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Verhaltenskodex für deutschen Fußball

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    • 17.07.12
    • Fußball
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Stehplätze dürfen bleiben

Neuer Verhaltenskodex für den Fußball

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Berlin - Der Sicherheitsgipfel des deutschen Fußballs hat einen Verhaltenskodex mit klarer Ablehnung und Sanktionierung von Pyrotechnik verabschiedet. Die Stehplätze dürfen bleiben.

Die wirtschaftlichen Zuwendungen für Fanprojekte jährlich sollen um 50 Prozent erhöht werden. Stadionverbote sollen künftig bis zu zehn Jahre statt bisher drei Jahre betragen dürfen. Stehplätze wird es auch weiterhin geben. „Das ist eine gute Nachricht für Millionen friedliche Fußballfans“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Dienstag in Berlin.

Stehplätze seien ein Markenzeichen des deutschen Fußballs. „Das ist keine endlose Schleife, da wird vorausgesetzt, dass die Probleme, die auf dem Tisch liegen, bewältigt werden“, betonte Rauball. Der Sicherheitsgipfel sei die Auftaktveranstaltung, um Reformen einzuführen. „Das ist der Beginn und der Start.“ In der Winterpause werde es erste Beschlüsse geben.

Bei der Konferenz berieten auf Einladung von DFB und DFL die Vertreter von 53 Proficlubs mit Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), über Maßnahmen gegen Gewalt in Stadien.

„Ich bin sehr dankbar, dass ein Verhaltenskodex unterzeichnet wurde, indem klargemacht wurde: Keine Gewalt, keine Pyrotechnik, klare Grenzen mit klaren Sanktionen“, sagte Friedrich. Fankultur und Gewalt schlössen einander aus. Falls alle verabredeten Maßnahmen nicht ausreichen würden, werde man sich noch einmal zusammen setzen.

An dem Treffen nahmen auch Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Rauball teil. Zweitligist Union Berlin sagte als einziger Club die Teilnahme nach Angaben des DFB ab.

Das ist der neue Verhaltenskodex:

Zweck

Der vorliegende Verhaltenskodex definiert die wichtigsten Grundsätze zur Wahrung eines gewaltfreien, sicheren und fairen Wettbewerbs im deutschen Fußball. Er beschreibt Verhaltensregeln zum Schutz der Zuschauer bei Fußballspielen und zur Förderung einer friedlichen Fußballkultur. Der Kodex ist das gemeinsame Bekenntnis der Vereine und Verbände, alle notwendigen Maßnahmen für noch mehr Sicherheit umzusetzen, sich deutlich sichtbar von Störern, Randalierern und Gewalttäter zu distanzieren und damit die Grundwerte des Fußballs zu bewahren.

Verhaltensgrundsätze

Mit dem vorliegenden Verhaltenskodex erklären wir: Wir treten für die Werte des Fußballs ein Fußball ist ein gesellschaftliches Gemeinschaftserlebnis, das Millionen Menschen auf emotionale und friedliche Weise verbindet. Die Fans sind ein wichtiger, zentraler Bestandteil unseres Sports. Ihre Unterstützung und ihre Leidenschaft sind Teil dieser einzigartigen, faszinierenden Fußballkultur, die es zu bewahren gilt.

Wir verurteilen jede Form von Gewalt

Die Sicherheit der Zuschauer und aller an der Organisation und Durchführung eines Fußballspiels Beteiligten ist die Basis unseres Fußballs. Wir distanzieren uns in aller Form und deutlich sichtbar von Störern, Randalierern und Gewalttätern. Für sie gibt es keinen Platz im Fußball.

Wir dulden keine Pyrotechnik beim Fußball

Das Abbrennen von Feuerwerk gefährdet die Gesundheit der Zuschauer und den Spielbetrieb. Schon aus diesem Grund kann Pyrotechnik kein Bestandteil einer schützenswerten Fankultur sein. Wir sagen Nein zu Pyrotechnik im Stadion und im Umfeld von Fußballspielen.

Wir bestehen auf die Einhaltung der Regeln

Stadien sind kein rechtsfreier Raum. Wer zu einem Fußballspiel geht, muss sich, wie bei allen anderen Veranstaltungen an die Regeln halten. Das geltende Recht, die jeweilige Stadionordnung und die Weisungen der Ordnungsdienste sind von jedem Zuschauer zu respektieren und einzuhalten.

Wir stehen für eine konsequente Sanktionierung

Verstöße gegen die Stadionordnung und geltendes Recht müssen wirkungsvoll geahndet werden. Wir werden unsere Sanktionsmöglichkeiten gegen Störer, Randalierer und Gewalttäter konsequent ausschöpfen und umsetzen.

Fanvertreter: "Gipfel ist eine Katastrophe!" 

Die Fanvertreter der Fußball-Bundesligaclubs haben geschockt auf die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels reagiert. „Da verschlägt es einem die Sprache. Das sieht danach aus, dass die Repressalien erhöht werden“, fürchtete René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, „meines Erachtens ist der Gipfel für die Fans eine Katastrophe.“ Auf der Konferenz des Deutschen Fußballbundes (DFB), der Deutschen Fußballliga (DFL) und des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) wurden unter anderem schärfere Stadionverbote und die Ächtung von Pyrotechnik erneuert.

„Das ist eine härtere Keule, als wir erwartet haben. Das ist eine drastischere Verschlechterung und ein falsches Signal“, kritisierte Jakob Falk von der Fanvertretung „Pro Fans“: „Ich frage mich, wozu wir dann in der AG Fanbelange mitarbeiten, wenn wir an solchen entscheidenden Tagen nicht da sind.“ Nur allzu gerne hätten die Fans an der Konferenz teilgenommen. Eine Einladung erhielten sie aber nicht. „Im Grunde ist es ohne Fanvertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu diskutieren“, sagte Falk nur wenige Meter Luftlinie entfernt vom Ort des Gipfels auf einer eigenen Veranstaltung.

„Wenn wir nicht eingeladen werden, laden wir eben selbst ein, um über das Thema Gewalt im Fußball zu sprechen“, erklärte Falk. Allerdings befürchten die Fanvertreter nun, dass statt eines Dialoges populistische Schnellschüsse und härtere Sanktionen zu erwarten sind. „Uns fehlt eine Versachlichung in der Diskussion. Wir brauchen keine Hysterie“, meinte Falk. Thomas Beckmann von der Bundesgemeinschaft der Fanprojekte glaubt, dass der Sicherheitsgipfel nur einen Sinn verfolgt: „Es werden Dinge verkündet, nur um die öffentliche Meinung zu beruhigen.“

Die Fanvertreter beklagten erneut, „dass unsere Forderungen nicht ernst genommen werden, und wir benachteiligt werden“, so Pohl. „Viele Vereine haben immer noch nicht begriffen, dass man die Fans genauso hegen und pflegen muss wie die VIPs“, sagte Volker Goll von der Koordinierungsstelle Fanprojekte KOS.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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