Richard W. Sonnenfeldt:

Dolmetscher der Nürnberger Prozesse ist tot

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Einer der letzten Zeugen der Nürnberger Prozesse ist gestorben.

Nürnberg - Richard W. Sonnenfeldt, einer der letzten Zeitzeugen des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses, ist tot. Der damalige Chefdolmetscher der amerikanischen Ankläger starb am im Alter von 86 Jahren.

Sonnenfeldt starb am vergangenen Freitag in Port Washington bei New York. Sein jüngerer Bruder Helmut Sonnenfeldt war von US-Präsident Richard Nixon 1969 in den nationalen Sicherheitsrat berufen worden und galt als einer der engsten Mitarbeiter von Außenminister Henry Kissinger.

So begann der zweite Weltkrieg

So begann der Zweite Weltkrieg

Als erst 22-jähriger Chefübersetzer der US-Anklage wirkte Richard Sonnenfeldt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Nürnberg bei zahlreichen Verhören der 21 angeklagten NS-Hauptverbrecher wie Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop und Julius Streicher mit. Sie seien alle nur feige gewesen, "kleinbürgerliche Kriecher", erinnerte sich Sonnenfeldt später.

“Sie waren doch nur ganz, ganz ordinäre Leute“

"Ich war viel zu überrascht: da saßen diejenigen, die die ganze Welt in einen schrecklichen Krieg gestürzt hatten - und waren doch nur ganz, ganz ordinäre Leute." Der Kommandant des KZ-Vernichtungslagers Auschwitz, Rudolf Höß, habe in den Amerikanern seine "neuen Vorgesetzten" gesehen, "also hat er uns alles bereitwillig erzählt, jedes Detail - und er hat über seine Arbeit geredet, als wäre er der Leiter einer großen Maschinenfabrik gewesen", erinnerte sich Sonnenfeldt.

„Ich war mir sicher, dass sie verurteilt würden.“

Über seine Nürnberger Zeit schrieb er: "Ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht, dass ich Jude war. Ich habe Deutschland mit 15 Jahren verlassen, hatte das große Glück, dass von meiner Familie niemand im Holocaust umgekommen ist. Also hatte ich keinen persönlichen Grund zu hassen. Mir genügte es, Mitglied der Anklagebehörde zu sein, und ich war mir sicher, dass sie verurteilt würden. Und die Urteile beruhten ja auf meiner Arbeit."

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