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Autonomes Fahren

Wie die Roboterauto-Revolution bald beginnen könnte

Selbstfahrender Sattelschlepper
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Die Firma TuSimple zeigt einen selbstfahrenden Sattelschlepper auf der Technik-Messe CES in Las Vegas. In der Corona-Pandemie stieg das Interesse am autonomen Güterverkehr.

Nach vielen vollmundigen Versprechen schlägt selbstfahrenden Autos bisher viel Skepsis entgegen. Doch ihre Entwickler sehen sich vor dem Sprung in den Straßenverkehr. Zwar wieder erst in mehreren Jahren - diesmal aber wirklich.

Las Vegas - „Von selbstfahrenden Autos sind wir immer fünf Jahre entfernt“, lautet ein bissiger Spruch, der in der Branche die Runde macht. Der Grund: Fünf Jahre sind der Zeitraum, der gern als Antwort auf die Frage genannt wurde, wann denn nun Roboterwagen im alltäglichen Straßenverkehr auftauchen werden.

Eine Fünfjahres-Frist nach der anderen verstrich - und doch sind Robotaxis heute trotz aller Tech-Demonstrationen auf wenige Testprojekte beschränkt.

Das werde sich aber ändern, versprachen gleich mehrere Unternehmen auf der Technik-Messe CES in Las Vegas - und ja, auch wieder in einigen Jahren. Doch diesmal könnte es tatsächlich soweit sein. Denn die Technik, die autonomes Fahren möglich machen könnte, steht vor dem Einzug in Wagen verschiedener Hersteller.

Mitte des Jahreszehnts erste Serienfahrzeuge

So zeigten auf der CES die zu Intel gehörende Firma Mobileye und der Chip-Spezialist Nvidia ihre neuen Computersysteme, die Daten von Kameras und anderen Sensoren verarbeiten und die Fahrzeuge steuern sollen. Nvidia Drive Hyperion und Mobileyes EyeQ sollen Mitte des Jahreszehnts in ersten Serienfahrzeugen verfügbar sein. „Ich sehe nichts, was uns aufhalten kann, weder regulatorisch, noch technisch, noch was die Kundenakzeptanz angeht“, sagte Mobileye-Manager Johann Jungwirth. Die Zeit selbstfahrender Autos breche nun tatsächlich an.

Nvidias Autochef Danny Shapiro sieht auch einen Trend, dank dem die autonomen Funktionen schneller nicht nur in teuren Wagen verfügbar sein könnten. Erste Autohersteller gingen dazu über, die Fahrcomputer in ihre komplette Modellpalette zu verbauen. Mit dem Zugang dazu können sie zusätzlich Geld verdienen: „Auch bei einem Einstiegsmodell kann der Besitzer mit der Zeit neue Funktionen aktivieren, und das verändert das Geschäft des Herstellers.“

Die für autonomes Fahren notwendige Hardware wird auch stetig günstiger. Das gilt insbesondere für Laser-Radare (Lidar), die die Umgebung der Fahrzeuge abtasten. Bis auf Tesla-Chef Elon Musk, der allein mit Kameras und künstlicher Intelligenz auskommen will, halten fast alle anderen Branchenplayer sie zumindest heute noch für unverzichtbar. Einst konnten Lidar-Systeme 70.000 Dollar und mehr kosten, jetzt senkten einige Anbieter den Preis auf wenige tausend.

Viele Fragen noch offen

Auch wenn die Technik zum autonomen Fahren zumindest in einigen Situation in den Startlöchern steht, bleiben viele Fragen offen. Werden wir sie zuerst in Robotaxis, privaten Fahrzeugen oder Lastwagen erleben? Wie schnell und auf welchen Straßen wird sie sich im Alltag ausbreiten?

„Ich glaube schon, dass es einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren erfordert, bis wir einen signifikanten Anteil - etwa fünf Prozent - von wirklich hochautomatisierten oder autonomen Fahrzeugen sehen werden“, sagte Mobilitätsexperte Jürgen Reers von der Beratungsfirma Accenture. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was technisch möglich ist - und was in der Realität der Städte, wie wir sie heute vorfinden, umsetzbar ist.“ Künstliche Intelligenz stoße da an ihre Grenzen. Man müsse nicht nur Fahrzeuge, sondern auch die Infrastruktur aufrüsten - und auch eigene Fahrspuren für unterschiedliche Mobilitätsangebote schaffen.

In den vergangenen Jahren wurde oft vorhergesagt, dass das autonome Fahrzeug der Zukunft höchstwahrscheinlich ein Robotaxi sein werde, das man nicht besitzt, sondern nur bei Bedarf nutzt. Solche Dienste versuchen bereits unter anderem die Google-Schwesterfirma Waymo und die General-Motors-Tochter Cruise aufzubauen. GM-Chefin Marry Barra kündigte bei ihrem Online-Auftritt auf der CES nun aber an, dass der US-Konzern zur Mitte des Jahrzehnts auch ein selbstfahrendes Auto für Verbraucher auf den Markt bringen wolle.

In der Branche gelten vor allem die Kosten dafür als Herausforderung. Mobileye-Chef Amnon Shashua sieht die kritische Marke, auf die der Preis von Technik zum autonomen Fahren pro Fahrzeug für den Verbrauchermarkt gedrückt werden muss, bei unter 5000 Dollar. Man arbeite daran, sagte Shashua knapp bei einem CES-Onlineauftritt.

Aber Robotaxis und selbstfahrende Shuttles für bis zu 20 Passagiere gelten nach wie vor als effizientester Weg, die Technik einzusetzen. Denn sie fahren viel, um die hohen Hardware-Kosten einzuspielen. Die Beratungsfirma McKinsey geht davon aus, dass im kommenden Jahrzehnt die Fahrt mit einem Roboshuttle pro Kilometer bis zu 40 Prozent günstiger sein werde als mit einem Privatauto. Robotaxis würden dann 20 Prozent teurer sein als ein Privatwagen.

Kein Privat-Pkw mehr nötig

„Es ist ab Mitte der 2030er davon auszugehen, dass es zumindest in Städten ab 300.000 Einwohnern eigentlich keinen Grund mehr gibt, mit dem Privat-Pkw in die Stadt zu fahren“, sagte McKinsey-Experte Kersten Heineke. Die Entwicklung könne auch schneller gehen - wenn die Städte etwa mit höheren Parkkosten oder einer City-Maut eingreifen sollten, um private Fahrzeuge aus Städten herauszudrängen.

Nvidia-Manager Shapiro sieht - auch als eine Folge des Booms im Online-Handel durch die Corona-Pandemie - ein wachsendes Interesse am autonomen Güterverkehr. „Während es bei Robotaxis weiterhin Fortschritte gibt, denke ich, dass unter den ersten autonomen Angeboten viele Nutzfahrzeuge und Lastwagen sein werden.“ Bei selbstfahrenden Sattelschleppern wetteifern aktuell Firmen wie Waymo, Aurora, TuSimple und Embark um den Platz auf der Straße. dpa

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