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Alarmierende Satellitendaten

20 Millionen Tonnen Weizen fehlen - Lage hat sich massiv verschärft

Ein Mähdrescher erntet Getreide auf einem Feld in der Region Odessa im Süden der Ukraine. Die Weizenernte in der Ukraine wird nach Angaben des Mischkonzerns Baywa schwächer als in den Vorjahren ausfallen.
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Ein Mähdrescher erntet Getreide auf einem Feld in der Region Odessa im Süden der Ukraine. Die Weizenernte in der Ukraine wird nach Angaben des Mischkonzerns Baywa schwächer als in den Vorjahren ausfallen.

Satellitendaten einer Tochter des Münchner Agrarkonzerns BayWa zeigen: In diesem Jahr wachsen in der Ukraine Millionen Tonnen weniger Weizen als im Vorjahr. Schuld daran ist aber nicht nur der Krieg.

München – Als würde es nicht reichen, dass Krieg tobt. „Eine solche Trockenheit haben wir seit vier Jahren nicht gehabt“, bedauert Heike Bach. Bach ist Gründerin und Chefin der BayWa-Tochter Vista, das Unternehmen erkundet per Satellit aus dem All unter anderem, wie es um die aktuelle Weizenernte in der Ukraine bestellt ist. 22,5 Millionen Tonnen Brotweizen stehen dort aktuell auf den Feldern. „Es wachsen damit zehn Millionen Tonnen weniger als voriges Jahr“, bilanziert BayWa-Agrarexperte Jörg Migende.

Das sind aber noch nicht alle Hiobsbotschaften. Denn selbst diese schlechte Ernte kann kriegsbedingt nicht komplett eingeholt und das Geerntete nicht in Gänze transportiert werden.

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„Es werden insgesamt 20 Millionen Tonnen Weizen fehlen“, schätzt Klaus Josef Lutz. Er ist Vorstandschef des Münchner Agrarhandelskonzerns BayWa und erklärt mit seinen beiden Experten, warum vor allem Hungernden in afrikanischen Ländern eine Katastrophe droht. Sicher sei, das zehn Millionen Tonnen ukrainischer Weizen in der nächsten Ernte dürrebedingt fehlen. Die zweiten zehn Millionen Tonnen seien eine Schätzung, sagt Lutz.

Weizenfelder in der Ukraine vielfach vermint

Weil ukrainische Weizenfelder vielfach vermint sind, hemme das die Ernte zusätzlich. Zudem würden die Satellitenbilder zeigen, dass der Weizen ausgerechnet im Osten der Ukraine relativ gut wächst. Dort toben aber heftige Kämpfe, damit kann dort kaum geerntet werden.

Drittes Problem ist der Transport. Auf dem Seeweg geht voraussichtlich wenig bis nichts. „Über Land fehlen Lkw-Fahrer und Lokomotivführer“, sagt Lutz. Ohnehin ist der Landweg nur eine Krücke. Die Ladeleistung eines Schiffes entspricht der von 2000 Lastwagen oder 30 Güterzügen, veranschaulicht BayWa. Wenn Weizen per Lkw und Zug an baltische Ostseehäfen oder den rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta gebracht werden muss, um exportiert werden zu können, verteuert das die Fracht zudem spürbar.

Erntekräfte sollen nun zielgenau eingesetzt werden

Die BayWa-Tochter Vista hat ihre auf 100 Quadratmeter genauen Ernteprognosen für Weizen, Gerste und Raps nun kostenlos dem ukrainischen Landwirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt. „Wir haben Hunderttausende von Satellitenbildern ausgewertet und einen digitalen Zwilling von der Landwirtschaft in der Ukraine gebaut“, erklärt Bach. Damit sollen rare Erntekräfte zielgenau dort eingesetzt werden, wo am meisten geerntet werden kann.

Auch Weltbank sowie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO erhalten die Daten, um besser zu verstehen, was auf hungernde Teile der Welt zukommt und um Hilfe schicken zu können. Schwellen- und Entwicklungsländer würden sich schon jetzt ein Wettrennen um Brotweizen liefern, beobachtet Lutz. „Die Landwirte in der Ukraine haben Übermenschliches geleistet“, betont er zugleich. Hätten sie nicht unter Einsatz ihres Lebens Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht, wären die Getreidepflanzen jetzt nicht in einem erntefähigen Zustand.

Angespannte Lage verschärft sich „massiv“

Entspannt war die globale Weizenversorgung schon vor dem Ukrainekrieg nicht. Seit drei Jahren liege der Verbrauch an Getreide weltweit über der Produktion, erklärt Migende. Nur gute Ernten zuvor, die in Silos gelagert sind, hätten den Bedarf befriedigen können. Von der Hand in den Mund habe die Welt beim Weizen zuletzt gelebt. Nun hat sich die angespannte Lage massiv verschärft.

Zum angeblichen Diebstahl ukrainischen Weizens durch Russland hat Lutz Vermutungen, aber keine Beweise: „Es gibt Deals an den Getreidebörsen vorbei und ich glaube, dass Chinesen von Russland den Weizen kaufen, um damit deren Krieg mitzufinanzieren.“ Per Lieferung an Schwellen- und Entwicklungsländer erkaufe sich Russland zudem politisches Wohlverhalten. In der Ukraine wird indes voraussichtlich bis Ende Juli geerntet

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