Streit um Grenzwerte in Bruckmühl

Wie laut und hell darf es beim Nachbarn sein?

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Bruckmühl - Seit Oktober bangt eine Familie in der Marktgemeinde jede Nacht um ihren Schlaf. Der Grund: Lieferverkehr am frühen Morgen und Leuchtreklame vor dem Schlafzimmerfenster:  

Familie Bauer (Name von der Redaktion geändert) wohnt in einer Wohnung am Rand der Marktgemeinde Bruckmühl. Seitdem ein Einkaufszentrum im direkten Umfeld eröffnet wurde hängt jedoch der Haussegen schief. Der Grund: Familie Bauer muss jede Nacht befürchten, unsanft geweckt zu werden. Im Gespräch mit mangfall24.de beschreiben die Anwohner ihre Erfahrungen.

Lärm und Licht trotz klarer Grenzwerte

"Das Einkaufszentrum liegt in einem Kerngebiet. Außen herum handelt es sich um Mischgebiete", erklärt Peter Bauer. Für die sogenannten Emissionswerte in Bezug auf Lärm und Licht sind die Grenzwerte klar definiert: So darf die Lautstärke in einem Kerngebiet am Tag zwischen 6 Uhr früh und 22 Uhr abends 65 Dezibel grundsätzlich nicht überschreiten. In der Nacht, zwischen 22 Uhr und 6 Uhr, liegen die Werte bei 50 Dezibel.

Das Problem: Direkt an der Grundstücksgrenze von Familie Bauer befindet sich die neue Zufahrtsstraße für den Lieferverkehr des Einkaufszentrums. "Es kam zu Anlieferungen ab 3.15 Uhr, an Spitzenzeiten wurden pro Tag 17 LKW gezählt, dazu kamen dann noch die Paketzusteller", berichtet Pater Bauer. Messungen mit Hilfe einer App auf dem Tablet hätten ergeben, dass die Grenzwerte dabei zum Teil deutlich überschritten wurden. Darüber hinaus verstoße der Zulieferer dabei auch gegen die allgemein geltende Nachtruhe, so der empörte Anwohner weiter. Und auch manche Angestellte des EKZ sollen wenig Verständnis für den Schlafbedarf von Familie Bauer haben. "Kurz vor Mitternacht werden schon mal leere Müllcontainer geschoben, Auto stehen mit laufendem Motor vor dem Haus, Türen werden zugeschlagen", erzählt Peter Bauer. 

Doch nicht nur akustisch, sondern auch visuell beeinträchtige das Einkaufszentrum den Grundstücksnachbarn akut. Neben einer Leuchtreklame scheine auch die Innenbeleuchtung einer Toilette im Einkaufzentrum direkt ins geöffnete Schlafzimmerfenster der Familie. Ähnlich wie beim Lärm gibt es im Bundes-Immissionsschutzgesetz auch hier entsprechende Grenzwerte: 5 Lux stellen die zulässige Obergrenze im Kerngebiet dar. Gemessen habe der Anwohner hingegen 11 Lux.

Das sagen Bürgermeister und Betreiber

"Das Problem ist bekannt, wir hatten bereits einen Ortstermin mit der Hausverwaltung", erklärt der Bürgermeister der Marktgemeinde, Richard Richter. Zuvor seien selbstverständlich auch die Informationen weitergeleitet worden. "Es darf zu den angegebenen Zeiten keine Anlieferung stattfinden", bestätigte auch der Bürgermeister im Gespräch mit mangfall24.de. In Bezug auf die Werbetafel könne man schon einen Zwischenerfolg verzeichnen. "Ich war selbst vor Ort, die Tafel war aus", so Richard Richter weiter. Ein Problem stelle jedoch nach wie vor die Beleuchtung in den Sanitärbereichen dar. Diese seien nämlich an einen Bewegungsmelder gekoppelt.

Auf Anfrage teilte die PATRIZIA Immobilien AG, das Verwaltungsunternehmen des Centers in Bruckmühl schriftlich mit: "Wir nehmen die Beschwerden von Anwohnern sehr ernst und stehen diesbezüglich in engem Austausch mit den Betreibern. Wir gehen davon aus, dass beim Anlieferverkehr sowie im Bezug auf Lärm- und Lichtemissionen alle Auflagen und Grenzwerte eingehalten werden. Aktuell werden Gutachten sowohl zu den Lärm- als auch den Lichtemissionen erstellt. Wir rechnen bis Mitte Juni mit den Ergebnissen.

Wie der Anwohner weiter berichtet, soll sich jetzt auch bereits ein Gutachter bei ihm gemeldet haben. Die Messungen zur Bestimmung der Lautstärke sollen bereits Mitte Mai beginnen. Ob die Familie dann besser schlafen kann ist fraglich, denn: Die Messgeräte sollen dabei im Schlafzimmer der Familie und auch erst in der Nacht aufgebaut werden.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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