Vorkommen gibt. 

Außerdem ist der Bereich den die Straße einnimmt so minimal klein im Vergleich zu dem ganzen Bereich, das wäre nicht problematisch. Die Strecke nimmt gerade einmal zwei bis drei Hektar ein, der ganze Bereich hat über 1.000 Hektar".

Quelle: BGland24.de

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