Arbeitslosengeld zu Unrecht bezogen - hartes Urteil

Urteil: Sportler-Eltern legen Berufung ein

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Rosenheim - Neun Monate Gefängnis auf Bewährung wegen Betruges in Sachen Arbeitslosengeld - das wollen die Eltern eines prominenten Profi-Sportlers nicht auf sich sitzen lassen.

Peter Krauß, Münchner Rechtsanwalt des Paares, das jüngst am Amtsgericht Rosenheim gehörig die Leviten gelesen bekam, bestätigte gegenüber rosenheim24.de: "Meine Mandanten wollen Berufung einlegen. Sie wollen den entstandenen Schaden aber natürlich wieder gut machen." Krauß hofft, in der Berufung das Urteil von einer Haftstrafe mit Bewährung auf eine Geldstrafe für beide mindern zu können. Der Jurist: "Das Ehepaar war wegen der Höhe der Strafe schon geschockt. Immerhin sind beide über 60 Jahre alt und bislang unbescholten." Ende August/Anfang September rechnet Krauß nun mit dem Beginn der Berufungsverhandlung.

Im ersten Prozess hatte Richterin Isabella Hubert keine Gnade mit dem Ehepaar gezeigt: "Diese staatliche Hilfe ist eine Hilfe für Bedürftige. Sie sind das Gegenteil von bedürftig. Sie haben einzig das Problem, ihren früheren Lebensstandard aufzugeben." Und weiter: "Hier werden Leute verurteilt, die sich von den Behörden 200 Euro erschwindeln, weil sie nicht wissen, wie sie von 360 Euro monatlich leben sollen. Sie beide beziehen etwa 3000 Euro im Monat und leben dabei noch mietfrei. Mit der Hälfte dieses Einkommens würden sich hier hunderte Arbeitslose im Himmel fühlen. Würde der Staat allen, die so bedürftig sind wie sie, diese Unterstützung gewähren, so wäre er im Handumdrehen bankrott."

Das Ehepaar, das lange in Bad Aibling gelebt hatte, hatte jahrelang Arbeitslosenhilfe bezogen, obwohl es über monatliche Einkünfte aus Versicherungen, Rente und einer Unterstützung seines prominenten Sportler-Sohnes verfügte. Insgesamt belief sich die zu Unrecht bezogene Summe auf 14.796 Euro. Mit seinen Einkünften versuchte das Paar den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Die Frau in der Verhandlung: "Wir müssen im Winter in Florida sein. Ich kann die Kälte hier nicht ertragen."

Der Fall hatte bei den Usern von Rosenheim24.de für eine rege Diskussion gesorgt.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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