Nach Trainer-Wirrwarr um Pongratz beim SB Rosenheim

„Wir müssen im Interesse des Vereins handeln!“

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Hätte sich einen anderen Saisonabschluss gewünscht, aber steht zu seinen Entscheidungen - SBR-Abteilungsleiter Rainer Pastätter.

Rosenheim - Da die Aussagen von Matthias Pongratz zu seinem überraschenden Abgang beim SB Rosenheim im Interview mit Beinschuss Direkt ja schon recht deutlich und Klartext gesprochen waren - zu einer Angelegenheit aber immer zwei Seiten gehören - haben wir natürlich auch beim Sportbund nachgefragt, wie man die Angelegenheit dort sieht.

Die Reaktion auf Pongratz' zum Teil heftige Statements bei Beinschuss Direkt fiel relativ entspannt aus. Für die Fußballabteilung äußerte sich deren neuer Abteilungsleiter Rainer Pastätter: „Wir sind von der ganzen Geschichte genauso überrascht worden wie alle. Und aus allen Wolken gefallen. Damit dass Matthias Pongratz so geht, war nicht zu rechnen. Einen Grund dafür, dass das so ablaufen musste, gab es aus unserer Sicht eigentlich nicht.“

Entspannte Reaktion des Sportbunds

Die Saisonziele der Landesliga-Mannschaft, seien praktisch erreicht, der Klassenerhalt klar gewesen, so Pastätter, auch wenn rechnerisch rein theoretisch noch Anderes möglich gewesen sei. Da hätte es schon mit dem Teufel zugehen und ein absoluter Worst-Case eintreten müssen. Jeder der die Landesliga-Tabelle, den Punktestand des SBR und den Spielplan angeschaut hätte, wisse das.

Auch Pongratz habe sein selbst gestecktes Saisonziel längst erreicht gehabt, dieses aber laufend erweitert: „Ich war dabei als Matthias vor Beginn der Rückrunde in einer vorbereitenden Mannschaftssitzung eine Flipchart ausgepackt hat, auf der die Anzahl von vierzehn Spielen und zu erreichenden achtzehn Punkten aufgemalt waren. Dieses Ziel hatten er und die Mannschaft bereits drei Spieltage vor Saisonende erreicht. Deshalb haben sie ja auch den Klassenerhalt gesichert.“.

Prioritäten von Pongratz und Verein waren zu verschieden

Die Prioritäten des nun ehemaligen Trainers seien aber leider ganz andere gewesen als die des Vereins. „Für uns war es doch nicht wichtig, vielleicht noch auf Platz Vier zu schielen. Wir wollten unbedingt die Klasse halten – das haben wir geschafft. Ob wir nun Vierter oder Siebter werden, spielt doch für den Verein als Ganzes keine Rolle.“, so der Abteilungsleiter. Daher sei von Seiten der sportlichen Leitung der Wunsch an Pongratz herangetragen worden, einzelne Spieler hinsichtlich der Kaderplanung für die sich weiter Mitten im Abstiegskampf befindende Zweite Mannschaft in der Kreisliga stärker zu berücksichtigen. Nur sei das mit Pongratz nicht zu machen gewesen.

Pastätter führt weiter aus: „Dass die Zweite Mannschaft mindestens in der Kreisliga bleibt, ist für die Weiterentwicklung des ganzen Vereins essentiell wichtig! Gerade mit dem tollen A-Jugend-Jahrgang, der in den kommenden Jahren nachrückt.“ Diesen Spielern müsse doch ein attraktives Angebot gemacht werden können, welches sie beim Sportbund halte. Und ihnen müsse die Integration in den Herrenbereich sinnvoll und Schritt für Schritt ermöglicht werden. „Wir würden uns ja am Nachwuchs und der Zukunft des Vereins versündigen. Das Konzept des Sportbunds für die nächsten Jahre steht und fällt doch damit! Auch finanziell ist das ja mittel- und langfristig eine Riesenentlastung für einen Verein, wenn er auf den eigenen Nachwuchs setzen kann. Vor allem wenn die Talente schon vorhanden sind.“

"Niemand hat Pongratz ständig reingeredet - aber wir müssen an den Verein denken!"

Der Abteilungsleiter betont aber noch einmal ausdrücklich, dass niemand Pongratz während der Saison ständig in seine tagtägliche Arbeit oder die Details der Mannschaftsaufstellung hineingeredet habe: „Es wurde eindringlich gebeten die Zweite Mannschaft zu stärken – und erläutert, warum aus Sicht des Vereins bestimmte Spieler im Saisonfinale der Zweiten zum Einsatz kommen müssen. Wir haben da, angesichts der für uns klaren Argumente, auf ein wenig mehr Kompromissfähigkeit gehofft. Aber letzten Endes müssen wir auch im Interesse des Vereins entscheiden. Wie Matthias das jetzt darstellt, ist übertrieben. Ob er das eventuell als Diktat empfunden hat, vermag ich nicht zu beurteilen – so verstanden wissen wollten wir das allerdings nicht!“.

Vor dem Heimspiel gegen Freising sei es zu einem Dissenz bezüglich des Themas gekommen. Dabei habe Stefan Kurz, der Sportliche Leiter des SBR, Pongratz darüber informiert, dass Markus Höhensteiger und Michael Hofer nach Möglichkeit nicht von Anfang an spielen sollten, da sie in der Zweiten Mannschaften spielen müssten. Pongratz sei trotzdem der gleiche gute Kader zur Verfügung gestanden, wie zuvor beim Sieg über Kirchheim. Aufgrund der prekären Situation der Zweitvertretung und deren entscheidendem Spiel im Abstiegskampf gegen den direkten Konkurrenten Oberndorf sei dies aus Vereinssicht zwingend notwendig gewesen.

Erst als kein Kompromiss möglich war, gab es eine Vorgabe

Man habe auf Pongratz' Einsicht gehofft – eine gütliche Einigung zwischen Coach und sportlicher Leitung sei aber leider nicht zu erzielen gewesen. Daraufhin gab es eine grundsätzliche Kader-Vorgabe des Vereins unter der Maßgabe, dass die betreffenden Spieler selbst entscheiden sollten, ob sie für die Zweite auflaufen wollten. Diese hätten sich aufgrund der Ausnahmesituation dazu bereit erklärt. So sei man auseinander gegangen – und so seien auch die Spiele des Wochenendes gespielt worden.

Am darauffolgenden Dienstag sei Pongratz dann zwar zum Training erschienen, allerdings ohne sein Trainingszeug und ohne die Absicht das Training zu leiten. „Niemand von uns Verantwortlichen war darüber im Vorhinein informiert. Ich habe davon telefonisch durch Stefan Kurz erfahren, der vor Ort war. Dann hat sich herausgestellt, dass Matthias die Mannschaft kurz zuvor informiert hatte, dass er hier nicht mehr weitermacht.“, sagt Pastätter.

Sofortige Trennung bedauerlich und unnötig

Die Art und Weise des Abgangs nennt der Abteilungsleiter zwar „unnötig und unprofessionell“, fachlich habe Matthias Pongratz aber in den eineinhalb Jahren beim Sportbund einen Top-Job gemacht. Dies bestätigt auch Kurz. Die Arbeit mit der Mannschaft sei jederzeit auf höchstem Niveau gewesen – der Neuaufbau nach dem Abstieg aus der Bayernliga, sowie der Klassenerhalt in dieser Saison Pongratz zu verdanken. Was man ihm ebenfalls zugute halten müsse, sei Pastätter zufolge, dass er immer mit offenen Karten gespielt habe. Sein Interesse habe eben immer nur der von ihm trainierten Mannschaft in der Landesliga gegolten. Und dies entspreche auch den Abmachungen von Pongratz mit dem Vorgänger Pastätters im Amt des Abteilungsleiters Willi Bonke, der ihn ausschließlich für die Betreuung der Ersten Mannschaft verpflichtet habe.

Nun habe der Sportbund allerdings ein neues Konzept („Sportbund 2020“) und dementsprechend sei es nur folgerichtig gewesen, dass man zunächst in gegenseitigem Einvernehmen entschieden habe, dass sich zur neuen Saison die Wege trennen sollten. „Ich sehe den Punkt der Aufgaben des Trainers anders als mein Vorgänger. Wir haben hier gerade die einzigartige Chance den Weg über unsere gute Jugendarbeit zu gehen. Und die sollten wir versuchen zu nutzen.“ erläutert Pastätter seinen Standpunkt und den der von ihm geleiteten Fußballabteilung.

Als Teamplayer muss man auch den Verein als Ganzes sehen

Zum Dissenz darüber mit Pongratz meint er: „Man muss als Verantwortlicher immer auch den Verein als Ganzes sehen. Da braucht es Teamplayer und Egoismen müssen auch mal hinten anstehen. Und auch für Richtungsentscheidungen muss jemand den Kopf hinhalten. Ich stehe zu jeder meiner Entscheidungen – und habe sie immer zum Wohle des Vereins getroffen!“

Es sei sehr schade und unnötig, dass man auf diese Art und Weise habe auseinander gehen müssen. Das habe eigentlich weder die Mannschaft, noch die Arbeit von Pongratz während seiner Zeit beim Sportbund verdient. Großartig Nachkarten oder schmutzige Wäsche waschen, wolle er aber nicht, lässt Pastätter wissen. Und somit scheint das Kapitel Matthias Pongratz auf dem Campus beendet.

Sportbund wünscht sich harmonischen Saisonausklang

Leider ohne Happy End, wie es aussieht. Vielleicht aber doch nicht? Denn der Verein, in dem viele die jüngsten Geschehnisse als überflüssig bewerten, wolle eigentlich abschließend kein „Böses Blut“ - und daher sind sowohl Matthias Pongratz, als auch sein Co-Trainer Gerhard Huber und der frühere Abteilungsleiter Willi Bonke zur Saisonabschlussfeier im Anschluss an das letzte Heimspiel des Sportbunds gegen den SB Chiemgau Traunstein in einer Woche eingeladen. Das hätten sich alle Beteiligten aufgrund ihrer Leistungen für den Verein verdient.

Quelle: rosenheim24.de

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