München-Salzburg: Poker um lukrative Bahnstrecke

München - Überraschung beim Poker um die lukrative Bahnstrecke München-Rosenheim-Salzburg. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bewerben sich nicht. Die Deutsche Bahn hat nur einen Konkurrenten.

Es ist die größte Ausschreibung seit Jahren, die die staatseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) in den vergangenen Monaten veranstaltet hat. Das E-Netz Rosenheim umfasst bis zu 5,8 Millionen Zugkilometer im Jahr, ausgeschrieben für den Betrieb ab Dezember 2013 ist nicht nur die Strecke von München über Grafing nach Rosenheim und weiter nach Salzburg, sondern auch eine neue Verbindung Rosenheim-Holzkirchen-München. Die Züge der sogenannten Mangfalltalbahn enden bisher in Holzkirchen, sollen künftig aber bis in die Landeshauptstadt weiterfahren. Dafür wird die fahrgastschwache S 20/27 aufgegeben.

Am 30. September endete die Ausschreibungsfrist für das E-Netz – und seit gestern steht nach Informationen unserer Zeitung fest, dass die BEG nur zwischen zwei Wettbewerbern entscheiden muss: Neben der DB Regio, die die Strecke bislang schon bedient, hat sich lediglich der französische Konzern Veolia beworben. Veolia betreibt die Bayerische Oberlandbahn. Ein Grund für die Bewerbung der BOB dürfte just die verlängerte Mangfalltalbahn sein, die der BOB auf der Strecke Holzkirchen-München Konkurrenz machen würde. Die Favoritenrolle hat jedoch die DB Regio – ein in jüngster Zeit offenbar bundesweiter Trend. „Die Zukunft im Schienenpersonennahverkehr bleibt DB-rot“, titelte jüngst das Fachblatt „Bahn-Report“. Weder DB noch die BOB waren mit Hinweis auf das noch laufende Verfahren zu einem Kommentar bereit.

Eigentliche Überraschung beim E-Netz ist jedoch, dass sich die ÖBB nicht bewerben. Allgemein war erwartet worden, dass sich die ÖBB für das E-Netz interessieren, nachdem sie schon ihre Fühler nach der Strecke München-Garmisch-Partenkirchen ausgestreckt hatten – bei der Vergabe kam aber die DB Regio zum Zug. Die ÖBB müssen indes erst ihren Heimatmarkt in Ordnung bringen. Zudem „lässt die derzeitige Erlössituation auch keine – mit einem gewissen Risiko – verbundenen Investitionen im benachbarten Ausland zu“, erklärte Konzernsprecher Michael Wimmer. „Es würde kein Bahnkunde in Österreich verstehen, wenn die ÖBB in Bayern mit neuen Nahverkehrszügen unterwegs sind, während auf den österreichischen Kernstrecken älteres Wagenmaterial im Einsatz ist.“

Dirk Walter

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