Tourismusverband plant seine Zukunft

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Als Teilnehmer aus dem Landkreis Rosenheim waren unter anderem Bürgermeister Olaf Kalsperger aus Raubling, Bürgermeister Felix Schwaller aus Bad Aibling und Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin der Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH (von rechts), bei der Versammlung anwesend.

Bad Aibling - Für den insolventen Tourismusverband Oberbayern muss ein Ersatz her. Bei einer Beratung am Dienstag gab es aber noch viele offene Fragen:

Eine Lenkungsgruppe soll sich unter Federführung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums mit der Nachfolgeregelung für den insolventen Tourismusverband Oberbayern befassen. Sie wird sich bereits am 14. November erstmals im Ministerium treffen. Die Mitglieder des Verbandes billigten gestern bei einer Zusammenkunft im Bad Aiblinger Kurhaus diesen Weg.

Als Dr. Manfred Zeiner, Moderator der Diskussionsrunde zur Zukunft des Verbandes, das Stimmungsbild am Ende der Veranstaltung per Akklamation erbat, erhoben sich zwar die meisten Hände im Saal, die Reihen hatten sich zu diesem Zeitpunkt freilich bereits sichtbar gelichtet. Schließlich hatten manche der Teilnehmer am Spätnachmittag schon eine Vorstandssitzung und anschließend die Mitgliederversammlung des Verbandes hinter sich, der sich die Diskussionsrunde zur Zukunft als drittes Element der Versammlung anschloss. "Wir wollen heute Ihre Meinung hören und uns ein Bild machen", sagte Dr. Gabriele Weishäupl, ehemals Fremdenverkehrschefin der Stadt München und im Vorstand des Verbandes tätig. Der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl bemühte, passend zum Leonharditag, gar den Schutzheiligen der Tiere und erinnerte daran, dass der heilige Leonhard auch der Patron der Wöchnerinnen sei. "Möge er dem neuen Verband eine gute Geburtsstunde bescheren", so sein Wunsch.

Der fand zwar ungeteilten Beifall, wie die Geburt eingeleitet wird und was die Anzahl der benötigten Hebammen betrifft, dazu blieben allerdings auch gestern noch einige Fragen offen. Beispielsweise, welche Organisationen definitiv in der Lenkungsgruppe vertreten sein sollen. Auch wer die Repräsentanten dieser Vertreter sein sollen, steht noch nicht in jedem Einzelfall fest. "Wir sind erst am Anfang", merkte Weishäupl dazu an.

In der Lenkungsgruppe werden die IHK, der Hotel- und Gaststättenverband, die Stadt München, der Städte- und Gemeindetag, der Bezirk Oberbayern, der Landkreistag, die Hochschule München, die Initiative Oberbayern und die Tourismusorganisationen vertreten sein. Der Feilnbacher Kurdirektor Florian Hoffrohne forderte beispielsweise, auch den Bayerischen Heilbäderverband in die Lenkungsgruppe aufzunehmen. Der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner plädierte für den ADAC als weiteres Mitglied, ein anwesender Vertreter des Automobilclubs zeigte sich von diesem Vorschlag weniger angetan und hält es für ausreichend, wenn der ADAC in den Facharbeitsgruppen vertreten ist, die unter dem Dach der Lenkungsgruppe entstehen sollen.

Einigkeit herrschte unter den Anwesenden, dass die Nachfolgeorganisation des Tourismusverbandes zum frühestmöglichen Zeitpunkt ihre Arbeit aufnehmen, in der Vorbereitungsphase jedoch Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen solle. Was die Rechtsform der Nachfolgeorganisation betrifft - bisher war der Verband ein Verein - , zeichnet sich noch keine Klarheit ab. Während der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell als Konsequenz aus der Verbandspleite bereits sehr früh für die Gründung einer GmbH plädiert hatte (wir berichteten), waren gestern vor allem in den Reihen der Vertreter aus dem Tegernseer Tal ganz andere Töne zu vernehmen. "Ich weiß nicht, was gegen einen Verein spricht?", sagte beispielsweise der Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen.

Auch auf die finanzielle Ausstattung des Verbandes kamen einige der Anwesenden bei der Zusammenkunft zu sprechen. "Die klassische Million pro Jahr ist die Basis, mit der wir wohl kalkulieren müssen", meinte Landrat Hermann Steinmaßl.

Dem Aiblinger Kurdirektor Thomas Jahn ging das alles freilich ein wenig zu schnell. "Wir erleben einen enormen Strukturwandel und sollten endlich diskutieren, was der neue Verband eigentlich tun soll. Erst wenn wir dieses Meinungsbild haben, können wir über Geld reden."

Eine Initiativgruppe, der neben Steinmaßl und Weishäupl auch Georg Overs, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH angehört, hatte die Zusammenkunft in Bad Aibling vorbereitet und sich auch Gedanken über die Übergangsphase bis zur Gründung eines neuen Verbands gemacht. "Wir sind offen für jedes Gespräch und für jeden Weg, der in die Zukunft führt. Uneinigkeit macht schwach", sagte Gabriele Weishäupl und blickte dabei auch ein wenig auf Klaus Stöttner, der sich im Vorfeld nicht unbedingt zustimmend zur gestrigen Veranstaltung geäußert hatte. Stöttner nutzte das Podium sogleich für einen flammenden Appell zum Zusammenhalt. "Es darf keine zwei Lager geben, sondern nur ein Miteinander." Flapsige Bemerkung des Moderators am Rande. "Der Geist von Aibling scheint schon zu wirken."

Da wollte auch der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin, zugleich Sprecher der oberbayerischen Landräte, mit froher Kunde nicht länger hinter dem Berg halten. Oberbayerns Landräte trügen den Neuanfang mit und planten keine Gegeninitiative", ließ er die Versammlungsteilnehmer wissen. Dennoch: Sein Rosenheimer Kollege Josef Neiderhell, der nicht an der Versammlung teilgenommen hatte, wollte ihre Ergebnisse gegenüber dem OVB nicht kommentieren. Die Begründung hierfür lieferte Pressesprecher Michael Fischer. "An der Diskussionsrunde nehmen auch Landrat Hermann Steinmaßl und Gabriele Weishäupl aus dem alten Vorstand teil. Der Landrat sagt deshalb nichts dazu, weil er nicht sieht, dass die beiden ein Mandat zur Gründung einer Nachfolgeorganisation haben."

Dass diese Gründung im Kurhaus vollzogen werden könnte, diese Befürchtung hielt sich bei manchen Teilnehmern der Versammlung hartnäckig. Aiblings Bürgermeister Felix Schwaller fragte während der Diskussion noch einmal eigens nach, ob dieser Schritt an diesem Tag auch wirklich nicht zur Diskussion steht.

"Das war nie geplant", versicherte ihm Landrat Hermann Steinmaßl nochmals und konnte sich den Nebensatz nicht verkneifen, dass diese Bemerkung auch an die Adresse von Klaus Stöttner gerichtet sei. In der Zielsetzung sind sich die CSU-Parteifreunde ihren eigenen Worten nach ja einig. Der harmonische Zusammenhalt ist wichtig, damit der neue Verband in eine gute Zukunft geführt werden kann.

Norbert Kotter (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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