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Co-Pilot hat sich vor Absturz über Suizid informiert

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Copilot Andreas L. hat sich vor dem Absturz über Suizid informiert.

Düsseldorf - Der Co-Pilot Andreas L. hat sich vor dem Absturz der Germanwings-Maschine im Internet über Möglichkeiten von Suizid informiert. Außerdem recherchierte er über Cockpittüren.

Neue Erkenntnisse zum Germanwings-Absturz: Der Co-Pilot hat sich nach Angaben der Ermittler vor dem Katastrophenflug im Internet über Suizid und die Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren informiert. Letzte Gewissheit, was am Dienstag vor einer Woche in dem Germanwings-Airbus mit 150 Menschen an Bord geschah, soll die Auswertung des zweiten Flugschreibers bringen. Bergungskräfte fanden ihn am Unglücksort in Frankreich, teilten die französischen Behörden am Donnerstag mit.

Der Co-Pilot informierte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Internet über Arten einer Selbsttötung und über die Sicherheit im Cockpit. Bis zum Tag vor der Katastrophe am 24. März habe er in Suchmaschinen solche Begriffe eingegeben, teilten die Ermittler mit. Die Fahnder hätten in der Düsseldorfer Wohnung des 27-Jährigen einen Tabletcomputer gefunden und die Daten darauf ausgewertet. Die Suchanfragen seien im Browserverlauf nachvollziehbar.

Browserverlauf von Andreas L. nicht gelöscht

Der Browserverlauf sei nicht gelöscht worden, insbesondere für die Zeit vom 16. bis 23. März - also die Woche vor dem Absturz - konnten daher die mit dem Gerät gesuchten Suchbegriffe nachvollzogen werden. Der zum Absturzzeitpunkt krankgeschriebene L. recherchierte laut Staatsanwaltschaft vor zum einen nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten.

Zum anderen habe er sich über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert. An "mindestens einem Tag" habe er sich außerdem über mehrere Minuten mit Suchbegriffen über Cockpittüren und deren Sicherheitsvorkehrungen auseinandergesetzt. Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa geht nach früheren Angaben davon aus, dass L. den Flugkapitän absichtlich daran hinderte, mit Hilfe eines Codes die verschlossene Cockpittür von außen zu öffnen.

Den Sprachrekorder der Maschine hatten Bergungskräfte noch am Unglückstag gefunden. Aus dessen Aufzeichnungen schloss die französische Staatsanwaltschaft, dass Andreas L. seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert haben soll. Der Airbus A320 zerschellte mit einer Geschwindigkeit von etwa 700 Kilometern pro Stunde an einem Bergmassiv in den französischen Alpen. Alle 150 Insassen waren sofort tot.

Nach dem Sprachrekorder fanden Einsatzkräfte nun auch den zweiten Teil der sogenannten Blackbox - den sogenannten Flugdatenschreiber, wie der zuständige Staatsanwaltschaft Brice Robin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Marseille bestätigte.

Zweite Blackbox seit Dienstag gesucht

Die zweite Blackbox mit den Flugdaten war seit dem Absturz am Dienstag vergangener Woche intensiv in den französischen Alpen gesucht worden. Sie soll weiter Aufschluss geben über die Abläufe im Airbus A320 vor dem Absturz. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben, ob die Daten der zweiten Blackbox ausgewertet werden können.

Der Flugdatenschreiber zeichnet relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Gespeicherte GPS-Daten geben zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer wie im Fall der Germanwings-Maschine weit verstreut sind. Der Flugdatenschreiber kann 25 Stunden lang aufzeichnen, auch Informationen vorheriger Flüge.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Co-Pilot schon vor Jahren suizidgefährdet gewesen. Die Flugtauglichkeit war ihm jedoch bescheinigt worden.

dpa

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