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Regisseur Werner Herzog wird 75 - Er wuchs in Sachrang auf

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Werner Herzog im Februar 2015 während der 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin nach der Premiere seines Films "Queen of the Desert".
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Aschau im Chiemgau - Bis heute wissen nicht viele, dass der bedeutende Regisseur Werner Herzog, der am Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert, in Sachrang aufwuchs.

Er ist Filmregisseur, Opernregisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Schriftsteller. Zudem gilt er als ein bedeutender Vertreter des "Neuen deutschen Films" Deutschlands beziehungsweise des Autorenfilms. 2009 rechnete ihn das Time Magazin zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt. Doch in Sachrang, dem Ort, in dem er aufwuchs, ist wenig über seine Zeit dort bekannt. "Ich frage ein paar Leute auf der Straße und stelle schnell fest: Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass Werner Herzog hier gelebt hat", schreibt Moritz Holfelder, Autor einer Biografie Herzogs*, über seine Recherchen vor Ort 2012. 

Flucht nach Sachrang 1942

Geboren wurde Werner Herzog am 5. September 1942 in München. Nach einem Angriff der britischen Luftwaffe zwei Wochen darauf wurde die Familie, konkret er, seine Mutter Elisabeth und sein Bruder Tilbert, nach Sachrang evakuiert. Dort wurden sie von offizieller Seite im Zuhäusl des Bergerhofs im Ortsteil Berg einquartiert. Der Vater war als Offizier an der Front. Trotzdem war der Bombenkrieg die früheste Kindheitserinnerung Herzogs.

In der Reihe "Nachdenken über Deutschland" der Münchner Kammerspiele berichtete Herzog selbst 1983: "Meine Mutter hat meinen älteren Bruder und mich nachts aus dem Bett gerissen, uns an die Hand genommen, ein Stück weit den Berghang hinter dem Haus hinaufgeführt und gesagt: Kinder, ich habe euch aus dem Bett geholt, schaut, hier brennt Rosenheim." Es handelte sich dabei vermutlich um einen Luftangriff am 18. April 1945. Dabei fielen von 14.40 bis 14.55 Uhr aus rund 200 Flugzeugen etwa 1300 Bomben in das Gebiet um den Rosenheimer Bahnhof. Es gab 53 Tote und 36 Verletzte. Vermutlich beobachtete die Familie Herzog nicht den Luftangriff selbst, sondern den Feuerschein der dadurch ausgebrochenen Brände am Abend.

Rosenheim "Stadt am absoluten Ende der Welt"

Rosenheim hatte auch sonst einen besonderen Platz in Herzogs Kindheitserinnerung. In dem biografischen Buch "Herzog on Herzog" schildert der Regisseur: "Für uns war Rosenheim die große Stadt am absoluten Ende der Welt." Die nächstgrößere Ortschaft war damals erst Aschau gewesen, er selbst ist als Kind nie nach Rosenheim gekommen. Weiter schilderte er dort: "Sachrang war, obwohl es nicht weit von München entfernt ist, zu dieser Zeit derart vom Rest der Welt abgetrennt, dass ich etwa bis zwölf nicht wusste, was eine Banane ist, und ich erst mit siebzehn das erste Mal überhaupt telefonierte."

Seine Kindheit dort spiegelte sich auch in seinen Filmen wieder, wie sein Biograf Moritz Holfelder erläutert. In diesen wird beispielsweise so gut wie nie telefoniert oder Auto gefahren. Vor allem aber prägte ihn die Beobachtung vieler widerständiger und eigenbrötlerischer Figuren dort, betont Holfelder.

Doch die damals abgelegene Lage Sachrangs hatte auch drastische Auswirkungen. Als Herzog mit fünf Jahren mitten im Winter schwer krank wird, macht es keinen Sinn einen Krankenwagen zu rufen. Das Dorf ist komplett eingeschneit. Stattdessen beförderte Herzogs Mutter ihn auf einem Schlitten bis in das kleine Krankenhaus in Aschau. 

Ersten Film in der Dorfschule gesehen

Schließlich sieht Herzog im Alter von elf Jahren in der Dorfschule von Sachrang seinen ersten Film. Später schilderte er, er sei "von dem ersten Film, der Eskimos zeigte, die ein Iglu bauten, nicht sehr angetan", gewesen. Erst der nächste Film über Pygmäen, die eine Brücke über einen Fluß bauten, habe ihn dann beeindruckt. 

1954, Herzog ist nun zwölf Jahre alt, zieht die Familie zurück nach München. Dort traf er in einer Pension in der Elisabethstraße auf den heute höchst umstrittenen Schauspieler Klaus Kinski. Mit ihm sollte seine filmschafferische Karriere eng verbunden sein. In München nimmt seine Karriere ihren Lauf, 1962 veröffentlicht er seinen ersten Film, 1963 gründet er seine eigene Produktionsfirma. Schließlich mit 24 Jahren dreht er seinen ersten Spielfilm und etabliert sich zunehmend als Regisseur von Weltrang.

Wanderung um Deutschland von Sachrang aus 1982

Die Ölbergkapelle in Sachrang.

1982 kehrte er für eine besondere Aktion noch einmal in den Ort seiner Kindheit zurück. 1982 will er von dort aus einen besonderen Fußmarsch "zur Rettung Deutschlands" starten. "Die Vorstellung hat mich nie verlassen, dass, wenn ich um Deutschland herumginge, es umkreisen, fast wie mit einem Gürtel umgeben würde, dass alleine durch diesen Gang Deutschland auch in einer Weise zusammenhaltbar wäre", erzählte er später. 

Am 15. Juni 1982 bricht Herzog von der Sachranger Ölbergkapelle auf. Er wandert immer weiter, Richtung Allgäu, zum Bodensee. Dann weiter entlang der westlichen Grenze nach Norden. Sein Plan war, an der Ostseite wieder Richtung Süden und schließlich über Berchtesgaden wieder nach Sachrang zu laufen. Nach Erreichen der Nordseeküste musste er sein Vorhaben jedoch krankheitsbedingt abbrechen. Die Deutsche Einheit kam dann bekanntlich trotzdem neun Jahre später. 

Zum Weiterlesen:

hs

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Quelle: rosenheim24.de

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