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Attacke und Dampf ablassen

Woher kommen Aggressionen im Straßenverkehr?

Aggression auf der Straße
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Ohne Worte aber mit viel Wut zur Hand: Aggressionen sind im Straßenverkehr alltäglich - gibt's ein Gegenmittel?

Die Straße wird zuweilen zur Wildnis. Schreien, Grimassen und auch Handgreiflichkeiten sind nicht unbekannt. Woher diese Aggression kommt und wie man sie bewältigt, sagt ein Verkehrspsychologe.

Dresden - Na, wie gut sind Sie heute Morgen mit dem Rad oder dem Auto zur Arbeit gekommen? Alles Wahnsinnige? Nicht selten sieht man Radler, die an der nächsten Ampel aufs Autodach trommeln oder Zeitgenossen, die ihre Wut über die anderen nicht immer druckreif durchs runtergekurbelte Seitenfenster brüllen. Manchmal bleibt es nicht bei rein verbalen Attacken.

Professor Bernhard Schlag ist Verkehrspsychologe. Er weiß, woher diese Aggression kommt und wie Betroffene sie in den Griff bekommen können.

Woher kommt die Aggression im Straßenverkehr und lässt zuweilen friedliebende Menschen völlig aus der Haut fahren?

Die Aggression kommt wesentlich daher, dass ich in einem Lebensbereich, in dem ich auf meine Vorteile tunlichst achte, mich benachteiligt fühle. Das kitzelt. Dann kommt hinzu, dass man im Straßenverkehr, vor allem beim Autofahren, eine weitgehende Anonymität hat. Also dass aggressives Verhalten auch noch konsequenzlos erscheint. Deshalb ist der Straßenverkehr, wenn man Leute danach fragt, wo sie möglicherweise mal aggressiv geworden sind, immer die Nummer eins.

Prof. Bernhard Schlag war 29 Jahre lang Professor und Seniorprofessor für Verkehrspsychologie an der TU Dresden und ist jetzt Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten (unter anderem der Deutschen Verkehrswacht) sowie Mitherausgeber mehrerer verkehrswissenschaftlicher Fachzeitschriften.

Prof. Bernhard Schlag war 29 Jahre lang Professor und Seniorprofessor für Verkehrspsychologie an der TU Dresden und ist jetzt Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten (unter anderem der Deutschen Verkehrswacht) sowie Mitherausgeber mehrerer verkehrswissenschaftlicher Fachzeitschriften.

Man muss zwei unterschiedliche Arten der Aggressivität unterscheiden. Die kommen auch sehr unterschiedlich häufig vor. Bei der instrumentellen Aggression will ich mir Vorteile verschaffen, meine eigenen Interessen durchsetzen - auch wenn das auf Kosten anderer geht.

Bei der feindseligen Aggression ist das Ziel des Handelns, den anderen zu schädigen. Glücklicherweise ist letztere selten im Straßenverkehr. Aber die erste Art ist besonders häufig. Man fühlt sich benachteiligt, fühlt sich zu kurz gekommen oder meint, man müsste besonders schnell sein und die anderen stehen einem im Weg.

Da spielt natürlich eine Rolle, dass im Straßenverkehr der verfügbare Raum sehr begrenzt ist. Und darum gibt es einen Kampf. Der epische Kampf zwischen Auto- und Fahrradfahrern ist da schon Legende. Die Ressource Straße ist einfach knapp und wird von vielen gleichzeitig beansprucht. Und diese Ressourcenkonflikte sind häufig Anlass für Aggression im Straßenverkehr.

Was hilft um die Aggressionen akut wieder in Griff zu bekommen?

Der menschliche Körper reagiert ja quasi autonom darauf. Er verkrampft in dem Moment. Und alles, was dagegen gut ist, ist hilfreich, um die Verkrampfung wieder zu lösen. Ganz akut kann Dampf ablassen helfen: einfach tief durchpusten oder laut losschreien - vor sich selbst. Das sich Anschreien vor einer Ampel, wo man dann nebeneinander steht, hilft nicht.

Das kann zwar auch ein bisschen Druck abbauen bei einem selbst. Aber beim anderen baut er sich möglicherweise gleichzeitig auf. Das kann sich dann sehr schnell hochschaukeln und bis hin zu Handgreiflichkeiten oder körperlichen Attacken führen.

Wie kommen Aggressionen am besten gar nicht auf?

Sie können natürlich vorbeugend etwas tun. Sich etwa mit moderater Musik in eine Stimmung zu bringen, in der es nicht darauf ankommt, der Schnellste zu sein oder sich gegen andere durchzusetzen. Und egal ob mit dem Auto oder mit dem Fahrrad: Die Fahrt zeitlich gut planen, rechtzeitig abfahren, Druck rausnehmen, keine Eile.

Man muss vermeintliche Vorteile schnellen Fahrens realistischer sehen - gleichmäßiges Fahren muss das Ziel sein und nicht der Vorteil, den man durch schnelleres Fahren, als es der Verkehr hergibt, gewinnen will. Und sich auch nicht darüber aufregen, dass andere das versuchen und man sich selber nach hinten versetzt fühlt.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass man den Ärger aus anderen Lebensbereichen nicht auch noch im Verkehr auslebt. Sich in den anderen hineinzuversetzen, ihn als Partner und nicht als Konkurrenten wahrzunehmen, ist auch ein Ratschlag. dpa

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