Dass Rollstuhl-Sportschütze Josef Neumaier bei den 14. Paralympischen Sommerspielen, die am 29. August in London beginnen, dabei sein wird, zeichnete sich auf Grund seiner super Qualifikations-Ergebnisse in den Luftgewehr- und Kleinkaliber-Hauptdisziplinen ab. Dass er von den Verantwortlichen der Abteilung Sportschießen im Deutschen Behinderten Sportverband (DBS) aber gleich in vier der fünf möglichen Wettbewerbe an den Start geschickt wird, überraschte den 54-jährigen Altöttinger selbst ein bisserl.
Sepp Neumaier steht nach Atlanta/USA 1996, Sydney/Australien 2000, Athen/ Griechenland 2004 und Peking/China 2008 zum fünften Mal im Deutschen Aufgebot zu einer Olympiade für Sportler mit körperlichem Handicap. Aus Amerika brachte er vor 16 Jahren "Gold" und vier Jahre später aus Australien "Silber" heim. Ausgezeichnete Top-Ten-Ergebnisse erreichte er auch bei den beiden anderen Teilnahmen wie beispielsweise in Peking, wo er "Bronze" um winzige 1,2 Ringe verfehlte.
"Eine Menge Arbeit" scherzte der Ausnahmeschütze über die vier Starts in London. Allerdings sei die Konstellation der Wettkämpfe für ihn sehr gut. Das Augenmerk richtet er natürlich auf seine beiden Paradedisziplinen, die am Anfang (31.8.) und Ende (5.9.) seiner Einstätze stehen. Dies ist einmal der Kleinkaliber-Dreistellungskampf, wo Neumaier zweimal Olympia-Edelmetall holte. Hier ist die Scheibe 50 Meter entfernt. In dem dreistündigen Wettbewerb sind sitzend, liegend und kniend jeweils 40 Schuss abzugeben. Der Luftgewehr-Wettbewerb (60 Schuss auf 10 Meter) stehend respektive sitzend ist seine zweite Lieblingsdisziplin.
Die Vorbereitung auf diesen Höhepunkt nannte der Sparkassen-Betriebswirt "sehr gut". Arbeitgeber und auch Kollegen hätten ihn in Bezug auf Trainingszeiten toll unterstützt. Und: "Mein neuer Heimtrainer Theo Gschwandtner hat mich ein Stück weiter nach vorne gebracht", lobt der Wallfahrtstädter sein Umfeld. Bevor Sepp Neumaier am Dienstag (21.8.) nach Wiesbaden reist, wo sich die achtköpfige DBS-Schützentruppe trifft und anderntags gemeinsam nach London fliegt, gelte es, noch einige waffenrechtlichen Formalitäten zu erledigen.
In England müssen dann bis zum Beginn der "Spiele" die Schießstände und ihre Eigenheiten bezüglich Lichtverhältnisse und Windeinfall und Regen kennengelernt werden. "Vor allem der Kleinkaliber-Stand ist nicht leicht zu schießen", weiß der Sepp spätestens seit den gerade zu Ende gegangenen Olympischen Spielen. Doch wer den akribischen Sportler kennt, kann davon ausge-hen, dass dieser dabei nichts dem Zufall überlässt. Am 31. August sowie am 1., 4. und 5. September rollt er in den Schießstand und dann zählt nicht nur das Können und die Tagesform, sondern auch ein bisschen Glück.
sgr/Mühldorfer Anzeiger











