Spiel gegen Österreich fesselt die Insel

98,9 Prozent TV-Quote! Ganz Island im EM-Wahn

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Island ist im EM-Wahn.

Paris - Island hofft auf die große Sensation, bei den hoch gehandelten Österreichern um David Alaba geht dagegen die Angst vor einer Blamage um.

Die Fischerboote bleiben im Fjord, das öffentliche Leben kommt völlig zum Erliegen - es würde nicht einmal verwundern, wenn für 90 Minuten die Geysire und Vulkane eine Pause machten: Wenn Island am Mittwoch (18.00 Uhr/Sat.1) im abschließenden Gruppenspiel gegen Österreich in Paris die historische Chance auf den Achtelfinal-Einzug hat, herrscht auf der kleinen Atlantikinsel Ausnahmezustand.

Schon beim jüngsten 1:1 gegen Ungarn kam das isländische Fernsehen auf eine schier unglaubliche Einschaltquote von 98,9 Prozent! Die Euphorie ist riesig bei den 330.000 Einwohnern, von denen rund 30.000 ihre neuen Volkshelden nach Frankreich begleitet haben. Die Spieler um Kapitän Aron Gunnarsson sind längst Berühmtheiten, die EURO zur nationalen Angelegenheit geworden.

Da lässt es sich selbst First-Lady Dorrit Moussaieff, Ehefrau von Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, nicht nehmen, Abwehrspieler Ari Skúlason nach dem Portugal-Spiel noch auf dem Platz die Beine auszuschütteln. Man stelle sich das bei Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Joachim Gauck, und Mats Hummels vor.

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Das Kontrastprogramm bieten die Österreicher. In der Alpenrepublik ist vor dem "Endspiel" in St. Denis von der EM-Vorfreude nicht viel übrig geblieben. Nur ein Sieg hilft gegen den krassen Außenseiter - Österreich zittert. Ein Vorrunden-Aus der hochgelobten rot-weiß-roten "Burschen" um Superstar David Alaba würde sogar Erinnerungen an das blamable 0:1 gegen die Färöer wach werden lassen. Die Partie von 1990 löst in Österreich noch heute ein Schaudern aus.

Noch sprechen sich die Österreicher nach zwei dürftigen Auftritten ohne Tor aber Mut zu. "Wir sind noch am Leben. Die Hoffnung lebt absolut", sagt Trainer Marcel Koller tapfer. Jeder sei "dafür verantwortlich, die Drecks-, die Schweinemeter zu absolvieren".

Der in die Kritik geratene Münchner Alaba versprach, "dass wir alles dafür tun werden, um unser großes Ziel zu erreichen". Auf der Titelseite der Boulevardzeitung Österreich ist Alaba zu sehen, wie er lächelnd den Daumen nach oben streckt, darunter die Schlagzeile: "So schaffen wir das Wunder!"

Damit es kein blaues Wunder wird, forderte Marko Arnautovic von seinen Kollegen, "das Herz in die Hand zu nehmen. Wir müssen zeigen, was wir draufhaben." Ansonsten droht bei der Rückkehr ein Spießrutenlauf.

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In Island würde es wohl selbst bei einem Aus einen Heldenempfang geben, zumal die Mannschaft bislang reichlich Sympathien gesammelt hat. Die Fußballer sind mega-in. Jede Menge Promis drücken vor Ort die Daumen, darunter der deutsche Handball-Nationaltrainer Dagur Sigurdsson oder Ásgeir Örn Hallgrímsson, einer der Olympiahelden von Peking (Silber).

"Wir sind das einzige Team Europas, das noch nie bei einer EM verloren hat", sagte Assistenz-Trainer Heimir Hallgrímsson schmunzelnd. Und das soll so bleiben. Ein Unentschieden könnte reichen, "aber wir werden voll auf die drei Punkte gehen", versicherte Hallgrímsson.

Die norwegische Tageszeitung Dagbladet hat bereits eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, um Island "zu adoptieren". Das Blatt singt ein Loblied auf die Heimat von Björk, Eidur Gudjohnsen und drei (!) Miss Worlds. Und am Mittwoch vielleicht erstmals eines EM-Achtelfinalisten.

sid

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