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Deutschland: Patriotismus-Diskussion zur EM

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    • 26.06.12
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Patriotismus-Debatte

Wann wird es zuviel "Schlaaand"?

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Berlin - Seit der Fußball-WM 2006 ist es schick, schwarz-rot-gold zu tragen und für Deutschland zu jubeln. Doch die Unbekümmertheit von damals stellt sich nicht mehr ein. Kritiker warnen.

Deutsche Fans jubeln auf der großen Fanmeile in Berlin

Zur Fußball-WM 2006 war die „Welt zu Gast bei Freunden“: Deutsche Fans trugen schwarz-rot-gold, Medien vermeldeten einen unbeschwerten Fußball-Patriotismus, der sich in Fahnenmeeren und „Schlaaand“-Rufen ausdrückte. Sechs Jahre später sind kritischere Stimmen zu hören. Beim Public Viewing auf Fanmeilen spüren Beobachter auch Aggressivität statt nur Leichtigkeit: „Das Euphorische hat sowas Verzweifeltes und Grölendes bekommen, etwas primitiv Pöbelndes“, sagt Dagmar Schediwy, Sozialpsychologin aus Berlin, die während der Welt- und Europameisterschaften seit 2006 Interviews mit Fans führt - und dabei immer mehr auch nationalistische Untertöne heraushört. Ist also schwarz-rot-gold nicht mehr „schwarz-rot-geil“, wie die „Bild“-Zeitung das Fußball-Feier-Gefühl anno 2006 treffend beschrieb?

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„Ich fand immer, dass es nationalistische Tendenzen gab - auch 2006 schon“, sagt Schediwy. „Aber damals haben wenige Medien die Ausfälle dokumentiert, die es etwa gegen Ausländer oder Migranten gab.“ Je mehr der Fußball-Patriotismus aber als unverkrampft und lustig beschrieben würde, desto leichter sei es etwa für Neonazis, sich unter die Fußballfans zu mischen.

Auf viele Beobachter wirkt es befremdlich, wenn deutsche Fans in der Ukraine beide Arme in die Höhe recken und dabei ein knackiges „Sieg“ rufen. Auch wenn die ganz große Mehrzahl dieser Fans weit entfernt sein dürfte von rechtem Gedankengut - das weckt böse Assoziationen, im Inland wie im Ausland. Und Sozialpsychologin Schediwy meint: „Unter den Fans sind schon ziemlich chauvinistische und auch fremdenfeindliche Töne zu hören.“ Nicht nur junge, sondern auch alte Menschen entlüden beim Public Viewing in Kneipen, wenn sie sich unbeobachtet fühlten, nationalistische Ansichten.

Nicht jeder sieht schwarz-rot-gold so kritisch. In der ARD-Talksendung „Hart aber fair“ freute sich ZDF-Moderator Peter Hahne am Montagabend sehr über die feiernden Fußballfans: „Dieses Fahnenmeer bewahrt uns davor, Nationalisten zu werden. Denn gesunder Patriotismus hat mit Nationalismus nichts zu tun.“ Doch die als Gegenpart eingeladene Sprecherin der europäischen grünen Jugend, Terry Reintke, konterte: „Ich glaube, dass man Nationalismus und Patriotismus nicht so leicht voneinander trennen kann.“ Auch deswegen habe man die Aktion „Patriotismus? Nein danke!“ gestartet.

Die überbordende Rhetorik vor dem Griechenland-Spiel, besonders geschürt von griechischen Medien, aber auch in Deutschland anzutreffen, hat sensiblere Gemüter ebenfalls erschreckt. Da sollte der griechische Abwehr-Beton zerstört werden, wurde Griechenland aus der Euro geschossen - auch wenn letzteres durchaus als Wortspiel durchgehen kann. Das alles fördert aber kein friedliches Miteinander, kein 2006er „Die Welt zu Gast bei Freunden“-Gefühl. „Wir können froh sein, dass Deutschland dieses Spiel gewonnen hat“, kommentiert Schediwy. „Sonst wäre massiv gegen "Pleitegriechen" gehetzt worden.“

Auf der Berliner Fanmeile berichten Einsatzkräfte auch so von deutlich mehr Einsätzen: Dort habe beim Viertelfinale neben der feierfreudigen auch eine aggressive Stimmung geherrscht. Da beklagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) Gewalt gegen Polizisten beim Public Viewing. Flaschen und Böller seien auf Beamte geworfen worden. „Das hat mit einer Siegesfeier oder Fankultur nichts mehr zu tun“, kritisiert er. Das kannte man 2006 so nicht.

Vielleicht sollten sich Fans an Peter Hahne halten, der in seinem pastoralen Ton dann doch eine gelungene Definition eines heutigen Patrioten gab: „Der muss so beschaffen sein, dass er für Deutschland jubeln kann, ohne andere zu verachten.“

dpa

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