Ameranger Verein spürt mit Drohnen Rehkitze vor der Mahd auf

Der Tod lauert im hohen Gras: "Grausames Gemetzel" muss enden 

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Ein Rehkitz im hohen Gras. 
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Amerang - Abgetrennte Beinchen, die von Füchsen an den Waldrand geschleppt werden, Kadaver von Rehkitzen, die grausam verenden. "Das muss ein Ende haben", hat sich ein neuer Ameranger Verein auf die Fahnen geschrieben. Mithilfe von Wärmebildkameras an Drohnen wollen sie Rehkitze vor dem drohenden Mähtod im Frühjahr retten.

"Es ist ein grausames Gemetzel, wenn ein frisch geborenes Rehkitz landwirtschaftlichen Mäharbeiten zum Opfer fällt. Die Jungtiere verbluten an abgehackten Beinen, aufgerissenen Bäuchen oder zerschnittenen Hinterteilen", beschreibt Marie-Theres Schurrer, Vorsitzende des Vereins "Wildtierhilfe Amerang", den qualvollen Tod der jungen Rehe im Frühjahr. "So kann und darf es nicht weitergehen." 

Aus diesem Grund haben Schurrer und einige Anhänger aus der Umgebung im diesjährigen Winter beschlossen, einen Verein zu gründen und die Rehkitze vor dem schrecklichen Mähtod zu beschützen. "Jedes Jahr wenn es Frühling wird und die Mähsaison der Landwirte beginnt, sterben Hunderte von Rehkitzen und auch Hasen einen stummen, brutalen Tod. Immer größere Maschinen und fehlende Ruheflächen für das Wild machen dem Nachwuchs den Garaus", erklärt Schurrer die Hintergründe der Institution, die seit etwa zwei Monaten Bestand hat. Verendet ein Jungtier qualvoll, sei das oft doppelt tragisch, denn die Rehmutter könne dann laut Schurrer an Milchbrand sterben. 

Ein im Gras verstecktes Rehkitz. 

Drohnen spüren versteckte Rehe auf

Die Ehrenamtlichen wollen nicht mehr länger zuschauen. Weil es bisher keine wirksamen Mittel gibt, die Tiere vor der Mahd im hohen Gras aufzuspüren und in Sicherheit zu bringen, behelfen sich die Ameranger Retter aus luftiger Höhe: Mithilfe von in Drohnen installierten Wärmebildkameras wollen sie ab Mai das erste Mal Kitze aufspüren und retten. Die Helfer müssen um 4 Uhr morgens aufstehen, denn, so erläutert Schurrer, sobald die Außentemperaturen steigen, hebe sich das Bambi auf der Wärmebildkamera nicht mehr von der Umgebung ab und sei nicht mehr aufspürbar. Ab 8 Uhr morgens sei es dann beinah schon zu warm für die Kamera. 

 "Ist der Nachwuchs durch Infrarot entdeckt, müssen wir ihn mit Handschuhen und in Gras eingewickelt aus der Gefahrenzone bringen. Nimmt es menschlichen Geruch an, so nimmt wiederum die Rehmutter ihr Junges nicht mehr an - gerade wenn es junge unerfahrene Mütter sind." Von Mai bis etwa Mitte Juni wollen die Ehrenamtlichen aus Amerang Bambis in der Umgebung retten. 

Mit Drohnen und Wärmebildkameras sollen die Rehkitze aufgespürt werden. 

Die Landwirte reagieren auf die Aktion ganz unterschiedlich, erzählt Schurrer. "Einige strahlen über das Gesicht und sind dankbar für unsere Vorarbeit vor der Mahd, damit das Grauen der Rehe ein Ende hat, weil sie es selbst so furchtbar finden, wenn die jungen Rehe zugrunde gehen. Andere wiederum sind der Meinung, sie bräuchten das für ihre Wiesen nicht. Wir hoffen dennoch, dass sich viele vor der Mahd bei uns melden. Das Absuchen der Felder und Wiesen durch die Drohne ist für die Landwirte kostenlos." 

Und: "Wir freuen uns über jeden, der mit uns Kontakt aufnimmt oder uns zum Sucheinsatz bestellt und freilich über jeden, der uns unterstützt oder aktiv mitmachen möchte." 

Das Ziel des neuen Ameranger Vereins ist es, langfristig ein Umdenken anzuregen. "Es gibt nach wie vor viel zu wenig ehrenamtliche Helfer, die Bambis retten. In unserer Region gibt es lediglich in Traunstein und Pittenhart ebenfalls Vereine, die so agieren wie wir nun." 

Schurrer hofft beispielsweise auf die Errichtung von Ruheflächen für Rehe oder Ausweichflächen für den Nachwuchs. Dort hätte das Wild seine Ruhe und könne sich ohne Todesgefahr, ohne Drohneneinsätze, ohne überzogenen Jagddruck und ohne andere Einwirkung in Frieden aufhalten und seine Jungen sicher auf die Welt bringen. 

Mit viel Gras und Handschuhen werden die Kitze an einen sicheren Ort gebracht. 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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