Was steht den Angehörigen der Todesopfer von Flug 4U 9525 zu?

Wieso nicht allen Hinterbliebenen dasselbe zusteht

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Seyne-les-Alpes - Der Copilot von Flug 4U 9525 soll nicht nur 149 Menschen in den Tod gerissen haben - er nahm auch unzähligen Hinterbliebenen geliebte Menschen. Was steht ihnen nun zu?

Den Angehörigen der Opfer des Todesfluges 4U 9525 steht Schadenersatz zu, soviel ist klar. Wenngleich es außer Frage steht, dass finanzielle Mittel den Verlust der Trauernden nicht im Entferntesten lindern können - so können sie den Hinterbliebenen vielleicht ein Stückchen Sicherheit geben.

Doch wer bestimmt, wie viel den Angehörigen zusteht? Haftungsfragen wie diese regelt das Montrealer Übereinkommen, das seit 1999 gilt. Es protokolliert unter anderem, dass die Haftung auf 140.605 Euro begrenzt ist - im Falle eines technischen Defekts am Flugzeug.

Liegt aber eine "unrechtmäßige Handlung" der Fluggesellschaft oder eines der Mitarbeiter vor, greift diese Regel nicht und den Schadenersatz-Ansprüchen sind keine Grenzen gesetzt.

Da der Co-Pilot Germanwings-Fluges 4U 9525 die Maschine nach aktuellem Ermittlungsstand absichtlich in das französische Bergmassiv Trois Evêches flog, hat der Anspruch auf Schadenersatz in diesem Fall keine Obergrenze von 140.605 Euro - die Hinterbliebenen der Todesopfer hätten somit einen Anspruch darauf, dass Germanwings mehr als diese Obergrenze bezahlt.

Wieso steht nicht allen Hinterbliebenen dieselbe Summe zu?

Jeder Angehörige hat einen unterschiedlich hohen Anspruch auf Schadenersatz - im Vordergrund steht meistens der Unterhalt, den das Todesopfer zu leisten hatte. "Es entscheidet immer, was für einen Schaden man hat", erklärt Dieter Thiele, Rechtsanwalt für Reiserecht. Saß der Alleinverdiener einer Familie in der Unglücksmaschine, werden seine Hinterbliebenen Anspruch auf eine höhere Summe Schadenersatz haben als die Hinterbliebenen der 16 Schüler aus Haltern, so der Rosenheimer Anwalt.

Neben dem Anspruch auf Schadenersatz steht auch noch der Schmerzensgeld-Anspruch im Raum. Thiele stuft diesen im Fall des Todesfluges als sehr hoch ein. "Natürlich hängt aber auch das vom jeweiligen Einzelfall ab", so der Anwalt.

Bislang stehen in Bezug auf den verunglückten Germanwings-Airbus laut Thiele nur Indizien im Raum und "es muss genau aufgeklärt werden, wie das Unglück abgelaufen ist."

Doch egal wer am Ende für die Katastrophe verantwortlich sein wird und wie hoch die Summen sein werden, die Germanwings auszahlen wird: Die Schmerzen, die die zurückgebliebenen Familien, Ehepartner, Eltern oder Kinder jeden Tag aufs Neue ertragen müssen, können niemals alleine durch Zahlungen gemildert werden.

bp

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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