St.-Pauli-Geschäftsführer schlägt Reformen vor

Rettig: Bayern nicht mehr solidarisch mit der Liga

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Andreas Rettig will den Geldkuchen im Fußball gerechter verteilen.

Hamburg - Andreas Rettig hat dem FC Bayern mangelnde Solidarität mit den Bundesliga-Vereinen vorgeworfen. Auch forderte er eine Reform bei der Verteilung der TV-Gelder.

Andreas Rettig hat den nachlassenden Zusammenhalt und den zunehmenden Gigantismus im Fußball-Geschäft beklagt. „Leider hat sich der Solidaritätsgedanke verschoben. Heute ist Bayern München unter anderem solidarisch mit Real Madrid oder Manchester United und in der ECA organisiert. Es fehlt eine Solidargemeinschaft der Traditions- oder der kleineren Clubs“, monierte der frühere DFL-Mann und heutige Geschäftsleiter Sport beim Zweitligisten FC St. Pauli in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Früher hätten die ärmeren Clubs in verschiedenen Bereichen vom FC Bayern profitiert. Das sei aber weniger geworden. Jetzt greift die Maxime: The winner takes it all. „Wenn in der Werbe-Industrie und bei Sponsoren die Tendenz lautet: Nur noch Top-Adressen sind wichtig, alles andere interessiert nicht, verschärft dies das Auseinandergehen der Schere“, warnte der erfahrene Sportfunktionär.

Rettig: Setzlisten-Vorschlag von Rummenigge ist "Treppenwitz"

Den 53 Jahre alten Rheinländer stört auch, dass bei König Fußball in immer größeren Dimensionen gedacht wird: Eine Weltmeisterschaft mit 40 Teams, eine Club-WM oder „als Krönung“ die Debatte über die Superliga: „Jetzt spielen wir auf dem Kontinent Europa, danach treten die Top-Vereine aus Südamerika und Europa gegeneinander an und schließlich spielen wir jede Woche eine Club-WM. Das wäre der zu Ende gedachte Unsinn“, monierte Rettig. „Die Entwicklung geht klar in die falsche Richtung.“ Die unlängst von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge initiierte Diskussion über Setzlisten nannte er „einen Treppenwitz“.

Im Fußball werde „natürlich zuviel Geld eingesetzt, aber wir alle verdienen gut daran“, meinte er und relativierte zugleich. „Es gibt ein Wetteifern um die wirklich attraktive Ware TV-Recht. Das ist ein normaler Prozess, den kann man beklagen, aber es sind nun mal die Wirtschaftsmechanismen: Angebot und Nachfrage regulieren den Preis.“

Damit die Schere zwischen armen und reichen Vereinen nicht immer größer wird, stellten St. Pauli und Rettig im Vorjahr einen Antrag, der für Aufsehen und zunächst reichlich Widerspruch gesorgt hat. Er sah vor, dass Werksclubs wie Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg oder 1899 Hoffenheim als Großsponsor-Club, die gegen die 50+1-Regel verstoßen, weniger aus den TV-Einnahmen erhalten. Es sei „eine eklatante Wettbewerbsungleichheit“, dass einigen Clubs der Vorteil eingeräumt werde, 100 Prozent der Anteile mit vollen Stimmrechten verkaufen zu dürfen und uneingeschränkt zu kapitalisieren, während andere dies nur mit 49 Prozent dürften.

Rettig schlägt Bonus-Malus-System für 50+1 vor

Rettig & Co. fordern einen Ausgleich, damit Chancengleichheit im Wettbewerb gewährleistet ist. „Eine Malusregelung der bevorteilten Clubs in Form einer Einzahlung an die Solidargemeinschaft oder ein Bonus für alle anderen. Das heißt: Wer sich an 50+1 hält, erhält zum Beispiel zusätzliche Punkte für die Fünfjahres-Sportwertung. Das war der Geist unseres Antrags“, erklärte er. Im Nachhinein habe man eine Menge Unterstützung erhalten, berichtete Rettig. Den zurückgezogenen Antrag will er zu gegebener Zeit noch einmal auf den Weg bringen.

Das Verhältnis zwischen Ligaverband und DFB sei „grundsätzlich intakt“. Sorgen bereiten ihm beim DFB die Finanzen. „Ich hoffe nicht, dass wir irgendwann einen schwarzen Schwan sehen“, sagte Rettig. Als die kritischsten Punkte nannte er die tatsächlichen Aufwendungen für die DFB-Akademie, die ungeklärte Steuersituation und auch die Kosten für die Freshfields-Untersuchungen. Rettig: „Ich habe keine genauen Kenntnisse, aber hochgerechnet könnten wir bei fünf Millionen landen. Neugierig bin ich auch, was aus den zehn Millionen geworden ist, die auf dem Katar-Konto von Herrn Bin Hammam gelandet sind.“

dpa

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