Behördenwillkür und Schikanen angeprangert

Flüchtlingsrat: Kontrollen für private Asylunterkünfte

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Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat ist viel unterwegs, um sich vor Ort ein genaues Bild von den Zuständen in bayerischen Asylunterkünften zu machen.

Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert Mindeststandards für die Unterbringung von Flüchtlingen und Kontrollen der privaten Unterkünfte. Der Verband prangerte am Dienstag Missstände vor allem in ländlichen privaten Unterkünften an.

Die Missstände reichten von Schikanen durch Hausmeister über sexuelle Belästigung bis zu Willkürentscheidungen einzelner Behördenmitarbeiter. „Es müssen Mindeststandards her, und die Betreiber müssen kontrolliert werden“, sagte Alexander Thal vom Flüchtlingsrat.

Als Beispiele für Schikanen nannte er unter anderem einen ehemaligen Gasthof im unterfränkischen Mönchberg (Kreis Miltenberg), in dem die Flüchtlinge die Benutzung der großen Küche verboten worden sei. Nach einer Beschwerde darüber habe ein Mitarbeiter des Sozialamts mit Abschiebung gedroht, in einem anderen Fall sei einem Mann ein Krankenschein verweigert worden.

In einem anderen Gasthof werde der Hausmüll im Keller gelagert und nur alle zwei Wochen geräumt, so dass das Haus bestialisch stinke. In weiteren Heimen würden die für Gemeinschaftsunterkünfte vorgeschriebenen sieben Quadratmeter Platz pro Person nicht eingehalten. „Das sind rechtsarme Räume“, sagte Flüchtlingsrat-Mitarbeiter Matthias Weinzierl. „Für jeden Kindergarten gibt es Standards, aber eine solche Unterkunft kann jeder aufmachen.“

Generell fordert der Flüchtlingsrat die Freigabe der Wohnungssuche und eine bessere medizinische Versorgung. Bisher dürften die Asylbewerber nur bei akuten Schmerzen zum Arzt gehen, außerdem müssten sie vor einem Arztbesuch jedes Mal beim Sozialamt einen Krankenschein beantragen.

dpa

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