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Party nur für Gepikste?

Clubbesuch für Geimpfte: Betreiber in der Region zwischen Hoffnung und Skepsis

Florian Obereisenbuchner vor seinem Uschihaus in Tüßling: Dass er vielleicht bald wieder öffnen darf, kann er noch gar nicht so richtig glauben.
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Florian Obereisenbuchner vor seinem Uschihaus in Tüßling: Dass er vielleicht bald wieder öffnen darf, kann er noch gar nicht so richtig glauben.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) macht Partygängern und Nachtgastronomen Hoffnung: Im Herbst könnten Clubs und Diskotheken für vollständig Geimpfte öffnen, wie er am Dienstag, 13. Juli, nach einer Kabinettssitzung sagte. Die Nachtgastronomen in der Region freuen sich, bleiben aber skeptisch.

Landkreise – Marco Koob, Inhaber des Wuid Clubs, ist zwiegespalten. Er freut sich zwar, dass es eine Perspektive für seine Diskothek gibt. Aber er hofft auch, dass die Voraussetzungen zur Öffnung gelockert werden. Die Impfpflicht für alle Gäste lehnt er ab. „Die oberste Philosophie im Club ist: Alle Menschen sind gleich. Wir unterscheiden nicht.“

Nach Söders Plan müsste er mit dieser Philosophie brechen. „Diese Problematik müssen wir intern besprechen und eine passende Lösung für alle finden“, sagt er. Koob plädiert dafür, dass die 3-G-Regel (geimpft, getestet, genesen) auch in Diskotheken gilt.

Unfair Ungeimpften gegenüber

Auch Josefine Schütz findet die Idee des Ministerpräsidenten „sehr unfair“ gegenüber Menschen, die nicht geimpft sind. Schütz befürchtet, dass es im Herbst Ärger an der Tür ihrer „Party Oim“ geben könnte, wenn auch Ungeimpfte Einlass verlangen. Die Kontrolle eines Nachweises hält sie dagegen für nicht wirklich aufwendig. „Ich habe einen Türsteher, der würde das machen. Mein Club ist auch nicht so groß, da passen 50 Leute rein“, sagt sie.

„Wir sind heiß wie Frittenfett, wenn es nun endlich wieder losgehen kann!“ Absolute Erleichterung bei Florian Obereisenbuchner, Chef des Uschihauses in Tüßling, der die Nachricht kaum glauben kann. Denn seit dem 12. März 2020 wurden in der Szene-Disco an der Landkreisgrenze zwischen Mühldorf und Altötting keine Gin Tonics mehr ausgeschenkt, waberte kein Bass mehr zur Musik vom Plattenteller, wurde nicht getanzt, Stühle stapeln sich derzeit noch auf der Tanzfläche.

Ich glaube das erst, wenn wir tatsächlich aufmachen dürfen.

Tom Wöhrl (Silo Töging) über die Ankündigung der Staatsregierung

Doch jetzt, mit einer Perspektive für den Herbst, geht es ans Vorbereiten. „Wir sind natürlich sehr euphorisch. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir sehnlichst auf ein Zeichen gewartet.“ Untätig seien sie nicht gewesen, erzählt Flo Obereisenbuchner. Zusammen mit seinem Bruder Martin (52) habe der 50-Jährige die sanitären Anlagen auf Vordermann gebracht, technische Neuerungen vollzogen und auch das ein oder andere neue Accessoire hinzugefügt: „Alles natürlich so, dass das gewohnte Uschihaus-Flair erhalten bleibt“, versichert Obereisenbuchner.

Sein Kollege Tom Wöhrl vom Silo in Töging ist das sehr viel skeptischer: „Ich glaube das erst, wenn wir tatsächlich aufmachen dürfen.“ Er ordnet den Beschluss nämlich nicht unter Hilfe für die Clubs ein. Stattdessen vermutet Wöhrl, dass es der Staatsregierung darum gehe, junge Leute ans Impfen zu bringen.

Wie aufwändig wird es für Bars und Clubs, die Auflagen einzuhalten?

„Das wir uns nicht falsch verstehen“, sagt Wöhrl. „Ich bin geimpft und halte das für sehr wichtig.“ Dem jetzt von der Staatsregierung eingeschlagenen Weg aber steht er skeptisch gegenüber. „Und wenn das nur ein aktueller Anreiz sein soll, das müssen wir abwarten, ob es bis Herbst nicht längst andere Probleme gibt.“ Als Eröffnungsgarantie versteht er es jedenfalls nicht.

Deshalb bleibt Wöhrl beim aktuellen Silokonzept, dass sein Haus zumindest über den August bringen soll: Biergartenbetrieb an jedem Wochenende von 19 bis 23 Uhr, dazu das Open Air im August mit 500 Zuhörern. „Das ist bereits ausverkauft“, sagt Wöhrl. „Vielleicht dürfen wir die Besucherzahl etwas erhöhen.“

Viele Gäste vermuten Impfzwang durch die Hintertür

Die Einschätzung des Silo-Chefs teilt sein Kollege aus dem Sinners. Er beruft sich auf die Reaktionen auf der Facebook-Seite der Mühldorfer Diskothek. „Ich dachte, die jungen Leute würden sich freuen“, sagt Maximilian Kendliger. Aber sie hätten ganz anders reagiert: „Wenn er so mit einem Impfzwang daher kommt, sagen viele nein“, fasst er die Reaktionen zusammen.

Deshalb traut er der Ankündigung nicht. Stattdessen solle Bayern den Weg Nordrhein-Westfalens gehen. Im Land des CSU-Bundeskanzlerkandidaten Armin Laschet dürfen Gäste mit negativem Test wieder tanzen, die Söder-Hürde der Impfung hält er für zu hoch.

Traudi Hölzl-Wunderlich sieht mit der Ankündigung der Staatsregierung ganz neue Probleme kommen. Mit ihrem Mann Markus Wunderlich und Thomas Dinzenhofer betreibt sie den Eiskeller in Aschau im Chiemgau. Außerdem führen die Wunderlichs die One Bar in Rosenheim und haben kürzlich das Tatis übernommen.

Kommt das Personal in die Clubs zurück? Betreiber besorgt

Die Bar- und Clubbetreiberin vermutet, dass das Kontrollieren von Impfnachweis, Personalausweis und Einhaltung von möglichen Abstandsauflagen „unwahrscheinlich aufwendig“ wird. „Wir werden viel mehr Personal brauchen“, sagt sie. Und um eine Bar erfolgreich zu führen, brauche es eine bestimmte Anzahl an Gästen. Traudi Hölzl-Wunderlich hofft deshalb, dass sie viele jungen Menschen impfen lassen.

Sollte im Herbst tatsächlich der Startschuss zur Wiedereröffnung fallen, sorgt sich auch Uschihaus-Wirt Obereisenbuchner ums Personal. „Es wird nicht einfach, das Team zu reaktivieren!“ 25 bis 30 Mitarbeiter, die Obereisenbuchner „unsere Uschis“ nennt, seien es vor der Pandemie gewesen. „Einige haben ihre Fühler ausgestreckt, mussten sich zwangsläufig etwas anderes suchen, um sich finanziell über Wasser zu halten. Er hofft, dass er zumindest 60 Prozent seines Stammpersonals zurückholen kann.

Eineinhalb Jahre ohne Öffnungsperspektive für die Nachtgastronomie

Die vergangenen knapp eineinhalb Jahre seien nicht einfach gewesen. Viel Frust habe sich da aufgestaut in einer Branche, die nicht wirklich eine Öffnungs-Perspektive hatte. Immobilienhaie hätten ihn angerufen, mit Topangeboten gelockt. Für den Uschihaus-Chef nachvollziehbar: Eine Immobilie in Bahnhofsnähe – das macht das haus für die Städter, für Münchner interessant. „In Zeiten, in denen die Kultur den Bach runtergeht, könnte man da schon schwach werden“, gibt Obereisenbuchner zu.

Doch ein Verkauf sei nie eine Option gewesen, beteuert Obereisenbuchner: „Das Uschihaus ist unser Lebenswerk. Wir haben uns dafür entschieden, das Baby rüberzuretten, komme was wolle. Das sind wir unseren Stammkunden schuldig!“ Und so wird es spätestens im Herbst die erste Clubnacht geben. Erste Termine mit Discjockeys und Künstlern hat Obereisenbuchner schon geblockt. „Da muss man jetzt sehr schnell sein, denn wir sind sicher nicht der einzige Club, der seine Türen wieder aufsperrt!“

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