Bis zu 19,9% bei den Zweitstimmen

AfD-Hochburgen in der Region: Auf der Suche nach Erklärungen 

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"Die AfD hält, was die CSU verspricht" - Offenbar hatte dieser Wahlslogan in der Region Erfolg. 
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Landkreis - In den Wahlkreisen Rosenheim, Traunstein und Altötting wurde die AfD noch vor der SPD zweitstärkste Partei. Wir schauen uns einige regionale Hochburgen der Partei an und suchen nach Erklärungen für die starken Werte. 

Mangfalltal: Trieben Container-Pläne Wähler zur AfD?

Überdurchschnittliche Ergebnisse konnte die AfD in vielen Mangfalltal-Gemeinden im Landkreis Rosenheim erzielen: In Kolbermoor holte die AfD 17,7% der Zweitstimmen, in Bruckmühl waren es 15,9%, in Bad Feilnbach 15%.

Wie ist das zu erklären? In Bruckmühl gab es im Sommer heftige Debatten um eine geplante Container-Asylunterkunft. Auf einer Infoveranstaltung im Juli entlud sich der Unmut vieler Bürger der Marktgemeinde. Bisher waren die rund 160 Asylbewerber dezentral untergebracht, mit den Containern befürchten viele Bruckmühler einen Anstieg an Kriminalität sowie Lärmbelästigungen.  

Auch in Kolbermoor gab es zuletzt Diskussionen um einen neuen Containerstandort für Asylbewerber. Zwischen 50 bis 100 weitere Flüchtlinge sollen in die Stadt Kolbermoor kommen, verteilt auf einen oder zwei Containermodule. 

Jahrelanger Asyl-Unmut in Waldkraiburg

Im Wahlkreis Altötting holte die AfD in Waldkraiburg 19,9% der Zweitstimmen. In der Stadt waren zuletzt zwar die Asylbewerberzahlen rückläufig, das Thema bestimmte aber seit 2015 massiv die Debatten in der Stadt.

Insbesondere die Umwandlung des BFZ Peters in eine dauerhafte Großunterkunft für Asylbewerber, als Dependance der Erstaufnahmeeinrichtung in München, sorgte schon zu Anfang der Flüchtlingskrise für viel Unmut. Dazu trugen vor allem die vielen Polizeieinsätze dort bei. Der Erste Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG Waldkraiburg) schrieb im Jahr 2016 sogar einen Brandbrief an die Staatsregierung und zeigte sich besorgt über die hohe Zahl an Asylbewerbern in seiner Stadt. 

Ressentiments in Töging

Ein weiteres überdurchschnittliches Ergebnis holte die AfD mit 15,7% der Zweitstimmen in Töging am Inn. Hier zeigt sich, dass asylkritische Ressentiments in einigen Bevölkerungskreisen fest verwurzelt sind:  Nicht nur wir, sondern auch überregionale Medien wie der BR, Focus Online und RTL berichteten über einen Aushang an einem Geschäft: "Achtung! Collectiv-Maßnahme: Wir wünschen keine Asylanten als Kundschaft in unserem Ladenlokal!" Als Begründung gab die Geschäftsinhaberin an, dass Asylbewerber immer wieder klauen würden. 

Pauschale Vorurteile über Menschengruppen, die offenbar von einem nicht unbedeutenden Teil der Töginger Stadtbewohner geteilt werden. Möglicherweise hatte der Aushang und die Berichterstattung darüber auch Auswirkungen auf das Wahlergebnis in der Stadt. 

AfD warb gezielt um "Russlanddeutsche" 

Auffällig ist auch der Zusammenhang zwischen einem überdurchschnittlichen Anteil von "Russlanddeutschen" in der Bevölkerung und hohen AfD-Werten. Hier fallen im Wahlkreis Traunstein besonders Traunreut (15,5% der Zweitstimmen), Ainring (16%) oder auch Freilassing (16,5%) auf. Sozialwissenschaftler debattieren schon seit längerer Zeit darüber, ob die Russlanddeutschen der AfD näher stehen als übrige Wählermilieus. 

Ausgerechnet die Partei, die das Erlernen der deutschen Sprache als Grundvoraussetzung für die Integration einfordert, warb gezielt auf Russisch mit kyrillischer Schrift um Zustimmung in diesem Wählermilieu. Beispiele aus der Region: Eine geplante Demo im August 2016 in Traunstein, mit einem Plakataufschrift auch auf Russisch sowie ein AfD-Treffen in Ainring am 10. September, die betitelt wurde als "Veranstaltung für Russlanddeutsche" mit dem Wahlkreiskandidaten Hans-Jörg Müller. 

Gemeinde-Ergebnisse aus der Region:

Quelle: rosenheim24.de

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