Beinschuss-Direkt: Es kribbelt noch im "unbarmherzigen" Fußball-Rentner

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
v. links: Vordermayer, Wiedmann, Mayer, Ruf

In der neuen Reihe "Beinschuss-Direkt" wird Woche für Woche ein bekanntes Gesicht aus der Region interviewed. Den Anfang macht 1860 Rosenheim-Ikone Robert Mayer.

Die 1860-Ikone Robert Mayer hat seine Karriere beendet. Beinschuss.de-Redakteur Tobias Ruf hat den ehemaligen Torwart der Innstädter getroffen und zum großen Abschluss-Interview gebeten. Mit am Tisch saßen auch der Ex-Sechziger und Neu-Wasserburger Niki Wiedmann und der stellvertretende Abteilungsleiter Thomas Vordermayer.

Mayer blickt auf eine ereignisreiche Karriere zurück und gibt einen persönlichen und sportlichen Ausblick. Dabei kommt auch eine unbarmherzige Seite des sympathischen Fußball-Rentners ans Tageslicht.

Beinschuss.de: Robert, wie fühlen sich die ersten Tage als Fußball-Rentner an?

Robert Mayer: Ich fühle mich sehr sehr wohl momentan. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und kann so richtig abschalten. Das bestärkt mich in meiner Entscheidung.

Du warst über 17 Jahre bei den Aktiven am Ball. Vorbereitung, Training, Spiele . . fehlt da nicht etwas?

Mayer: Natürlich. Ich bin Fußballer mit Leib und Seele, so etwas wird man auch nicht los. Vor kurzem war ich im Jahnstadion und da hat es richtig gekribbelt. Ich wollte einfach nur die Handschuhe anziehen und raus auf den Platz.

Wie geht es mit dem Sportler Robert Mayer weiter?

Mayer: Jetzt habe ich endlich die Zeit, anderen Sportarten nachzugehen. Ich bin wahnsinnig gerne in den Bergen unterwegs oder gehe zum Mountainbiken. Auch nach der Arbeit mal zum See zu fahren und Beachvolleyballspielen, darauf freue ich mich.

Was waren letztlich die Gründe für deinen Rückzug aus dem aktiven Geschehen?

Mayer: Zum einen bin ich jetzt 33 Jahre alt. Ich habe einen kleinen Sohn und will mit dem noch gemeinsam Sport treiben. Es geht mir zwar gesundheitlich momentan gut, ich will aber eventuelle Spätfolgen vermeiden.

Wann hast du den Entschluss gefasst, die Handschuhe an den Nagel zu hängen?

Mayer: Schon vor über einem Jahr. Im Februar 2013 habe ich mit Franz Höhensteiger (Teammanager) Vertragsgespräche geführt und wollte eigentlich damals schon zum Saisonende aufhören. Franz hat mich dann überredet, noch eine Saison dranzuhängen. Dass danach Schluss ist, stand aber außer Frage.

Wie bitter ist es, in deiner letzten Saison abgestiegen zu sein?

Mayer: Das stört mich extrem. So eine seltsame Saison habe ich noch nicht erlebt. Die Mannschaft hat so viel Potenzial und Qualität, damit darf man eigentlich nicht absteigen. Wie dann letztendlich alles abgelaufen ist, ist sehr kurios und bitter.

Hast du die Spiele gegen Schweinfurt im Urlaub verfolgt? Wie hat es sich angefühlt, als das Team letztlich nach einer 1:5-Klatsche in Unterfranken den Gang in die Bayernliga antreten musste?

Mayer: Auf gut deutsch gesagt zum Kotzen. Ich habe die Spiele im Urlaub verfolgt und hatte nach dem Abstieg zwei Tage wirklich daran zu knabbern.

Hast du nachträglich ein schlechtes Gewissen, dass du dem Team gegen Schweinfurt nicht helfen konntest?

Mayer: Jeder der mich kennt und weiß, wie ich Fußball interpretiere, kann verstehen, wie es mir ergangen ist. Ich bin kein Profi und habe meinen Urlaub schon lange gebucht. Da hängt so viel dran, ob Flug, Hotel oder Surfkurse für die Familie. Das ist als normaler Arbeitnehmer eben nicht so leicht zu machen. Aber glaube mir, die Spiele gegen Schweinfurt habe ich intensiv verfolgt, das Herz war immer bei der Mannschaft.

Hegt man da als Spieler aufgrund der langen und ungerechten Relegation nicht automatisch einen Groll gegen den Verband?

Mayer: Groll ist das falsche Wort. Ich finde, man hätte das eleganter lösen müssen. Wir sind nach 38 Spielen vor Schweinfurt gestanden und müssen absteigen, während Schweinfurt in der Liga bleibt. Das ist nicht logisch.

Wer dich im Tor gesehen hat, konnte einen echten Leadertypen bewundern, der sein Team organisiert und angeführt hat. Da ist doch eine Trainerkarriere vorprogrammiert. . .

Mayer: Nein, einen Trainer Robert Mayer sehe ich nicht. Ein Spiel von hinten zu lesen und zu organisieren, ist eine ganz andere Nummer, als dies von der Seitenlinie aus zu tun. Langfristig kann ich mir aber gut vorstellen, auf die Torwarttrainer-Schiene zu gehen. Aber das hat alles Zeit, jetzt stehen Familie, Kind und Freunde im Vordergrund.

Dein letzter Klub, 1860 Rosenheim, steht vor schweren Zeiten. Finanziell geht es dem Verein nicht gut, zudem sind beide Teams in dieser Saison abgestiegen. Wohin geht es deiner Meinung nach mit dem TSV?

Mayer: 1860 ist gerade dabei, sich komplett neu aufzustellen. Das ist ein sehr positiver Ansatz. Hans Klinger, der unheimlich viele Verdienste um diesen Verein hat, darf in den wohlverdienten Ruhestand gehen und bleibt dem Verein als Berater erhalten. Das bietet dem Verein echte Chancen, mit viel Expertise wieder neu durchzustarten. Zudem sind engagierte Leute am Ruder, die viel Know-How und Leidenschaft mitbringen.

Wie geht es sportlich weiter?

Mayer: Die traditionell gute Jugendarbeit wird ein Eckpfeiler des Vereins sein. Die Mannschaften sind jetzt schon sehr jung und können das Gesicht des Vereins über Jahre hinweg prägen. Das wird alles seine Zeit brauchen, aber ich bin recht positiv gestimmt. Ob es sich lohnt, die zweite Mannschaft in diesem Umfang und in dieser Form beizubehalten, muss genau überdacht werden. Eine sinnvolle Alternative wäre in meinen Augen, diesbezüglich auf die A-Jugend zu setzen.

Blicken wir speziell auf deine Position. Mit Matheusz Trochanwoski, Patrick Schorpp und Georg Moller stehen drei Youngster in der Warteschleife. Packen die Jungs das?

Mayer: Bei Georg und Matheusz habe ich überhaupt keine Bedenken. Patrick ist ein sehr talentierter Junge, der wahrscheinlich noch ein bis zwei Jahre braucht. Gesund ist sicher der Konkurrenzkampf innerhalb des Trios. Das ist für die sportliche und persönliche Entwicklung Gold wert.

Rosenheim, München, Kufstein, Weiden, Reutlingen, Rosenheim. Du hast einige Stationen in deiner Karriere hinter dir. Welche hat dich fußballerisch am meisten geprägt?

Mayer: Jede Station hat mich auf eine ganz eigen Art und Weise geprägt.

Das ist eine Antwort, die ein Journalist nicht hören will.

Mayer (lacht): Kufstein war meine erste Herrenstation. Da gab es viele Parallelen zu 1860 Rosenheim. Ich hatte da jeweils das Glück, in Teams zu spielen, die zwischenmenschlich überragend waren. In Reutlingen durfte ich reinschnuppern in den professionellen Fußball, das war schon etwas ganz besonderes. Aber mein Heimatverein und Herzensangelegenheit wird immer 1860 Rosenheim bleiben.

Gab es ein Highlight/ Highlights, an die du dich gerne zurückerinnerst?

Mayer: Im Elfmeterschießen in den DFB-Pokal einzuziehen, war ein unvergessliches Erlebnis. Und selbst einmal im DFB-Pokal zu spielen, war natürlich auch ein echtes Highlight. Dann fällt mir noch die Meisterschaft in der Bayernliga ein und der Aufstieg mit Kufstein in die zweite Liga.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich Robert Mayer im Mannschaftsbus immer besonders breit gemacht hat. Entspricht das der Wahrheit?

Mayer (verdutzt): Ne ne, das stimmt überhaupt nicht. Ich habe vier Jahre lang immer am gleichen Platz gesessen und mich nie wirklich breit gemacht.

Wiedmann: Das kann ich bestätigen. Aber du solltest mal über deine Tätigkeit als Kassenwart sprechen.

Mayer (lacht): Im ersten halben Jahr war Georg Lenz der Kassenwart des Teams. Das war mir zu inkonsequent. Dann habe ich das Ruder übernommen und auf meine Art geführt. Ich war ein unbarmherziger Kassenwart. Ich habe die Strafen penibel aufgeschrieben, mit Datum und Vergehen.

Wiedmann: Absolut richtig. Da musste man schon alleine dafür bezahlen, dass man das Handy in der Hosentasche hatte. Es gibt Nichts, was er nicht sanktioniert hat. Ich war zwei Monate nicht da und habe trotzdem eine Rechnung über 30 Euro gehabt. Das sagt wohl alles. Sogar die Trainer hat er abkassiert.

Wer soll denn künftig in diese großen Fußstapfen treten?

Mayer: Ich favorisiere Freddy Schramme. Das würde vom Typ her richtig gut passen.

Danke für das Interview

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Magazin

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare