Alle vier Angeklagten verurteilt

Ansbacher Mörder müssen ins Gefängnis

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Ansbach - Der Mord war heimtückisch und brutal: Das Gericht hat die vier Angeklagten im Ansbacher Mordprozess zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Verteidiger kündigten Revision an.

Es sollte eine Abreibung werden, aber es wurde Mord. Das Landgericht Ansbach hat vier Angeklagte für den Mord an einem Bekannten zu langen Haftstrafen verurteilt. Ohne Regung nahm das Quartett am Mittwoch das Urteil zur Kenntnis. Die zwei Männer im Alter von 25 und 26 Jahren müssen lebenslang ins Gefängnis, die 21-jährige Frau und ein 20-Jähriger erhielten Jugendstrafen von neun Jahren.

Die vier Täter hatten den 30-Jährigen vor gut einem Jahr in einen Hinterhalt gelockt, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. „Das weitere Geschehen ist eskaliert“, sagte der Vorsitzende Richter Claus Körner bei der Urteilsverkündung. Da ein mitgebrachter Elektroschocker nicht funktionierte und das Opfer sich wehrte, stachen die Angeklagten nach Ansicht der Strafkammer mit drei Messern mehrfach auf den Mann ein. In einem gemieteten Lieferwagen quälten sie ihn mit weiteren Messerstichen und Fußtritten. Schließlich warfen sie den Schwerverletzten bei Ansbach in den Fluss Rezat, wo ihn einer der Angeklagten ertränkte.

Die Täter hatten den gewaltbereiten Mann aus dem Drogen- und Rotlichtmilieu laut Anklage wenige Monate vor der Tat kennengelernt. Im Zusammenhang mit Drogengeschäften und Schulden hatte das spätere Opfer einen der Angeklagten in dessen Wohnung überfallen, geschlagen und bedroht. „Es war ein Mann, der vor Gewalt nicht zurückschreckte“, sagte Körner. Aus Angst und Rache vor dem häufig bewaffneten Mann hätte das Quartett schließlich seinen Plan gefasst.

Im Gegensatz zu den Verteidigern sah das Gericht das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Mit seinem Urteil folgte es den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten hingegen mildere Strafen wegen Totschlags oder gefährlicher Körperverletzung gefordert. Drei Verteidiger kündigten an, in Revision zu gehen.

Die Mutter des Opfers, die im Prozess mit ihrem Mann Nebenklägerin war, hatte sich vor einer Woche in einer bewegenden Rede an das Gericht gewandt. „Auf immer und ewig sollen sie sich daran erinnern, dass sie unseren Sohn umgebracht haben“, las sie auf italienisch vor, übersetzt von einem Dolmetscher. Immer wieder wischte sich die Mutter während des Prozesses die Tränen aus dem Gesicht.

Zu Prozessbeginn Anfang April hatte einer der Angeklagten ein detailliertes Geständnis abgelegt. Die anderen äußerten sich in der dreimonatigen Verhandlung entweder gar nicht oder nur kurz. Nach den Plädoyers bedauerten die Angeklagten die Tat. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun, um die Tat zu verhindern“, sagte einer von ihnen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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