1.FC Nürnberg II - TSV 1860 Rosenheim 2:2

Kämpferische Rosenheimer verdienen sich Punkt beim Club

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Wie hier Korbinian Linner, lauerten die Rosenheimer in Nürnberg auf Konter. Einen Treffer markierte der Sechziger selbst.

Nürnberg - Aufgrund einer verbesserten zweiten Hälfte und ihres kämpferischen Engagements holten sich die Sechziger aus Rosenheim verdient einen weiteren wichtigen Auswärtspunkt bei der Bundesliga-Reserve des Clubs aus Nürnberg.

vom Valznerweiher berichtet Christian Schulz

Das Aufeinandertreffen der Sechziger und der U21 des fränkischen Zweitligisten war eines der Gegensätze. Auf der einen Seite die Aufsteiger aus Rosenheim, die bisher eine astreine Regionalliga-Saison spielen, auf der anderen die talentierten Jungkicker aus der Nachwuchsschmiede des einstmals großen und mittlerweile doch in die Jahre gekommenen Clubs.

Spiel der Gegensätze im Frankenland

Und diese Gegensätze setzten sich auch auf dem Spielfeld fort. So standen die Nürnberger sicher nicht umsonst auf einem guten vierten Tabellenplatz und hatten viele Tore erzielt, aber auch genauso nicht umsonst lediglich vier ihrer bis dahin zwanzig Punkte auf eigenem Platz geholt und viele Tore kassiert. Vom Potential her eher mit Offensivpower ausgestattet, steht für die Zweitvertretung der Franken der Ausbildungsgedanke im Vordergrund.

Dies äußert sich darin, dass sie konsequent versuchen, die als Ausbildungsziel vorgegebene Spielweise umzusetzen und deshalb in der Regel mit einer Ausrichtung operieren, in der die Außenverteidiger sehr hoch stehen, oftmals 30 Meter vor dem gegnerischen Tor das Mittelfeld verstärken. Diese offensive Ausrichtung bietet natürlich – vor allem wenn sie noch nicht zu hundert Prozent einstudiert und verinnerlicht ist – auch jede Menge Raum für Konter. Kein Wunder, dass sich die Nürnberger „Lehrlinge“ auswärts leichter taten, wo es nicht gänzlich an ihnen lag, das Spiel zu machen und ihre Achillesferse zu präsentieren.

Nürnberg auf dem Weg zum Klassenziel - Rosenheim lauert

Genau darin lag die große Chance der Rosenheimer, die ja bekanntlich einige sehr schnelle Offensivkräfte besitzen und für ihr schnelles und effizientes Umschaltspiel nicht zu Unrecht vom ein oder anderen Gegner gefürchtet werden. Würde es dem FCN nicht gelingen, die vom Schulbuch vorgegebenen Aufgaben mit genügend Konzentration und vor allem genügend Geduld umzusetzen, wollten die Sechziger da sein. Und eiskalt und blitzschnell zuschlagen. Klare Vorzeichen also: Nürnberg muss das Spiel machen – Rosenheimer lauert auf Konter.

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Und so gestaltete sich die Partie dann auch vom Anpfiff weg. Einzig und allein mit dem nicht ganz unerheblichen Fakt, dass die Rosenheimer zu zaghaft, zu verhalten anfingen. Sich soweit hinten hineindrücken ließen oder manchmal auch selber einigelten, dass es einerseits schwer wurde, dem Dauerballbesitz der Hausherren Stand zu halten und andererseits noch viel schwerer, so tief stehend erfolgversprechende Tempogegenstöße zu fahren.

Passive Sechziger lassen sich zu weit in die Defensive drücken

Diese Phase hielt etwa 25 Minuten an. Eine lange Zeit, welche die Sechziger so – irgendwie immer von einer möglichen Torgefahr des Gegners bedroht – überstehen mussten. Durch das extreme Zurückziehen der Gäste wirkte das Spiel manchmal wie eine Handballpartie, bei welcher der Ball von links nach rechts um den Kreis zirkuliert. Die Franken verlagerten immer wieder die Seiten, versuchten auch die Halbräume zu besetzen und von dort die Lücken zu suchen, durch die sie den Ball stecken wollten. Zum Glück für die Rosenheimer fanden sie diese oft genug nicht.

Nürnberg - 1860 Rosenheim

Nach mehreren Torannäherungen und Halbchancen, mehr ließen die Sechziger trotz des Drucks letzten Endes nicht zu, brach der Club doch einmal äußerst gefährlich durch: Jonas Carls gab das Leder vom linken Flügel flach und scharf herein. FCN-Kapitän Dominic Baumann kam in Mittelstürmerposition zum Abschluss,1860-Keeper Dominik Süßmaier klärte reaktionsschnell mit dem Fuß - der Nachschuss von Philipp Hercher wurde von den sich in den Ball werfenden Rosenheimern im letzten Moment geblockt und zur Ecke abgefälscht (18.)!

Krasse Doppelchance für den Club!

Bei der nachfolgenden Ecke kam erneut Baumann neun Meter vor dem Tor sträflich frei zum Kopfball, Süßmaier wäre geschlagen gewesen – aber Maximilian Mayerl half seinem Torhüter aus und rettete in höchster Not auf der Linie (19.)! Glück für die Gäste – das war eine brandgefährliche Doppelszene!

Nach dieser fast halben Stunde - in der einen doch das Gefühl beschlich, dass es, wenn das noch lange so weiter ging und die Nürnberger nur genug Versuche bekommen würden, irgendwann klingeln würde im Gästekasten – bekamen die Rosenheimer etwas mehr Zugriff auf das Spielgeschehen. Besser in den Zweikämpfen und generell präsenter gelange es ihnen jetzt das Spiel mehr ins Mittelfeld zu verlagern und vom eigenen Tor entfernt zu halten. Nach vorne gelang ihnen aber weiterhin nicht viel. Die Sechziger kamen im ersten Durchgang nur zu einigen ganz wenigen Halbchancen durch Distanzschüsse von Linor Shabani und Sascha Marinkovic.

Doch auch die Nürnberger waren jetzt nicht mehr gefährlich. In dem Maße in dem die Gäste ihre Sache besser machten und sich mehr Befreiung verschaffen konnten, verloren die Gastgeber den Faden. Ihre Aktionen wurden fahriger, schlampiger – dem Club gelangen kaum noch klare Aktionen. Gut für die Rosenheimer. So ging es mit einem torlosen Unentschieden in die Kabinen.

Nullnummer zur Halbzeit - danach Schlagabtausch par excellence

Nach der Pause stand weiterhin die Frage im Raum, ob die Hausherren im Spielaufbau die Geduld verlieren und den Sechzigern der entscheidende Konter gelingen würde. Und beide Teams offenbarten jetzt das ein oder andere Manko im Abwehrverhalten. Nun zeigte sich, warum viele Begegnungen unter Beteiligung des fränkischen Nachwuchses recht torreich verlaufen waren. Ein jetzt offeneres Spiel, in dem auch die Rosenheimer endgültig aufwachten und ein wenig aus der Reserve kamen, geriet phasenweise zu einem regelrechten Schlagabtausch.

In der 55. Minute Aufreger im Strafraum der Gäste: langer Ball der Hausherren in den Sechzehner, Süßmaier, der den Ball abfangen wollte, verschätzte sich beim Herauslaufen, Baumann war vor ihm am Ball – doch sein Kopfball strich am rechten unteren Eck vorbei (55.).

Nur eine Minute später gute Gelegenheit auf der Gegenseite: Freistoß Rosenheim aus dem Zentrum, der Ball wurde punktgenau halblinks in den Strafraum auf Philipp Maier gespielt, der aus spitzem Winkel voll abzog – aber die lange Ecke, die er anvisiert hatte, doch um ein Stück verpasste (56.).

Marinkovic fast mit dem Traumtor - Majdancevic mit dem 0:1

Dann hatte Marinkovic seinen großen Auftritt: langer Ball der Sechziger auf den bulligen Stürmer, der fackelte nicht lange und zog aus 28 Metern aus vollem Lauf und mit vollem Risiko einfach mal ab, Nürnbergs weit vor seinem Gehäuse postierter Torwart Patrick Rakovsky über den der Ball hinwegrauschte wäre ohne jede Chance gewesen – doch das Leder knallte krachend an die Latte (59.)! Marinkovic fehlten nur Zentimeter zu einem absoluten Traumtor!

Nach diesen verpassten Gelegenheiten fielen dann auch Tore. Und zwar zuerst für die in den letzten Minuten aktiven und mutigen Gäste: Ein für seinen Torwart gedachter Rückpass des Nürnbergers Ivan Knezevic geriet zum fatalen Fehlpass direkt in die Füße von Danijel Majdancevic. Der drang von links in den Sechzehner ein – und drosch das Leder aus kurzer Distanz satt in die Maschen (61.)! 0:1 – Sechzig hatte den Club genarrt und lag in Führung!

Fast wäre im Gegenzug der sofortige Ausgleich gefallen: die Rosenheimer jetzt - wohl noch von ihrem Treffer berauscht – hinten viel zu offen. Riesenkopfballmöglichkeit für den an fast jeder Offensivaktion beteiligten Baumann – doch der Nürnberger setzte das Spielgerät über den Kasten.

Unberechtigter Elfmeter bringt Club den Ausgleich - Linner kontert sofort

Keine zwei Minuten später dann aber doch der Ausgleich. Nach einem mehr als fragwürdigen Strafstoß: Die Rosenheimer weiterhin hinten zu sorglos, Nürnberg über rechts und wieder über Baumann. Der lief, von außen in den Strafraum eindringend, voll in Verteidiger Mayerl – und Schiedsrichter Eduard Beitinger pfiff ohne Umschweife und fälschlicherweise Elfmeter. Gleich eine doppelte Fehlentscheidung – denn unmittelbar zuvor hatte er ein klares Foul Baumanns an Rosenheims Georg Lenz außerhalb des Sechzehners ungeahndet gelassen. Den Elfmeter verwandelte Willi Evseev sicher zum 1:1 (64.).

Doch die jetzt heißgelaufenen Sechziger lamentierten nicht lange – sondern schlugen umgehend erneut zu: Zunächst verlor Marinkovic an der Strafraumgrenze den Ball, doch der unermüdliche Korbinian Linner eroberte das Leder sofort im Sprint zurück und spitzelte es zu Maier, der mit einem mustergültigen Diagonalball auf links Majdancevic bediente. Dessen Hereingabe konnte Marinkovic noch nicht an FCN-Schlussmann Rakovsky vorbeibringen – doch Linner, der die Aktion praktisch selber eingeleitet hatte, war zur Stelle und verwandelte den Abpraller aus sieben Metern volley zum 2:1 (66.)!

Auch Nürnberg trifft umgehend erneut

Genau so schnell allerdings kamen die Franken zum erneuten Ausgleich – und wieder musste ihnen eine Standardsituation, von denen die Rosenheimer nun zu viele produzierten, dabei helfen: Nürnbergs Jonas Hofmann brachte einen Freistoß aus etwas 35 Metern von der rechten Außenlinie mit Schnitt hinter die Abwehr, die in dieser Szene nicht aufmerksam genug war – und so kam am langen Pfosten der eingewechselte Oktay Leyla zum Kopfball und konnte zum 2:2 für den FCN einnetzen (69.)!

Wahnsinn, was das für turbulente Minuten waren! Danach beruhigte sich das Geschehen. Beide Teams waren jetzt defensiv wieder sortierter und vor allem die Rosenheimer darum bemüht wieder konsequent in ihre Ordnung zu finden und hinten nichts mehr zuzulassen. So wurde es nur noch zweimal richtig brenzlig für den Kasten von Süßmaier – da aber richtig, denn die Cluberer probierten zum Ende hin, als die Kräfte der Gäste nachließen, noch einmal alles:

Süßmaier hält das Unentschieden fest

Nach einer von Manuel Feil scharf hereingetretenen Club-Ecke von rechts kam Philipp Hercher sechs Meter vor dem Tor unbedrängt zum Kopfball – doch Süßmaier rettete den Rosenheimern mit einem tollen Reflex das Unentschieden (79.)!

In der Schlussminute war es erneut Süßmaier, der die Großchance des Clubs das Spiel in letzter Sekunde doch noch zu gewinnen, zunichte machte: Baumann bekam halbrechts im Rosenheimer Sechzehner den Ball, zog aus acht Metern sofort ab – doch der Keeper der Sechziger war mit der nächsten Glanztat in Form einer Fußparade zur Stelle (90.)!

Sechziger holen weiteren wichtigen Auswärtspunkt

Dann war Schluss am Valznerweiher. Und unter dem Strich stand ein für die Sechziger absolut positives Resultat. 2:2 beim Vierten der Tabelle, zwei Mal in Führung gegangen – und am Ende aufgrund der verbesserten zweiten Hälfte und des kämpferischen Engagements verdient einen weiteren wichtigen Auswärtspunkt gesammelt. Die Rosenheimer liegen mehr als im Soll. Und – sofern sie ihrer Linie treu bleiben, keinen Ball und erst recht kein Spiel verloren geben, dürften sie noch für viele Gegner in der vierthöchsten deutschen Spielklasse ein unangenehmer Gegenüber werden.

Quelle: rosenheim24.de

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