TSV 1860 Rosenheim - 1.FC Schweinfurt 05 4:2

1860 Rosenheim zittert sich zu 4:2 Erfolg!

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Erneut treffsicher: Brachte seine Rosenheimer gegen Schweinfurt mit einem Doppelpack auf die Siegerstraße - Sascha Marinkovic.

Rosenheim - In einer verrückten Partie, in der auch ein 3:3 Unentschieden kein ungerechtes Ergebnis gewiesen wäre, behielten die Hausherren vom TSV 1860 Rosenheim am Ende dennoch die Oberhand über die Gäste vom 1.FC Schweinfurt 05, die Moral bewiesen, obwohl sie bereits 0:3 im Hintertreffen waren. Ein ganz wichtiger Dreier für die Sechziger.

aus dem Jahnstadion berichtet Christian Schulz

„Die Niederlage aus dem Spiel gegen Schalding-Heining ist verdaut. Der Fokus ist nun ganz auf die Begegnung gegen Schweinfurt ausgerichtet. Wir können gegen diesen enorm starken Gegner nur bestehen, wenn wir wieder zu hundert Prozent an unsere Leistungsgrenzen gehen!“, sagte Rosenheims Sportlicher Leiter Hansjörg Kroneck nach der jüngsten 0:3 Schlappe in Passau.

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„Spielerisch werden wir nicht auf Augenhöhe agieren können, daher müssen wir wieder auf unsere bisher schon bewährten Tugenden Leidenschaft, Kampf und Einsatz zurückgreifen. Gelingt uns dies, sind wir sicher alles andere als chancenlos!“, fügte Kroneck vor der Partie hinzu.

Sechziger von Beginn an mit Herz und Laufbereitschaft

Und die Sechziger machten sich auch von Minute Eins an daran, genau dies umzusetzen. Hellwach und mit viel Leidenschaft und Ehrgeiz dabei, waren sie sofort gut im Spiel. In der Anfangsviertelstunde spielten sie ein aggressives Angriffspressing, das den weit gereisten Gästen gehörig zusetzte. Bevor die Unterfranken richtig auf dem Platz waren, hatten die Rosenheimer die ersten großen Chancen:

Keine 30 Sekunden waren gespielt, da überwand ein langer Ball die komplette Gästeabwehr und Sascha Marinkovic war auf und davon. Allein vor 05er-Torwart Julian Schneider versuchte er diesen zu umkurven – der Schlussmann blieb jedoch Sieger (1.). Kurz darauf prüfte Ludwig Räuber nach einem geblockten Schuss von Marinkovic aus zwanzig Metern zentraler Position den Torhüter – doch wieder war Schneider auf dem Posten (7.).

Starke Minuten von Schweinfurt - Glück für die Sechziger

In der dreizehnten Minute bekamen die Gäste, die sich nun langsam etwas befreien konnten, ihre erste gute Gelegenheit: Schweinfurts Marius Willsch zog halbrechts im Strafraum ab. Sein Schuss wurde geblockt, Nicolas Görtlers Nachschuss im letzten Moment von 1860-Keeper Dominik Süßmaier zur Ecke abgefälscht. Bei der nachfolgende Ecke war es wieder Willsch, der zum Kopfball kam – Sebastian Weber konnte das Leder gerade noch rechts unten von der Linie kratzen (14.).

In den folgenden fünf Minuten machten die Schnüdel dann richtig viel Wind. Die Rosenheimer beeindruckt, gerieten jetzt kurzzeitig ins Schwimmen. Minutenlanger Dauerdruck der Schweinfurter. Bei einem Distanzschuss der Schweinfurter durch Marco Haller musste sich Süßmaier lang machen – und konnte sich erneut auszeichnen (18.). Und wieder war die anschließende Ecke brandgefährlich. Schweinfurts Andreas Nauer köpfte nur ganz knapp über das Gehäuse.

1860 Rosenheim - Schweinfurt

Nachdem die Hausherren diese Drangperiode, in der die Gäste kurzzeitig einmal andeuteten, zu was sie in der Lage sind, zwar unsortiert, aber ohne Gegentor überstanden hatten, beruhigte sich das Geschehen wieder. Rosenheim zwar nicht mehr so dominant, wie zuvor – aber zumindest wieder auf Augenhöhe, mit richtig viel Laufbereitschaft und mit eigenen Angriffen.

Marinkovic knallt das Leder unter die Latte!

In der 20. Minute machte sich die bezahlt – die Sechziger krönten einen ihrer Vorstöße mit einem erfolgreichen Abschluss: Über die linke Seite startete Maximilian Mayerl zur Grundlinie, wurde von Daniel Majdancevic herausragend bedient und brachte den Ball maßgeschneidert in die Mitte. Dort hatte der mitgelaufene keine Mühe aus sieben Metern einzunetzen und nagelte die Kugel unter die Latte. 1:0 für 1860.

Dieser Führungstreffer gab den Gastgebern, die in Schalding noch jede Menge Chancen verballert hatten, natürlich jede Menge Selbstvertrauen und Rückenwind. Sie nutzten beides dazu, das Spiel zu kontrollieren, immer wieder ihre Gefährlichkeit anzudeuten – vor allem aber dazu, die Gäste in der Offensive nicht mehr zum Zug kommen zu lassen. Bis zur Halbzeit kamen die 05er zu keinem einzigen weiteren Torabschluss.

Doch auch den Rosenheimern gelang es zunächst trotz leichter Überlegenheit nicht mehr, die Gästeabwehr entscheidend zu überwinden und richtig gefährlich zu werden. Das Spiel verlagerte sich ins Mittelfeld. Es war nun mehr oder weniger eine Partie auf Augenhöhe – aber die Hausherren waren richtig gut im Spiel. Immerhin galt Schweinfurt vor der Begegnung ja durchaus als klarer Favorit. Jetzt lagen hier die Sechziger nach Haltungsnoten vorn.

Rosenheim ist gut im Spiel und baut die Führung aus

In der 35. Minute hätten sie dies auch fast in Zählbares umgewandelt: Wieder flankte Mayerl wunderbar von links – doch in der Mitte kam Majdancevic nicht mehr ganz hin, brachte den Kopf nicht ganz hinter den Ball und verzog.

Nur zwei Minuten später machten die Sechziger es besser: Langer Ball nach halbrechts in den Strafraum auf den emsigen Mayerl, der leitete sofort weiter auf Linor Shabani, der versuchte den Ball am Torhüter vorbeizuspitzeln. Schneider konnte zunächst noch abwehren, aber gegen den Abstauber von Marinkovic im Nachschuss war auch er machtlos – 2:0 für Rosenheim (37.)!

Es lief also nach Maß für Marinkovic. Und auch für sein Team. Denn mit diesem aufgrund der Spielanteile und Chancenverwertung auch verdienten Zwischenergebnis ging es in die Kabinen. 2:0 – eine glänzende Ausgangsbasis für die zweite Hälfte. Und für weitere wichtige Punkte in der Tabelle.

2:0 Pausenführung - und eine völlig andere zweite Halbzeit

Doch der wichtige dreifache Punktgewinn sollte nach dem Seitenwechsel noch einmal in Gefahr geraten – und zwar gehörig. Und das zeigte sich auch schon direkt nach Wiederbeginn: 05er Görtler zog beim ersten Vorstoß des zweiten Durchgangs aus 20 Metern ab, überwand Süßmaier – aber die Latte rettete für die Roten (46.)!

In der 50. Spielminute dann allerdings sogar das 3:0 für die Hausherren: Nach einem weiten Pass aus dem rechten Mittelfeld von Alexander Zetterer kam Linor Shabani am linken Strafaumeck an den Ball, spielte mit zwei, drei Körpertäuschungen noch zwei Verteidiger schwindlig und vollendete eiskalt zum dritten Treffer für die Gastgeber.

Die Gäste aus Schweinfurt jedoch gaben sich trotz des desillusionierenden Blicks auf die Anzeigetafel, die einen mehr als klaren Spielstand anzeigte, nicht geschlagen. Im Gegenteil – jetzt, da bereits alles verloren schien, versuchten sie mit ganz viel Moral und dem Mut der Verzweiflung noch einmal alles. Und machten sich daran unbeirrt weiterzuspielen und ihr spielerisches Potential auch auszuspielen.

Schweinfurt liegt 0:3 hinten - und kommt zurück!

Dies machte sich umgehend bezahlt. Denn praktisch im Gegenzug erzielten sie ihrerseits den überlebenswichtigen ersten Treffer: Nach einem Durcheinander im Strafraum der Rosenheimer und einem feinen Querpass am Fünfer nutzte Willsch die Chance und verkürzte per Flugkopfball zum 1:3 (52.).

In der Folge verloren die Rosenheimer den Faden aus der ersten Halbzeit vollends – und zunehmend auch den Kopf. Mit einem Spiel, das so gut wie gewonnen schien – oder besser gesagt gewonnen werden musste – und einem Gegner, der doch wieder dran war und von Minute zu Minute stärker wirkte, kamen die Rosenheimer gar nicht zurecht. Plötzlich sehr nervös, begingen sie den Fehler, sich viel zu weit zurück zu spielen und keine klaren Bälle mehr zu spielen.

Durch das tiefe Stehen und viel zu viele bloße Befreiungsschläge bauten sie ihren Gegner regelrecht auf. Denn die davon gedroschenen Bälle kamen natürlich postwendend zurück. In Form andauernder Schweinfurter Angriffswellen. Und die Gäste machten das jetzt richtig gut, verlagerten geschickt die Seiten, trauten sich jede Menge zu und registrierten natürlich ganz genau die aufgescheuchten Abwehrreihen der Sechziger. Dies führte zu gefährlichen Situationen im Minutentakt.

Rosenheim steht viel zu tief - und kassiert den Anschlusstreffer

Und in der 72. Minute zum völlig verdienten und fast überfälligen Anschlusstreffer: Hier blitze einmal mehr das große spielerische Potenzial der Unterfranken auf. Nach einer tollen Kombination über die rechte Seite vollendete in der Mitte Adam Jabiri aus zwölf Metern unhaltbar zum 3:2. Nur noch ein Treffer Vorsprung für die Gastgeber.

Noch bevor das Spiel wieder angepfiffen war, erwies der Torschütze seiner Mannschaft allerdings einen Bärendienst. Wegen Meckerns im Mittelkreis unmittelbar vor Ausführung des Anstoßes sah Jabiri die zweite Gelbe und musste somit mit Gelb-Rot vom Feld. Schweinfurt zwar endgültig dran – aber nur noch zu zehnt.

Doch auch der numerische Vorteil beruhigte das Spiel der Sechziger in dieser mehr als durchwachsenen zweiten Halbzeit nicht mehr. Die Souveränität weiter Teile der ersten Hälfte war wie weggeblasen. Weiter wurde hinten drin gestanden und gebibbert. Einer steckte den anderen an, die Abstände und oft auch die Zuordnung stimmte nicht mehr. Da sich auch niemand fand, der einmal den Ball sicherte und in den eigenen Reihen laufen ließ, statt das Spielgerät einfach nur weg vom eigenen Gehäuse zu schlagen, gelang natürlich auch keinerlei Entlastung mehr.

1860 schwimmt teilweise - aber Schweinfurt trifft einfach nicht

Mit dieser Art der Spielanlage war natürlich auch nichts davon zu sehen, dass die Rosenheimer ein Mann mehr waren. Im Gegenteil – optisch wirkte es fast so, als hätten die Gäste einen Spieler mehr auf dem Feld. Die Schweinfurter gaben trotz Unterzahl weiter Vollgas und drängen die Hausherren komplett in deren Hälfte. Ja, wenn man sie so spielen ließ und teilweise einlud, zeigten die Schnüdel, was sie konnten.

Einzig gelang es ihnen nicht, das Leder im Kasten von Süßmaier unterzubringen, der sich mehrmals mit Bravour auszeichnen konnte. Einmal klärte Zetterer für seinen bereits geschlagenen Keeper in allerhöchster Not in einem Kopfballduell auf der eigenen Torlinie!

Majdancevic versetzt "Schnüdeln" den Todesstoß

Und irgendwann, gelang er dann eben doch – der alles entscheidende Konter gegen die aufgerückten Gäste, die nun völlig aufgemacht hatten: Mit einem steilen Ball in Szene gesetzt, knallte Majdancevic die Kugel mit aller Entschlossenheit aus spitzem Winkel ins lange Eck (87.)! Was für ein Jubel im Jahnstadion – das war der Deckel auf den Heimsieg!

Damit war das Spiel natürlich gelaufen. Auch die fünf Minuten Nachspielzeit, die aufgrund der mehr als turbulenten zweiten Hälfte gespielt wurden, brachten keine Veränderung des Ergebnisses mehr. 4:2 siegten die Rosenheimer am Ende. Ein Ergebnis, das klar klingt – aber es ganz und gar nicht war. Ein Punkt für die Schweinfurter wäre durchaus im Bereich des möglichen gelegen – und auch nicht unverdient gewesen. Phasenweise waren sie dem 3:3 deutlich näher, als die Rosenheimer dem letzten Treffer.

Ein spannender Abend findet einen glücklichen Sieger

Doch auch das nötige Quentchen Glück um ein solches Spiel zu gewinnen, muss man sich erst einmal erarbeiten. Und das hatten die Sechziger gewiss getan. Vor allem in Halbzeit Eins. Auch diese Punkte muss man sich eben im Laufe einer Saison holen – denn in anderen Spielen hätte man es klarer Verdient und steht vielleicht auch selbst einmal mit leeren Händen da. Schon nächste Woche fragt niemand mehr danach, wie knapp das heute war. Die Punkte allerdings, die man hat – die hat man. Was für ein spannender Abend im Jahnstadion! Der - auch wenn ihn die Rosenheimer selber spannend gemacht hatten – glücklich zu Ende ging.

Quelle: rosenheim24.de

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