Dramatisch erhöhtes Flüchtlingsaufkommen in der Region

Die gute Nachricht: Flüchtlinge sind integriert

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Ein erster Schritt in Richtung Integration - Flüchtlinge aus Eritrea in Teisendorf

Teisendorf - Den Umgang mit den deutschen Werten, der Kultur, der Sprache, kurz das Leben in Freiheit lernen: Die Gemeinde zeigt gelungene Beispiele für erfolgreiche Integration.

Eine nigerianische Familie mit drei kleinen Kindern und elf junge Männer aus Eritrea nennen ein Einfamilienhaus in Teisendorf seit etlichen Wochen ihr „Zuhause“. Damit sie sich hier nach ihrer teilweise jahrelangen und mit unmenschlichen Strapazen verbundenen Flucht einigermaßen wohl fühlen und fußfassen in einer absolut fremden Welt der fremden Sprache, der fremden Kultur, dem fremden Essen und den für sie außergewöhnlich ungewohnten Jahreszeiten, gab es einen Aufruf des zuständigen Landratsamtes und der Caritas zu einer Info-Veranstaltung für Einheimische und Nachbarn. Viele Interessierte kamen an diesem Abend in die Alte Post, sich über das Ankommen der Asylbewerber in Teisendorf informieren zu lassen.

Die Pfarrei mit Pfarrer von Bonhorst organisierte daraufhin für Anfang Juni ein erstes Treffen des neu ins Leben zu rufenden „Asylantenhelferkreises“ und lud dazu alle Bürger ein, die helfen wollen, dass sich die neu Angekommenen schnell eingewöhnen und wohlfühlen.

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut...“

Jörg-Michael Kunz – ein ehemaliger Gymnasiallehrer und Weltreisender bekräftigt mit diesem Satz die Motivation, die antreibt, zu helfen. Es soll nicht ein bemuttern sein, sondern ein unter die Arme greifen bei mancherlei Problemen des „ganz normalen Alltags“. Zu forderst steht das Erlernen der deutschen Sprache: „Die Fortschritte sind enorm“, weiß Jörg-Michael beim kürzlich wieder stattgefundenen Helfertreffen zu berichten. Er, Robert Strauß und Horst Riß übernehmen den fünfmal wöchentlich in den Räumen des Pfarrheimes stattfindenden Sprachunterricht und können dazu inzwischen von der Schule zur Verfügung gestellte Computer mitverwenden. Viele weitere kleine Dienste übernehmen die Helfer: „Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Asylbewerber stellt der Straßenverkehr dar“, so Hans Schwarz, der sich als „Mädchen für alles“ in den Helferkreis einbringt. Vom Verkehrsunterricht über das Bedienen des Fahrkartenschalters, die Fahrt zum Arzt und das Einkaufen – was, wo, wie – gehen seine Anleitungen. „Es sollen aber nur Anleitungen sein“, so seine Motivation, „erledigen müssen sie es selber und das hilft enorm bei der Integration.“

Davon weiß auch die Ansprechpartnerin auf der Gemeinde zu berichten und für die Mitarbeiter der Tafel gibt es keinerlei Probleme mit den „Neuteisendorfern“. Besonders die jungen Männer aus Eritrea entpuppen sich als sportlich, im Besonderen als hervorragende Läufer. Auf dem Sportplatz sind sie gern gesehene Gäste und die Abteilung Leichtathletik im TSV Teisendorf prüft derzeit die Möglichkeit einer Mitgliedschaft. Roland Klosa von der Spedition Eberl kümmert sich um die läuferischen Talente: „Filemon Abraham schaffte beim kürzlich stattgefundenen Traunreuter Stadtlauf „nur“ den zweiten Platz, weil er das Wort ZIEL nicht lesen konnte und sich so an den späteren Sieger halten musste.“ Der Helferkreis will dieses Talent der Männer aus Eritrea fördern und einige von ihnen werden bei den nächsten Läufen in der Umgebung teilnehmen.

Ehrenamtliches Engagement der Teisendorfer

Mir geht es unverdient gut“... so eine weitere Motivation von Jörg- Michael Kunz für seine ehrenamtliche Tätigkeit. 20 bis 30 Stunden wöchentlich und mehr bringt er auf, sich zu engagieren. Beim von ihm geleiteten Helfertreffen geht es um weitere Themen, wie Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung und dergleichen. Viele teils nicht zufriedenstellend geklärte Dinge des Alltags gilt es mit Hilfe des für diese Fragen zuständigen Landratsamtes und der Caritas zu regeln. Immer wieder schaltet sich Sepp Jostl von der Caritas in Bad Reichenhall ein und kann bei vielen Fragen weiterhelfen und seine enorme Erfahrung einbringen.

Bei den vom Helferkreis immer wieder angebotenen Ausflügen lernen Asylbewerber ihre momentane Heimat kennen. „Bei unserem Ausflug auf die Stoißer Alm zeigte sich deutlich, wie sportlich gut diese Leute drauf sind“, weiß Regina Prechtl zu berichten. „Ich völlig außer Atem, hielten sie leichten Schrittes das Tempo und genossen auf der Alm angekommen sichtlich den herrlichen Rundblick.“ Für diese Ausflüge und jegliche andere Fahrten stehen von der Caritas bei zeitiger Buchung Kleinbusse zur Verfügung. Dieses Angebot von Sepp Jostl wird von den Teisendorfern in Zukunft sicher gerne in Anspruch genommen, so Jörg- Michael Kunz. Immer wieder spürt man an diesem Abend die große Bereitschaft, helfend zu unterstützen. Welche Aufgabe auch immer auftaucht: Keiner muss gebeten werden, sogleich fühlt sich einer aus dem Kreis zuständig und übernimmt.

Quelle: BGland24.de

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