Vier Havarien in vier Wochen

Experte: Windkraftanlagen sind trotz Vorfällen sicher

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In Sachsen knickte ein 95 Meter hohes Windrad im Windpark Sitten bei Leisnig wie ein Strohhalm ein. Foto: Peter Endig

Abgebrochene Rotorblätter, umgestürzte Windräder. Nach vier Havarien in vier Wochen wird die Frage laut, wie sicher solche Anlagen sind. Jetzt werden die Bauteile genau unter die Lupe genommen.

Berlin/Dresden (dpa) - Der Bundesverband Windenergie (BWE) hält die Windkraftanlagen in Deutschland auch nach mehreren Fällen von umgestürzten Windrädern für sicher. Es handele sich um Einzelfälle, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Es gebe rund 26 500 Anlagen bundesweit - und im Schnitt sechs bis sieben Zwischenfälle pro Jahr, in denen es nach einem Blitzeinschlag brenne oder ein Rotorblatt abbreche. Dass es binnen vier Wochen vier betroffene Anlagen gebe, sei durchaus ungewöhnlich, so der Verband.

Erst Anfang der Woche war ein knapp 100 Meter hohes Windrad bei Hamburg umgestürzt, zudem brach der 40 Meter lange Flügel eines Windkraftrads in Zichow in der Uckermark ab. Weitere Fälle machten vor dem Jahreswechsel Schlagzeilen: In Sachsen knickte ein 95 Meter hohes Windrad im Windpark Sitten bei Leisnig wie ein Strohhalm ein, in Süderholz (Mecklenburg-Vorpommern) fiel Mitte Dezember ein 70 Meter hoher Windradturm um.

Gutachter prüften nun jeden Einzelfall genau, sagte der BWE-Sprecher. Zumindest bei den beiden Fällen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern stehe bereits fest, dass es keine Wartungslücken gab. "Jetzt ist die Frage umso wichtiger, an welchem Bauteil es gelegen hat und ob man dieses bei künftigen Wartungen genauer unter die Lupe nehmen muss." Nach bisherigen Erkenntnissen hatte etwa in Sachsen ein defektes Rotorblatt eine Kettenreaktion ausgelöst.

Sämtliche Windkraftanlagen werden laut BWE, der die Betreiber von Windrädern vertritt, nach den Richtlinien des Deutschen Instituts für Bautechnik regelmäßig überprüft. Alle zwei bis vier Jahre die Standsicherheit, die elektrischen Anlagen alle sechs Monate. "Daran halten sich die Betreiber auch, weil jeder möglichst ohne Ausfall produzieren will", so der Sprecher.

In der Regel sind die Windenergieanlagen dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge für einen Betrieb von 20 Jahren ausgelegt. Verschleißteile werden bei Bedarf ausgetauscht. Dass gleich der ganze Turm umknickt wie in jüngster Zeit, komme sehr selten vor, sagte Johannes Schiel, VDMA-Referent für Windenergie. "Das ist eine besondere Situation."

Zwei der Anlagen seien 16 und 18 Jahre alt gewesen - ein fortgeschrittenes Alter. Zwar werden Fundament und Turm so stabil gebaut, dass sie auch länger halten, erklärte Schiel. Man müsse nun genau beobachten, ob Anlagen dieser Generation häufiger Probleme bekommen - und Betreiber sicherstellen, dass die Windräder fest und sicher in der Landschaft stehen.

Sollten es in den aktuellen Fällen an den Rotorblättern liegen, sieht Schiel auch die Hersteller in der Pflicht. "Dann sind diese gefordert zu prüfen, ob die installierten Blätter dieser Generation irgendwie schadhaft waren." Die rund 26 500 Anlagen in Deutschland zusammen erbringen laut Verband eine Leistung von knapp 42 000 Megawatt an Land und etwa 4000 Megawatt auf See.

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