SV Seligenporten - TSV 1860 Rosenheim 1:1

Sechziger fighten sich nach Rückstand zurück!

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Auf ihren Torjäger können sich die Sechziger verlassen: Danijel Majdancevic (rot) markierte kurz vor Schluss den verdienten Ausgleich für die Rosenheimer beim SV Seligenporten.

Seligenporten - Tolle Moral! Tolles Comback! Nachdem ihr Spielplan durch einen dummen Rückstand unmittelbar nach der Pause über den Haufen geworfen war, zeigten die Sechziger aus Rosenheim eine Energieleistung, dominierten das Geschehen und erkämpften sich kurz vor Schluss noch einen Punkt beim direkten Kontrahenten SV Seligenporten.

aus Seligenporten berichtet Christian Schulz

Sah man sich vor diesem Aufeinandertreffen die Tabellensituation an, so wurde sofort deutlich, welche Brisanz dieses Spiel beinhaltete: Denn wenn man mit einbezog, welche Teams wohl bis ganz zum Ende des Spieljahres unten drin stehen, beziehungsweise um den Klassenerhalt kämpfen werden, dann war klar - es handelte sich um ein so genanntes "Sechs-Punkte-Spiel".

Würden die "Klosterer" siegen, zögen sie an den Rosenheimern vorbei und würden diese auf einen Abstiegs-Relegationsplatz reißen. Würden allerdings die Sechziger gewinnen, so würden sie dem zuletzt spürbaren Aufwind des direkten Konkurrenten aus Seligenporten auch moralisch einen deutlichen Dämpfer verpassen - und weitere wichtige Punkte zwischen sich und den Mitaufsteiger legen. Zähler, die in der Endabrechnung Gold wert sein können!

"Sechs-Punkte-Spiel" am Kloster

Die Ausgangslage vor diesem Spiel war also klar – und dementsprechend gingen beide Mannschaften die Partie auch an. Die Gastgeber aus der Oberpfalz versuchten gleich zu Beginn etwas für die Offensive zu tun und die Rosenheimer unter Druck zu setzen. Die Sechziger hingegen warteten ab, versuchten möglichst kompakt zu stehen, den SVS dazu zu verleiten, zu viele Räume zu öffnen – und dann über Konter zuzuschlagen.

Klar, die Rosenheimer konnten hier einfach eher abwarten, die Hausherren hingegen waren in der Bringschuld, mussten mehr gewinnen um unten heraus zukommen und an den Rothemden vorbeizuziehen. Wenn die Rosenheimer hier geduldig bleiben würden - angesichts ihrer Stärken im Umschaltspiel und gefährlichen Angreifer – eine gute Ausgangsposition.

Service:

Zu dieser trug zusätzlich noch bei, dass entgegen vorheriger Erwartungen Danijel Majdancevic, der auf einem Lehrgang der Deutschen Futsal-Nationalmannschaft in der Sportschule Bad Hennef verweilte, doch verfügbar war. Der Stürmer hatte die weite Anreise auf sich genommen und war 400 Kilometer im eigenen Auto gefahren, um in diesem wichtigen Spiel dabei zu sein. Josip Tomic ersetzte den gesperrten, aber - ebenso wie sein Kollege mit dem gleichen Schicksal Linor Shabani – mitgereisten Sascha Marinkovic.

Seligenporten beginnt forsch

Der anfängliche Druck der Seligenportener zeigte gleich erste Wirkung. Schon nach vier Minuten die erste Chance für den SVS: Fabian Klose fasste sich aus knapp 25 Metern ein Herz und knallte das Leder aus zentraler Position mit gefährlichem Schnitt aufs Tor – sein Aufsetzer strich nur knapp am rechten Eck des von Dominik Süßmaier gehüteten 1860-Gehäuses vorbei.

Die Hausherren versuchten weiter den Vorwärtsgang einzulegen. Zu mehr als der ein oder anderen Torannäherung reichte es allerdings nicht. Ihre nächste richtig gute Chance hatten sie nach etwa einer Viertelstunde: Nach einer Ecke des SVS von rechts landete der Klärungsversuch der Rosenheimer sofort wieder bei Seligenportens Marco Christ am rechten Flügel. Der hatte Zeit, behielt die Übersicht und bediente mustergültig seinen Mitspieler Kevin Woleman, der im Rückraum auf Höhe der Sechzehnerlinie lauerte. Woleman nahm die Vorlage mit voller Wucht volley – und 1860-Kapitän Matthias Heiß konnte sich am Fünfer gerade noch in den Ball werfen und im allerletzten Moment retten (16.)! Das war brenzlig für die Sechziger.

Nach zwanzig Minuten lässt der Druck nach - Majdancevic trifft den Pfosten!

Nach etwa zwanzig Minuten flaute der Druck der Gastgeber nach und nach ab. Sie hatten ihr Pulver jetzt größtenteils verschossen, waren nicht mehr zielstrebig und genau genug und versuchten es viel zu oft durch die Mitte, anstatt ihre Stärken mittels der schnellen Spieler auf den Außenbahnen zu nutzen. Auch die Rosenheimer, deren Matchplan bis hierhin aufging, bekamen nun mehr Spielanteile und auch Möglichkeiten.

Seligenporten - 1860 Rosenheim

In der 32. Minute hatten sie ihre Beste – und wären fast in Führung gegangen: Korbinian Linner behauptete im halblinken Mittelfeld energisch den Ball, spielte ihn weiter auf Philipp Maier im Zentrum – und der machte sofort Dampf. Maier ging durch und spielte dann einen glänzenden Pass in die Spitze auf Majdancevic in den Strafraum. Der zog aus dreizehn Metern ab – doch sein exakt platzierter Schuss, bei dem SVS-Schlussmann Christopher Pfeiffer ohne jede Chance gewesen wäre, klatschte an den linken unteren Innenpfosten und sprang von dort ins Feld zurück! Das wäre es fast gewesen!

Einige Minuten darauf hatten auch die „Klosterer“ wieder eine Gelegenheit: Lino D'Adamo wurde am rechten Sechzehnereck freigespielt, schoss aus spitzem Winkel sofort aufs Tor – doch sein Ball ging einen Meter neben dem Pfosten ans Außennetz (38.). Weiter keine Tore in Seligenporten.

Geduldsspiel geht ohne Tore in die Halbzeit

Nach 45 Minuten ging es also torlos in die Kabinen. Es war ein Geduldsspiel. Und das sollte auch die Aussicht für den zweiten Durchgang sein. Wer hier zuerst die Geduld verlieren würde, würde dem Gegner wahrscheinlich die Angriffsfläche bieten, auf die dieser wartete. Für die Rosenheimer hieß dies, weiter hinten so lange wie möglich die Null halten – und darauf warten, dass die Gastgeber nervös werden, unbedingt den Heimsieg wollen, öffnen und dabei Schwächen offenbaren.

Doch genau dies gelang den Sechzigern nach dem Wiederanpfiff nicht! Stattdessen verschliefen sie die ersten zehn Minuten, waren nicht sofort wieder voll im Spiel und leisteten sich den ein oder anderen Abwehrfehler. Dies bestrafen die Hausherren umgehend:

Rosenheimer Abwehrschnitzer wird gnadenlos bestraft!

Nachdem er nach Rosenheimer Ballverlust blitzsauber aus dem zentralen Mittelfeld heraus auf dem rechten Flügel angespielt wurde, brachte Seligenportens Julian Schäf eine präzise und scharf geschnittene Flanke herein – und am langen Fünfereck gewann Patrick Hobsch das Kopfballduell und nickte zum 1:0 für den SV Seligenporten ein (52.)! Die Sechziger hatten einmal nicht aufgepasst, hatten sich in dieser Situation überrumpeln lassen – und fingen sich gleich den Gegentreffer. War das ärgerlich!

Nach dem Rückstand schüttelten sich die Gäste allerdings nur kurz – dann nahmen sie ihr Herz in beide Hände und gaben noch einmal ordentlich Gas. Und dies auch überlegt – sie vermieden es ohne Kontrolle zu einem kopflosen Sturmlauf anzusetzen. Trotzdem erarbeiteten sie sich jetzt Minute für Minute Vorteile und kamen so auch in schöner Regelmäßigkeit zu Möglichkeiten.

Sechziger zeigen Reaktion, geben Gas - und haben beste Möglichkeiten

Nach 62 Minuten kam Maier nach einem gut getimten langen Diagonalball aus dem linken Halbfeld am rechten Fünfereck unbedrängt zum Schuss. Doch statt entschlossen abzuschließen, überlegte er wohl, was er tun sollte – und verstolperte so eine fast hundertprozentige Torchance.

Keine zwei Minuten später tankte sich Majdancevic mit einer feinen Einzelleistung rechts zur Strafraumecke durch – doch sein Schussversuch war zu lasch und unpräzise und ging weit am langen Eck vorbei (64.)!

Der Ausgleich fällt - allein der Referee gibt ihn nicht!

Dann der große Aufreger der Partie: Die Sechziger trafen zum Ausgleich – doch Schiedsrichter Roman Potemkin verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Dabei hatte er sich ganz schön vertan, denn nach einem gefährlichen Ball in die Spitze prallte der herauskommenden SVS-Torhüter Pfeiffer mit einem seiner eigenen Verteidiger zusammen – danach war das Spielgerät frei und Tomic staubte ab und knallte das Leder unter die Latte (73.)! Referee Potemkin pfiff fälschlicherweise ein Foulspiel – Majdancevic, auf den der Ball gespielt worden war, war in der betreffenden Szene zwar auch dabei, betätigte sich allerdings nicht regelwidrig. Ob der Bedeutung des Spiels für die Rosenheimer natürlich ein Wahnsinn! Wütende und lautstarke Proteste waren die Folge – Majdancevic sah Gelb wegen Meckerns.

Die Gastgeber wurden jetzt richtig nervös. Es spielten nur noch die ganz in rot gewandeten Rosenheimer. Und die Sechziger versuchten in den Schlussminuten wirklich noch einmal alles. Ein ums andere Mal brachten sie die Defensive der Seligenportener in Bedrängnis. Hätten sie nicht das blöde und vermeidbare Gegentor zugelassen – hier wäre so viel möglich gewesen. Denn der SVS zeigte sich in dieser Phase doch mehr als wacklig. Und auch Konterangriffe gelangen den Oberpfälzern keine. Der Gegner war dazu prädestiniert, dass der Matchplan, den sich 1860-Coach Klaus Seidel ausgedacht hatte, hätte perfekt aufgehen können. Wäre da nicht dieser eine entscheidende Fehler gewesen – und auf Regionalliga-Niveau eben hart bestraft worden.

Mayerl muss den Ausgleich machen - Majdancevic macht ihn!

Doch die Rosenheimer gaben nicht auf – versuchten es weiter. Einstellung und Moral stimmten in jedem Fall – nur sie belohnten sich vorerst noch nicht. Nach einer von rechts getretenen Ecke von Ludwig Räuber kam der eingewechselte Maximilian Mayerl, der sich gleich gut einfügte, sieben Meter vor dem Kasten der Einheimischen mutterseelenallein zum Kopfball – schaffte es allerdings nicht das Leder im gehäuse unterzubringen. Stattdessen köpfte er eineinhalb Meter über das Tor (77.)! Was für eine Chance! Spätestens das hätte der Ausgleich sein müssen!

Doch da die Sechziger nie die Hoffnung aufgaben, fiel er schließlich doch noch – die Rothemden erzwangen ihn, als die Spielzeit fast schon vorüber war: Nach einem weiteren langen Ball in den Strafraum legte der aufgerückte Heiß vom Elfmeterpunkt wunderbar per Kopf nach links ab auf Majdancevic – und der abgezockte Torjäger der Rosenheimer ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und verwandelte die Vorlage sicher zum 1:1 (87.)!

1:1 - hochverdienter Punktgewinn für 1860 

Dieser Ausgleich hatte sich abgezeichnet – und er war ebenso überfällig, wie verdient. Die Rosenheimer setzten auch in der Nachspielzeit noch einmal nach, kamen aber nicht mehr zu einem weiteren klaren Abschluss. Somit endete die Partie schließlich schiedlich, friedlich unentschieden. Angesichts der doch sichtbaren Überlegenheit vor allem in der letzten halben Stunde vielleicht sogar zu wenig für die Gäste vom Inn. Andererseits aber eben auch eine großartige Energie- und Willensleistung der Sechziger hier noch einmal so zurück zu kommen – und den Gegner ins Wanken zu bringen.

Ein Punkt ist besser als nichts – auch in einem so genannten „Sechs-Punkte-Spiel“. Die Gastgeber hätten den Dreier dringender gebraucht. Die Rosenheimer waren ihm näher. Wichtig für die Rothemden ist, dass sie auswärts gepunktet haben und weiter kontinuierlich Punkt für Punkt sammeln. Auch wenn ihnen gegen einen direkten Konkurrenten kein kompletter Auswärtscoup gelang – mit jetzt achtzehn Punkten nach fünfzehn absolvierten Begegnungen stehen sie, gemessen an den eigenen Erwartungen, gut da und sind voll im Soll.

Quelle: rosenheim24.de

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