Bayerns einziges Weihnachtspostamt

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Himmelstadt - Legosteine, ein iPhone oder einfach nur Arbeit für den Papa - die Wünsche an das Christkind sind ganz verschieden. Doch nicht nur Kinder schreiben an das Weihnachtspostamt. Immer mehr Erwachsene nutzen den Service.

Bis Heiligabend vergehen noch mehr als vier Wochen, doch schon jetzt haben die Helfer des Weihnachtspostamtes in Himmelstadt Tausende Briefe beantwortet. Im Landkreis Main-Spessart sitzt das einzige Weihnachtspostamt in Bayern.

“An das Christkind“ steht auf den meisten Briefumschlägen. Darin sind Wunschzettel, lustige Geschichten, Gedichte oder auch bunte Bilder. “Wir beantworten jeden einzelnen Brief“, sagt Rosemarie Schotte, die seit 1994 das bayerische Weihnachtspostamt leitet. Als sie das Ehrenamt übernahm, flatterten zur Weihnachtszeit etwa 20 000 Briefe von Kindern ein. Mittlerweile sind es rund 75 000.

Das Projekt Weihnachtspostamt ist in Himmelstadt mittlerweile ein kleines Familienunternehmen. Während die 70-Jährige die Weihnachtsgeschichte für die Christkind-Briefe schreibt und außergewöhnliche Briefe handschriftlich beantwortet, stempelt ihr Mann Bernhard die Briefe im Brückenhäuschen der Stadt ab. Das Layout für die Weihnachtsgeschichte hat der Rentner auch entworfen. Gemeinsam mit den beiden packen weitere 33 Helfer in der Weihnachtszeit an. Sie lesen, sortieren und beantworten alle Briefe.

Sieben Weihnachtspostämter in Deutschland

“Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer könnten wir unsere Weihnachtspostfilialen nicht aufrechterhalten“, sagt Post-Sprecher Rolf Schulz. Sieben Postämter gibt es in Deutschland. Die Kinder können in der Adventszeit auch an den Weihnachtsmann in Himmelpfort (Brandenburg) oder den Nikolaus in St. Nikolaus (Saarland) schreiben. “Wir betrachten das als Pflege einer schönen Tradition“, erklärt Schulz das Engagement der Post. Über die Kosten spricht die Post jedoch nicht. Das Geld für die Briefmarken, Stempel, Briefbögen und Umschläge kommt von ihr. Die meisten Wunschbriefe werden nach Himmelpfort geschickt, rund 280 000 sind es jährlich.

“Für uns als kleine Gemeinde ist das Weihnachtspostamt etwas ganz herausragendes mit Strahlkraft für die ganze Region“, sagt Himmelstadts Bürgermeister Harald Führer. Nicht einmal 1700 Einwohner hat der Ort. Die mehr als 40-fache Menge an Wunschzetteln bringt der Briefträger in Weihnachtszeit zum Weihnachtspostamt der Gemeinde.

Arbeit für den Papa

“Die Wünsche haben sich mit den Jahren verändert. Lego, Playmobil und Barbie stehen immer auf den Wunschzetteln. Und je nach Mode kommen dann noch aktuelle Spielsachen dazu“, sagt Schotte. Doch es sind nicht nur materielle Wünsche, die vom Christkind erfüllt werden sollen. “Manche wünschen sich einfach nur einen Job für den arbeitslosen Papa, Gesundheit für den kranken Opa oder dass die Eltern nicht mehr so oft streiten.“ Auch Erwachsene schreiben ans Weihnachtspostamt.

Allerdings schicken sie oft einen Wunschzettel der ganz anderen Art: “Die meisten verstehen uns leider als Versand-Dienstleister und geben uns seitenweise Adressen, an die wir doch bitte Weihnachtsbriefe schicken sollen“, sagt Schotte. Dies sei jedoch nicht der Sinn des Weihnachtspostamtes. “Diese Arbeit hält uns davon ab, liebevoll geschriebene Briefe von Kindern mit einem persönlichen Text zu beantworten.“

dpa

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