SpVgg Bayern Hof - TSV 1860 Rosenheim 0:1

Der erste Dreier! Sechzig Rosenheim triumphiert in Hof!

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Sascha Marinkovic schien schon vor dem Spiel zu wissen, dass er nach seiner Einwechslung zum Matchwinner avancieren würde!

Hof - Die Rosenheimer haben es geschafft - und endlich den ersten dreifachen Punktgewinn nach dem Aufstieg in die Regionalliga unter Dach und Fach gebracht. Aufgrund taktischer Anpassungen und einer starken Phase in Hälfte Zwei nahmen die Sechziger in Oberfranken verdient alle Zähler mit nach Hause.

aus dem Stadion Grüne Au berichtet Christian Schulz

Nach der bitteren Niederlage als bessere Mannschaft bei den Münchner Löwen gastierten die Rosenheimer Sechziger zum Abschluss der Englischen Woche der Regionalliga Bayern im traditionsreichen Stadion Grüne Au beim oberfränkischen Ex-Zweitligisten SpVgg Bayern Hof. Und die Rothemden hatten sich definitiv vorgenommen hier etwas mitzunehmen und nicht ohne Punkte in die Heimat zu fahren. Trotz einer anstrengenden und staubedingt sechseinhalbstündigen Busanreise. Nach einigen Spielen mit ansprechenden Leistungen, aber zu wenigen Punkten, wollten sie sich endlich einmal selbst belohnen. Und das möglichst dreifach.

Sechziger mit Umstellungen

Ein Blick auf die Aufstellungen beider Teams offenbarte, dass sich der Trainer der Sechziger Klaus Seidel hatte etwas einfallen lassen: Er stellte sein Team um und brachte Michael Wallner und Korbinian Linner anstelle von Linor Shabani und Sascha Marinkovic von Anfang an. Die Schnelligkeit und der Kampfgeist von Linner, sowie die Arbeit von Wallner auf der Acht sollten die Schwächen in der Defensive der Gastgeber ausnutzen, die Seidel ausgemacht hatte.

Service:

Von Anfang an entwickelte sich das auch im Vorfeld erwartete Spiel auf Augenhöhe. Maßen sich hier doch zwei Teams, die beide via Relegation aus der Bayernliga aufgestiegen waren. Die Hofer Bayern waren als Heimteam ohne Reisestrapazen vielleicht zunächst einen Tick frischer – die Rosenheimer aber willig, kämpferisch und individuell ein Stückchen stärker. Dies hielt sich fürs Erste die Waage – beide Teams hatten ihre Momente.

Chancen für beide Teams

Zuerst waren die Oberfranken mit einer großen Möglichkeit an der Reihe. Diese war allerdings eher eine Eigenproduktion der Sechziger, die sich fast als fatal erwiesen hätte: Nach einem Diagonalball aus dem linken Halbfeld kam es in der Mitte zu einem Mißverständnis zwischen dem herauseilenden 1860-Keeper Dominik Süßmaier und seinem Kapitän Matthias Heiß. Dessen Kopfball ging über Süßmaier hinweg Richtung eigenes Tor. Doch Georg Lenz reagierte reaktionsschnell und verhinderte kurz vor der Linie mit einer Grätsche das Eigentor (12.).

Kurz darauf wurde auf der gegenüberliegenden Seite Josip Tomic fein in Szene gesetzt. Er drang über rechts in den Strafraum ein und flankte auf den mitgelaufenen Michael Wallner am langen Pfosten – doch der köpfte über das von Erik Arkenberg gehütete Tor der Hofer (15.).

Rosenheim mit Löchern im Mittelfeld - Hof erspielt sich optische Vorteile

Nach der Anfangsviertelstunde folgten gut zwanzig Minuten, in denen die Oberfranken anfingen, sich zum feldüberlegenen Team zu entwickeln. Dies lag daran, dass die Rosenheimer im Mittelfeld zu große Lücken ließen. Waren die beständig rotierenden Offensivkräfte Danijel Majdancevic, Tomic und Linner in vorderster Linie überspielt, klaffte bis zu den nächsten Reihen oft ein Loch von zwanzig bis fünfundzwanzig Metern bis die nächste Defensivreihe kam. Da stimmten einfach die Abstände nicht. Dies nutzten die Hausherren und gewannen ohne große Probleme an Dominanz, was zu Standardsituationen in Serie für die Gelb-Schwarzen führte. Größtenteils konnten diese aber gut verteidigt werden.

Bayern Hof - 1860 Rosenheim

Die Rosenheimer hingegen allenfalls bei Kontern gefährlich. Diese hatten es aber regelmäßig in sich. Vor allem dank des bekannt schnellen Umschaltspiels, und eines wirbelnden Tomic, der gemeinsam mit Sebastian Weber oft viel Wind über links machte. Wenn die Hausherren unter Druck gesetzt und beschäftigt wurden, begingen sie regelmäßig Fehler – ein Fakt den die Rosenheimer in der ersten Halbzeit zu wenig ausnutzten.

Weiter Chancen auf beiden Seiten

In der 26. Minute tolles Zusammenspiel von Tomic und Weber auf dem linken Flügel. Nach zweimaligem Hinterlaufen brachte Weber eine schöne Flanke in die Mitte. Dort hatte sich Majdancevic frei gestohlen – aber sein Volleyversuch aus aussichtsreicher Position ging weit über den Kasten.

Als eine halbe Stunde gespielt war, Ecke Hof von rechts. Weder Süßmaier noch Heiß kamen an den Ball, das Leder fiel vor die Füße von Hofs Thomas Stock – doch auch dieser jagte seinen Abstauber über das Gehäuse.

Kurz vor Ende von Halbzeit Eins die ganz dicke Gelegenheit für 1860: Philipp Maier schickte Tomic über rechts, der spielte im Strafraum auf Linner. Dieser versuchte es statt quer abzuspielen selbst, doch sein geblockter Ball landete trotzdem bei Majdancevic – der aus nur sechs Metern wieder das Tor verfehllte. Eine Hundertprozentige. Das hätte die Führung für die Rosenheimer sein müssen (42.)!

Die letzte Möglichkeit der Halbzeit gehörte wieder den Hofern: Nach einem Diagonalball von halblinks versuchte sich Martin Holek mit einer Direktabnahme – und verfehlte das Tor mit seinem strammen Volley nur um einen Meter (45.)!

Seidel reagiert - Rosenheim stellt Schwachstelle ab

Zu Beginn der zweiten Hälfte bekamen die 1.100 Zuschauer an der Grünen Au hauptsächlich Mittelfeldgeplänkel zu sehen. Die Partie weiterhin auf Augenhöhe – aber ein Stück gemächlicher. Dies lag auch daran, dass 1860-Coach Seidel auf das Vakuum im Mittelfeld reagiert hatte und die Abstände nun besser aussahen. Nach 52 Minuten brachte Seidel Shabani ins Spiel um in dieser Hinsicht noch mehr Zugriff auf das Geschehen zu erlangen. Nur fünf Minuten später durfte dann auch Marinkovic ran - der bis dahin je nach Betrachtungsweise in der Hinterhand gehalten wurde oder auf der Bank schmoren musste.

Beides sollte sich auszahlen. Und es waren die richtigen Maßnahmen – denn gegen diesen Gegner, der hinten bereits in Halbzeit Eins immer wieder Schwächen offenbarte, wenn er unter Druck gesetzt wurde, musste eigentlich mehr herauszuholen sein, als den Gästen bisher gelungen war. Der bessere Zugriff und die sichtbar erhöhte Präsenz im Mittelfeld, zeigten Wirkung.

Hof kommt nicht mehr zur Geltung - Rosenheim übernimmt das Zepter

Unmittelbar führte es zu dem Effekt, dass die Gastgeber offensiv so gut wie nicht mehr stattfanden. Sie hatten daher nicht annähernd so viele Standards in der Rosenheimer Spielfeldhälfte wie im ersten Durchgang und auch ihre Torabschlüsse wurden zur Seltenheit. Das sah jetzt viel besser aus bei den Roten – und so wuchs auch das Selbstvertrauen und sie begannen vermehrt Offensivaktionen zu starten.

Das Pendel in Sachen Feldüberlegenheit schwenkte jetzt in Richtung Sechziger um. Nach einem langen Ball nach 67 Minuten tauchte der steil geschickte Linner alleine vor Arkenberg auf, verstolperte allerdings seinen Abschluss.

Shabani, Marinkovic, Elfmeter - Führung für Sechzig

Minuten später dann der entscheidende Moment des Spiels: Eine Co-Produktion der kurz zuvor Eingewechselten. Shabani legte einen Ball durch die Schnittstelle der Hofer Abwehr in den Lauf von Marinkovic. Der Pass wäre einen Tick zu lang gewesen, doch Arkenberg zögerte viel zu lange beim Herauskommen. Marinkovic, der sonst nicht mehr hätte ans Leder kommen können, erlief den Ball, legte ihn am Keeper vorbei – und als der Torhüter sich dann doch dazu entschloss einzugreifen, fällte er den Rosenheimer Stürmer. Klarer Elfmeter. Der gefoulte Marinkovic übernahm selbst die Verantwortung – und verwandelte sicher in die rechte untere Ecke (70.)! Die Führung für Rosenheim!

Im Anschluss an ihren Führungstreffer wurden die Sechziger dann vorsichtiger, wollten diese ersten drei Punkte auf jeden Fall mit nachhause nehmen. Sie konzentrierten sich jetzt vornehmlich drauf konzentriert zu stehen, sorgsam zu verteidigen und beschränkten sich wieder auf Konter. Die Hofer warfen in der Schlussviertelstunde selbstredend noch einmal alles nach vorne, schafften es aber aufgrund ihrer spielerisch doch limitierten Mittel nicht, wirklich Druck auszuüben. Recht viel mehr als einige Schüsse aus der Distanz, die allerdings allesamt das Gehäuse von Süßmaier verfehlten, sprang dabei nicht heraus. Auch das Publikum der Einheimischen kam noch einmal – doch auch dies konnte die Rosenheimer nicht verunsichern.

Bange Schlussminute - verdienter Jubel! Erster Saisonsieg für Rosenheim

Da die Rosenheimer gegen die größtenteils harmlosen Oberfranken keinen Konter zu Ende spielen konnten wurde es ganz zum Ende noch einmal brenzlig: Bereits in der Nachspielzeit bekamen die Hofer etwa achtzehn Meter vor dem Tor einen Freistoß in zentraler Position zugesprochen. Noch einmal drohte höchste Gefahr. Doch Hofs Holek setzte das Spielgerät in die Mauer (93.). Direkt im Anschluss Balleroberung Hof. Das Leder kam erneut in den Strafraum, hoch an allen vorbei in Richtung langes Eck. Süßmaier gerade noch mit den Fingerspitzen am Ball – und Kapitän Heiß bewahrte sein Team vor dem Ausgleich und kratzte die Kugel im allerletzten Moment von der Linie (94)! Was für ein Zittermoment!

Als auch diese Situation überstanden war, war Schluss an der Grünen Au. Die Rosenheimer Spieler fielen sich überglücklich in die Arme. Da war er – der erste Dreier in der Regionalliga! Hatten sie in den ersten Partien lediglich beweisen können, dass sie mithalten können, fuhren sie heute den Premierensieg ein. Aufgrund der taktischen Anpassungen und einer verbesserten zweiten Hälfte ein verdienter Auswärtserfolg für die Sechziger, die nunmehr nach fünf Begegnungen vier Zähler auf der Habenseite vorweisen können – und im nächsten Heimspiel mit dem VfR Garching einen weiteren Mitaufsteiger erwarten.

Quelle: rosenheim24.de

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