Nicht bei allen herrscht Klarheit

95 Änderungen: Fußball-Schiedsrichter müssen Regeln pauken

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Hamm - Seit Anfang Juli gelten viele der 95 Regeländerungen im Fußball auch im Amateurbereich. Torsten Perschke sieht die Anpassungen kritisch – ihm fehlt an wichtigen Stellen die Klarheit.

Vor der Fußball-EM in Frankreich beschlossen die Regelhüter des „International Football Association Board“ 95 Änderungen im Regelwerk. Seit Anfang Juli gelten viele auch im Amateurbereich. Torsten Perschke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, sieht die Anpassungen kritisch – ihm fehlt an wichtigen Stellen die Klarheit.

Bereits am Donnerstag beginnt mit der Partie zwischen dem TuS Niederaden und der SpVg Bönen (19 Uhr) der Kreispokal-Wettbewerb in Nordrhein-Westfalen und damit die ersten Pflichtspiele der neuen Saison. Bislang sind allerdings erst rund 100 der insgesamt 250 Schiedsrichter des Kreises nach dem neuen Regelwerk geschult worden. „Die Schulungen der Schiedsrichter finden monatlich statt. Ausgerechnet im Juli aber sind sie ferienbedingt ausgefallen“, erklärt Perschke. Unparteiische, die für die Leitung der Kreispokalpartien vorgesehen waren, und weitere Freiwillige nahmen im Juli jedoch an einer der zwei außerplanmäßigen Lerneinheiten teil. „Im Kreispokal setzen wir nur die Schiedsrichter ein, die an einer Schulung teilgenommen haben“, berichtet der Ausschuss-Vorsitzende.

90 Minuten lang "Frontalunterricht wie in der Schule"

90 Minuten lang stand „Frontalunterricht wie in der Schule“ an, eine Präsentation mit eingebetteten Videos zeigte die Änderungen auf. „Es sind sehr lebhafte und wortreiche Diskussionen entstanden“, sagt Perschke, der selbst nicht ganz glücklich ist mit dem neuen Regelwerk: „Ich habe meine Zweifel, ob die Änderungen zur Vereinfachung beitragen.“

Die gravierendste Neuerung ist für Perschke, dass die so genannte Dreifachbestrafung zumindest in Teilen aufgehoben wurde. Ein Foul im Strafraum soll von den Schiedsrichtern nicht mehr automatisch mit Roter Karte und Elfmeter geahndet werden. „Wenn ein Spieler mit einem Vergehen gegen einen Gegner im eigenen Strafraum eine offensichtliche Torchance vereitelt und der Schiedsrichter einen Strafstoß gibt, wird der Spieler verwarnt“, heißt es. Ausnahmen sind hier jedoch die Regel: grobes Foul, Tätlichkeit, Halten, Ziehen, Stoßen und ein Vergehen ohne Aussicht auf den Ball werden weiterhin mit einem Platzverweis bestraft. „Wo interpretiert werden kann oder muss, wird es Schwierigkeiten geben“, ahnt Perschke.

Drohen wegen Unklarheiten Spielwiederholungen?

Stoppt der Elfmeterschütze zukünftig während des Anlaufs ab, muss der Schiedsrichter weiterhin abpfeifen. Neu ist, dass das Spiel mit einem indirekten Freistoß für die verteidigende Mannschaft fortgesetzt und der Schütze mit Gelb bestraft wird. „Wenn der Schiedsrichter hier falsch entscheidet, ist das ein Störfall, der im äußersten Fall zu einer Spielwiederholung führen kann“, sagt der ehemalige Zweitliga-Assistent.

Dass der Ball beim Anstoß nicht mehr über die Mittellinie nach vorne gespielt werden muss, begrüßt Perschke. Ebenfalls interessant findet er, dass behandelte Spieler auf dem Feld bleiben dürfen, wenn ihr Gegenspieler für das Foul mindestens die Gelbe Karte gesehen hat. „Für die Schiedsrichter sind einige Änderungen gravierend. Großen Einfluss auf das Spiel werden sie aber nicht haben“, denkt er. „Ich habe im neuen Regelwerk bislang noch keine Stelle gefunden, bei der ich sagen würde, dass die Änderung überfällig oder sinnvoll ist.“

jau

Rubriklistenbild: © dpa

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