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Hybrid oder MILD Hybrid - was ist besser? Volvo XC60 im Test

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Gleich mit zwei unterschiedlichen Hybrid-Antrieben gibt es den neuen Volvo XC60.
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Hybrid ist nicht gleich Hybrid. Im XC 60 bietet Volvo gleich zwei Varianten an. Den T8 mit der Kraft eines Benziners und einer E-Maschine und den B5 mit der Power eines Diesels und einer MILD-Hybridisierung. Wir erklären den Unterschied und haben beide Modelle getestet.

Alter Schwede! Volvo war immer schon ein Autobauer, der seiner Zeit voraus sein wollte. Mit dem Sicherheitsgurt zum Beispiel. Vor genau 60 Jahren, am 13. August 1959, wurde das erste Serienfahrzeug weltweit mit einem Drei-Punkt-Sicherheitsgurt ausgeliefert. Wer es genau wissen will: Es war ein Volvo PV 544, auch genannt Buckel-Volvo.

Volvo XC60: Große Ankündigung, kleiner Rückzug

Auch in der Neuzeit sorgen die Schweden für Innovationen und Schlagzeilen. Kein Diesel mehr - Volvo waren die ersten, die gesagt haben, sie wollen keine neuen Selbstzünder mehr entwickeln. Aber natürlich gibt es sie noch, man kann sie nach wie vor kaufen

und die Aussage wurde auch ein wenig korrigiert

. Man wolle keinen komplett neuen Diesel mehr entwickeln, aber den bereits bestehenden Motor will man dann doch noch immer wieder verbessern. Große Ankündigung, kleiner Rückzug.

Ernst gemacht haben die Autobauer aus dem hohen Norden hingegen bei der Hybridisierung. Zwei Motoren, der eine elektrisch, der andere ein Verbrenner. Die Kraft der Doppelherzen. So soll die Zukunft von Volvo aussehen. Wurde ebenfalls vollmundig verkündet - und auch umgesetzt.

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Volvo XC60: Zwei Herzen zur Auswahl

Gleich zwei auch noch recht unterschiedliche Hybrid-Antriebe bietet Volvo im aktuellen XC 60 an. Den T8 und den B5. Ersterer zählt zur Gattung der Plug-In-Hybride. Hier wird ein Verbrenner, in diesem Fall ein Benziner, mit einem Elektromotor gekoppelt. Die Batterie für den E-Antrieb kann aufgeladen werden. Das Englische "plug in" heißt ja nichts anderes als einstecken. Das Ladekabel. Mit aufgeladener Batterie kann so ein Plug-In-Hybrid rein elektrisch bewegt werden. In diesem Fall bis zu 35 Kilometer.

Die zweite Generation des Volvo XC60 wurde optisch stark modernisiert.

Der B5 ist ein Vertreter der MILD-Hybride. Hier werkelt ein herkömmlicher Diesel, aber es gibt auch einen kleinen elektrischen (Hilfs-)Motor, der auch aufgeladen wird. Aber nur durch Energierückgewinnung beim Bremsen. Rekuperieren nennt man das. Die E-Maschine fungiert dann quasi wie ein Turbo. Beim Anfahren zum Beispiel oder beim Fahren unter Vollast. Rein elektrisch und über große Strecken kann man einen MILD-Hybrid nicht betreiben.

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Volvo XC60: Ein Brot- und Butter Auto

Bevor wir zu den Fahrleistungen der beiden so ähnlichen und dann doch recht unterschiedlichen Motorenkonzepte und ihrem Verbrauch kommen, noch ein Wort zum getesteten XC60. Der ist für Volvo so etwas wie ein Brot- und Butter-Auto. Smörrebröd heißt das im hohen Norden. Und verkauft hat sich der XC60 in der ersten Generation wie Smörrebröd: Rund eine Million Käufer wollten ihn haben. In Deutschland war und ist der XC60 das beliebteste Volvo-Modell.

Video: Der neue Volvo XC60

Die zweite Generation des Bestsellers wurde optisch stark modernisiert. Skandinavier können das. Nicht nur bei den Möbeln. Und Skandinavier mögen ihre nordischen Mythen. Stichwort Thors Hammer. Der versteckt sich bei Volvo nicht unter der Motorhaube, sondern so heißt das t-förmige Tagfahrlicht, das eben an das Werkzeug erinnert, das der Donnergott auch im Comic-Imperium von Marvel schwingt.

Volvo XC60: Man fühlt sich sofort Zuhause

Dass der XC60 so beliebt ist, kann man schon nach wenigen Minuten Testfahrt nachvollziehen. Denn erstens fühlt man sich im Innenraum sofort zu Hause. Nüchtern, funktionell, aufgeräumt. Aber trotzdem elegant mit viel Leder, schwarzem Klavierlack und dezent eingesetztem Chrom. Zweitens hat der XC60 richtig Platz. Gefühlt sitzt man eine Klasse höher. Tatsächlich nur in einem Mittelklasse-SUV. Raum genug gibt es auch im Kofferraum: 500 Liter bis zu 1.432 Liter bei umgeklappter Rückbank. Da passt sogar ein Elch rein. Aber nur ein kleiner.

Einmal an das große Display im Volvo XC60 gewöhnt, will man kein anderes mehr.

Das mittig platziert Display ist wie in allen neue Volvos recht groß. Wenn man das durchschnittliche Größenwachstum des iPhones in der Vergangenheit zugrunde legt, dann dürfte der Monitor so groß sein wie das künftige iPhone 15 S. Übersichtlich und logisch ist auch die Menüführung. Einmal daran gewöhnt - man will nichts mehr anderes.

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Volvo XC60: Sicherheit geht vor

Und auch bei der Sicherheit wollen die Schweden Maßstäbe setzen. Ab dem Jahr 2020 soll niemand mehr in einem neuen Volvo bei einem Unfall getötet oder schwer verletzt werden. Das hat man sich auf die Fahnen geschrieben. Erreichen kann an das zum einen durch Kollisionsvermeidung, zum anderen durch Assistenzsysteme, die gefährliche Situationen entschärfen.

Der XC60 verfügt zum Beispiel über ein Notbremssystem, das zwischen Autos, Motorrädern, Fußgängern, Radlern und sogar Wildtieren unterscheiden kann. Reicht bremsen nicht mehr aus, bekommt der Fahrer Lenkunterstützung. Das heißt, der Computer hilft beim Ausweichen und beim anschließenden Stabilisieren des Fahrzeugs. Die Sicherheitstechnik des XC60 beobachtet auch den Gegenverkehr. Bei einer drohenden Kollision, wenn zum Beispiel ein anderes Auto zu weit über den Mittelstreifen kommt, greift der digitale Schutzengel ein.

Volvo XC60 entwickelt ordentlich Power

Soweit so gleich. Das alles trifft auf jeden XC60 zu. Bis auf die Motorisierung. Hier fängt nämlich der kleine, aber feine Unterschied an. Das bereits oben beschriebene Kontrastprogramm heißt T8 und B5. T steht für Twin Engine. Die beiden Maschinen entwickeln in dem in der Basisversion ab 74.700 Euro erhältlichen Schwedenpfeil eine Monsterpower. 303 davon liefert der Vierzylinder-Benziner der mit Monoturbolader und Kompressor ausgestattet ist.

Der Innenraum des Volvo XC60 vermittelt ein Gefühl von Heimat.

Und für sich alleine genommen zumindest Thors Hämmerchen wäre. 400 Nm Drehmoment stehen hier zur Verfügung. Der Elektromotor ist an der Hinterachse montiert und steuert noch einmal 87 Pferdestärken oder ein Drehmoment von 240 Nm bei. Allrad, Achtgang-Automatik - damit fetzt der T8 in sagenhaften 5,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 230 Stundenkilometer. Noch. Denn auch hier will Volvo sicherheitsbedingt auf Tempo 180 gehen in all seinen Modellen. Zumindest publikumsträchtig angekündigt wurde das ja schon.

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Volvo XC60: Ohne Elektro-Unterstützung wird der SUV zum Säufer

2,2 Tonnen wiegt der XC60 mit der T8-Motorisierung und soll trotzdem nur um die zwei Liter Benzin verbrauchen, dazu noch 16,4 Kilowattstunden Strom. Bei unseren Testfahrten in und um München können wir das so leider nicht bestätigen. Im aufgeladenen Zustand, bei moderaten Temperaturen und so gut wie keiner Steigung auf der Strecke mag man durchaus in die Nähe dieser Werte kommen. Sobald der Akku jedoch leer ist und man herkömmlich unterwegs ist, säuft der Hybrid-SUV.

Auch, wenn er Bremsenergie zurückgewinnt, bringt man das Fahrzeug kaum unter acht Liter. Ist ja auch logisch, weil er viel Gewicht, auch durch die Zusatztechnik, mit sich herumschleppt. Das heißt: Wer nicht immer voll aufladen kann und viele Kilometer herunterspult: Eher Hände weg vom T8, auch wenn er mit 69 g/km Co2 ein echter Saubermann ist. Vor allem, wenn man die üppigen Leistungsdaten zugrunde legt.

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Volvo XC60: Für Vielfahrer lohnt sich der Griff zum B5

Für Vielfahrer empfiehlt sich da eher der B5 mit der MILD-Hybridisierung. Womit wir auch schon wieder beim Diesel wären. Auch bei Volvo. Der Biturbo-Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum bringt 235 PS und ein Drehmoment von 480 Nm. Womit er gefühlt besser anschiebt als der T8. Und dann kommt ja noch die kleine E-Maschine dazu, der Startergenerator, der als elektronische Turbolader für noch mehr Biss sorgt.

T8- oder B5-Motor? Die Qual der Wahl im Volvo XC60.

7,1 Sekunden braucht der XC60 B5 mit seinem Allradantrieb von 0 auf Tempo 100. Ordentlich und völlig ausreichend. Der Verbrauch liegt laut WLTP-Verfahren bei 6,2 Litern. Das können wir so bestätigen. Wir dachten schon, die Tanknadel ist kaputt. Aber der XC60 hielt sich wirklich vornehm zurück. 6,2 Liter Verbrauch. Da war doch was? Schafft das nicht ein Diesel auch allein?

Unser Fazit zum Volvo XC60

Wer etwas für sein Umweltgewissen tun will, sollte unbedingt auf ein Hybridfahrzeug umsteigen. Modern ist es jedenfalls und beim Schadstoffausstoß sind sie den Verbrennern deutlich überlegen. Was auf den Verbrauch nicht unbedingt zutrifft. Wer viel unterwegs ist, sollte auf den XC 60 als MILD-Hybrid zurückgreifen. Der spart wirklich Sprit und ist im Vergleich zum T8 mit 55.560 Euro auch um fast 20.000 Euro billiger.

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Rudolf Bögel

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