Dutzende Tote nach Erdrutschen

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Frauen trauern in Brasilien um die Opfer des Erdrutsches am Neujahrstag.

Rio de Janeiro - Die Tragödie im brasilianischen Urlaubsparadies Angra dos Reis (“Bucht der Könige“) überraschte die meisten Neujahrstouristen im Schlaf.

Mindestens 26 Menschen starben, als in den frühen Morgenstunden des Neujahrstages ein gewaltiger Erdrutsch mehrere Ferienhäuser eines Luxus-Resorts auf der idyllischen Insel Ilha Grande unter sich begrub. Die Erde war nach tagelangen Regenfällen völlig aufgeweicht. Auf dem gegenüberliegenden Festland des rund 150 Kilometer südlich von Rio de Janeiro gelegenen Ortes Angra dos Reis starben weitere 13 Menschen in ihren Häusern, als eine Schlammlawine einen Hang hinabrutschte. Damit sind im Bundesstaat Rio de Janeiro seit Mittwoch mehr als 60 Menschen durch Erdrutsche ums Leben gekommen. Das Resort Pousada Sankay liegt an dem Strand Bananal auf der Ilha Grande am Fuße eines Hügels direkt am meist azurblauen Atlantikstrand.

Viele Touristen vor allem aus São Paulo und Rio hatten sich in dort mit Freunden und Familie eingebucht, um die Feiertage am Strand bei sommerlichen Temperaturen zu verbringen. Das neue Jahr war erst wenige Stunden alt, als gegen 3.30 Uhr Ortszeit ein Waldhang über dem Luxushotel abrutschte. Die Schlammlawine hinterließ einen Spur der Verwüstung und riss Palmen und Ferienhäuser mit. In einem der Häuser war eine Gruppe von 14 Brasilianern aus São Paulo untergebracht, von denen nach Angaben von Einheimischen nur zwei das Unglück überlebten. Im Haupthaus des Resorts logierten etwa 65 Gäste - drei von ihnen wurden unter den Erdmassen begraben, darunter nach Medienberichten auch die 18-jährige Tochter des Hotelbesitzers. Ob auch ausländische Touristen unter den Todesopfern waren, blieb zunächst noch unklar. Auf dem Festland der etwa 165 000 Einwohner zählenden Küstenstadt Angra dos Reis rutschte ebenfalls ein durch die Regenfälle aufgeweichter Erdhang ab. Zivilschutz und Feuerwehr waren auch am Samstag mit Suchhunden im Einsatz, denn noch immer werden Menschen vermisst. Die rund 193 Quadratkilometer große Ilha Grande (“Große Insel“) ist ein beliebter und teurer Urlaubsort an einem der schönsten Atlantikstrände Brasiliens. Einige Touristen lassen sich per Hubschrauber einfliegen.

Die Insel verfügt über fast 90 kleine Strände und ist zu großen Teilen mit dem für seine Artenvielfalt bekannten Atlantischen Regenwald (Mata Atlântica) bedeckt. Die rund 3000 Einwohner der Insel leben vor allem vom Tourismus. Zahlreiche “Pousadas“, also Resorts mit Appartements und Ferienhäusern, ziehen vor allem zur Hochsaison wohlbetuchtere Urlauber an. Das Silvesterpaket mit fünf Übernachtungen kostete in diesem Jahr in einigen Pousadas oft 6500 Reais (2600 Euro). Früher war die Ilha Grande eine Lepra-Kolonie und eine Gefängnisinsel. Angra dos Reis ist zudem als Brasiliens einziger Atomkraftwerk- Standort bekannt. Der Bürgermeister der Stadt ordnete drei Tage Trauer an und sagte alle Neujahrsveranstaltungen ab, darunter auch die traditionelle See-Prozession sowie die Feier zum 508. Geburtstag von Angra dos Reis am 6. Januar. In Rio de Janeiro und in Umgebung registrierten die Behörden seit Mittwoch insgesamt 22 Tote, die bei Erdrutschen vor allem in Favelas (Armensiedlungen) ums Leben kamen. Die Behörden richteten in Rio de Janeiro in einem Hotel ein Notfallzentrum für die Angehörigen der Opfer ein.

Helmut Reuter, dpa

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