Bayern auf dem Weg zur Energiewende

Traunstein - Der frischgebackene bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Dr. Marcel Huberhat hat gezeigt, wie Bayern in die "Energie-Zukunft" starten will.

Die Braustubn im Brauerei-Ausschank Schnitzlbaumen war bis auf den letzten Platz gefüllt. Stolz war man, den neuen Umwelt- und Gesundheitsminister so kurzfristig für die Veranstaltung gewonnen zu haben. Ursprünglich sollte Ex-Minister Söder das Referat zur Energiewende halten. Da aber jetzt Dr. Marcel Huber seit dem 2. November dessen Amt innehat, war es für Gastgeber MdL Klaus Steiner eine besondere Ehre, den neuen Minister begrüßen zu dürfen.

Thema des Abends: Energiewende - Bayerns Weg in die Zukunft. Für Huber geht dieser Weg vor allem zweispurig voran. "Es geht nicht nur darum, einfach die erneuerbaren Energien hochzufahren. Vor allem müssen wir sichern, dass immer Strom geliefert wird, wenn wir ihn auch brauchen." Damit sprach er ein bekanntes Problem an: Energie aus erneuerbaren Ressourcen wie Sonne und Wind wird eben nicht 24 Stunden am Tag produziert. "Deshalb geht es vor allem um die Frage, wie Energie effektiv gespeichert werden kann", so Huber. Der neue Umwelt- und Gesundheitsminister äußerte sich in seiner Rede über die verschiedenen technologischen Möglichkeiten und gab seine ganz eigenen Ansichten preis.

Wasserkraft

Die Wasserkraft beispielsweise sei auf jeden Fall die sauberste und sicherste Methode. "Denn ein Fluss fließt nunmal immer, ob jetzt schneller oder langsamer. So wäre die Wasserkraft in der Lage, unseren Grundbedarf zu sichern. Aber ob sie ökologisch verträglich ist, ist eine andere Frage", gab Huber zu bedanken. Denn die Kehrseite der Medaille: Ein Fluss bringt mehr Energie, je breiter er ist. Dafür wird oft nachgeholfen, bei beispielsweise an der Salzach. Das Ende von Lied ist ein bekanntes Problem: "Das Flussbett wird nach und nach abgetragen und die Ufersubstanz so zerstört. Das hat Folgen für den Baugrund entlang des Flusses und für die Flora und Fauna.

Photovoltaik

Nächster Punkt: Photovoltaik. "Hier scheiden sich die Geister", so Huber. "Die Leute wundern sich oft, dass mit relativ hohen Subventionen für die Technologie ein relativ geringer Anteil an Strom erzeugt werden kann". Vor allem die Kosten für die Speicherung seien noch zu hoch, um den Aufwand für Photovoltaikanlagen zu rechtfertigen. "Eine schöne Idee finde ich die Nutzung beispielsweise von Flächen entlang von Autobahnen, da stören die Anlagen niemanden. Ebenfalls könnten leerstehende Deponien genutzt werden", so Huber weiter.

Biomasse

Die Energie aus Biomasse nannte Huber als besonders problematisch. Bioerdgas auf Gülle sei beispielsweise nur dann sinnvoll, wenn der Bauer die eigenen Umgebung damit versorgt. "Das Zeug kann unmöglich in weite Ferne gefahren werden müssen. So etwas muss dezentral gehalten werden, dann macht es aber auch großen Sinn", erklärte der Umweltminister.

Windenergie

Schließlich und endlich erhitzt auch die Windkraft die Gemüter, was Huber auch verstehen könne. So ein Windpark vor der Haustüre sei eben eine Widrigkeit, mit der nicht jeder klar komme. "Windkraft ist super, aber man muss auch da eben immer genau schauen, wo man das macht." Huber sei für Windparks auf Flächen, die weit genug von Wohnhäusern entfernt liege. "Wenn schon, dann gleich viele zusammen stellen, dann macht's auch Sinn." Und solchen Windparks werde es künftig auch leichter gemacht. "Denn auch das, " so Huber, "ist eine wichtige Aufgabe der Politik. Nicht nur anordnen, sondern auch schauen, wie man die Energiewende den Unternehmen und Menschen leichter machen kann." So sollen die Auflagen für Windparks gelockert werden. Mit 1000 Metern Abstand zum nächsten Wohnhaus soll dann gar kein Lärmschutzgutachten mehr nötig sein. Zwischen 800 und 1000 Metern soll eine Garantie vom Hersteller über die Lautstärkebelastung ausreichen. "Darunter bleibt's beim Gutachten, aber das wird bei einer so kleinen Distanz sicher nicht positiv ausfallen", beruhigte Huber.

Energiemix mit Gas als Grundversorger

"Wir in Bayern werden auf einen sinnvollen Energiemix setzen. Die Grundversorgung wird - weil sie ohne wenn und aber gesichert sein muss - aus der Gasenergieerzeugung stammen. Und die wird dann ergänzt durch verschiedene Technologien der erneuerbaren Energie. So sind wir auf der sicheren Seite." Denn: Huber machte klar, passieren muss etwas, und das auch ganz schön schnell. 2022 werde es in Bayern kein Atomkraftwerk mehr geben, ergo müsse die Versorgung bis dahin in trockenen Tüchern sein. Und einen Punkt hob Huber zum Ende seiner Rede besonders hervor: "Eins dürfen wir nicht vergessen. Bei allen neuen Technologien geht es doch auch immer vor allem um die Frage: Wie können wir Energie einsparen!" Denn jede gesparte Kilowatt-Stunde sei eine Kilowatt-Stunde weniger, um die man sich sorgen müsse.

Quelle: chiemgau24.de

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