Vor der Jugendkammer

Richter: Aussage des 9-Jährigen wirft Fragen auf

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Traunstein/Rosenheim - Ein 16-Jähriger muss sich wegen Missbrauchs und dem Besitz von Kinderpornografie verantworten. Das mutmaßliche Opfer soll sich in den Vernehmungen widersprochen haben.

UPDATE 15.45 Uhr:

Am Vormittag hatte der Verteidiger ein Glaubwürdigkeits-Gutachten für die Aussage des neunjährigen Jungen beantragt. Der vorsitzende Richter räumte nun ein, dass es Widersprüche in den Vernehmungen gegeben habe. "Das wirft natürlich Fragen auf." Ein solches Gutachten würde aber mindestens acht Wochen in Anspruch nehmen. Zudem müsste der Junge nochmals vor einem Sachverständigen und möglicherweise auch erneut vor Gericht aussagen.

Die Jugendkammer stellte daraufhin in Aussicht, dass man bei dem Fall des Neunjährigen die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs aus der Anklage herausnehmen könne. Zudem müsse mit dem ermittelnden Polizeibeamten erörtert werden, wie viele kinderpornografische Bilder sich wirklich im Besitz des 16-Jährigen befanden.

Somit ist die Verhandlung für heute unterbrochen und wird nächste Woche mit der Vernehmung des Polizisten fortgesetzt.

UPDATE 12.42 Uhr:

Das zweite mutmaßliche Opfer machte Mittags seine Aussage bei Gericht. Der heute 15-Jährige soll Ende 2012 mehrmals zum Oralverkehr genötigt worden sein. Er könne sich aber an die Einzelheiten nicht mehr erinnern, so der Junge. "Ich kann mich nur dunkel daran erinnern. Da war mal was, aber ich weiß nicht mehr genau, was." Er wisse aber noch, dass die Initiative vom Angeklagten ausging: "Er hat auf mich eingeredet und mir auch Geld geboten." Damit widerspricht auch er den Angaben des Angeklagten, der behauptet, die Initiative sei auch von dem damals Zwölfjährigen ausgegangen. Auch ihm habe der 16-Jährige Aufnahmen von nackten Männern und Jungs beim Geschlechtsverkehr gezeigt.

UPDATE 11.25 Uhr:

Verteidiger Johannes Helber hat nun einen Antrag gestellt, dass für den Neunjährigen ein Glaubwürdigkeits-Gutachten eingeholt werden soll. "Im Hinblick darauf, dass den Angaben des Zeugen, im Bezug auf den sexuellen Missbrauch, kein Glauben zu schenken ist."

Das Gericht hat den Antrag nun aber erst einmal zurückgestellt, um vorher noch das zweite, mutmaßliche Opfer zu vernehmen.

UPDATE 11.05 Uhr:

Die Mutter des neunjährigen, mutmaßlichen Missbrauchsopfers machte am Vormittag ihre Aussage. Demnach sei der Angeklagte "schon immer ein bisschen schwieriger" gewesen. Im August 2014 sei es dann zu einem alarmierenden Erlebnis gekommen: "Mein Sohn ist nach Hause gekommen, mit drei Euro, die er vom Angeklagten bekommen hatte. Er wollte aber nicht sagen, wofür das Geld war."

Die Eltern untersagten ihrem Sohn daraufhin den Umgang mit dem 16-Jährigen. Erst bei der polizeilichen Vernehmung habe er darüber ausgesagt, was Anfang August passiert sei: "Er hat gesagt, dass der 16-Jährige ihn angefasst und Fotos von seinem Intimbereich gemacht habe. Dafür seien die drei Euro gewesen." Sie habe keinen Zweifel daran, dass die Aussage der Wahrheit entspricht: "Er ist während der Vernehmung immer näher an mich herangerückt. Er hatte Tränen in den Augen und ist rot angelaufen."

Bei Gericht gab der Neunjährige allerdings an, dass der Angeklagte nur ein Bild von seinem Intimbereich geschossen habe. Dafür seien die drei Euro gewesen. Angefasst habe er ihn nicht. Damit bestätigte er die Angaben des Angeklagten vom ersten Prozesstag.

Nach mehrmaligem Nachbohren des vorsitzenden Richters korrigierte der Junge dann: "Er hat mich ein bisschen angefasst. Das war unangenehm." Zudem habe der 16-Jährige ihm ein Video von nackten Männern beim Sex gezeigt.

Vorbericht:

Laut Anklage soll der 16-Jährige mehrere hundert kinderpornografische Bilder besessen und teilweise auch weitergegeben haben. Am ersten Prozesstag räumte der Angeklagte zwar ein, solche Fotos gehabt zu haben, allerdings seien es maximal 80 gewesen. Zudem soll der Junge, bei dem bereits in der Kindheit Autismus diagnostiziert wurde, zwei Kinder sexuell missbraucht haben. Einen zwölfjährigen Buben soll er mehrmals zum Oralverkehr genötigt haben. Und auch an einem Neunjährigen soll er sich sexuell vergangen haben. Der Angeklagte sagte dazu aus, dass der Oralverkehr im Einverständnis mit dem Zwölfjährigen geschehen sei: "Er wollte das auch." Den Neunjährigen habe er nie angefasst, sondern Fotos von seinem Intimbereich gemacht.

An diesem Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt. Die beiden mutmaßlichen Opfer werden dabei am Vormittag vernommen. Zudem wird das psychiatrische Gutachten des Angeklagten präsentiert. Auch ein Urteil könnte bereits am Mittwoch fallen.

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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